Digitale Kunst: Ehe - ein Computerspiel - DER SPIEGEL
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Digitale Kunst Ehe - ein Computerspiel

Für den Game-Designer Rod Humble steht fest: Spielregeln sind Kunst! Mit seinem minimalistischen Spiel "The Marriage" beweist er, dass da was dran ist.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rod Humble ist ein gefragter Mann in der Gamesbranche. Er war an der Entwicklung von Rollenspiel-Epen wie "Everquest" und "Star Wars: Galaxies" beteiligt. Derzeit ist er der Leiter des "Sims"-Studios bei Electronic Arts. Bei so viel Erfolg könnte jeder verstehen, wenn Humble in seiner Freizeit die Füße hochlegen und Däumchen drehen würde.

Stattdessen will er der Welt klar machen, dass Computerspiele ein künstlerisches Ausdruckmittel sind. Dazu programmiert er in Heimarbeit Spiele, die seine Kunstauffassung verdeutlichen sollen. Dabei geht es ihm besonders um einen Aspekt: die Spielregeln von Games. "Ich verstehe Spielregeln als eine sehr stark komprimierte künstlerische Aussage", so Humble über sein neues PC-Spiel "The Marriage". Um das Game auf sein Regelwerk zu reduzieren, hat er bei der Programmierung auf eine Grafik gesetzt, die einzig aus Quadraten, Kreisen und einem die Farbe wechselnden Bildhintergrund besteht. Auf die Einbindung von Musik und Geräuschen hat er sogar gänzlich verzichtet.

Humbles Ziel war es, den Spieler so unmittelbar wie möglich mit dem reinen Regelwerk eines Computerspiels interagieren zu lassen. Er erklärt: "Jedes Element, das dem eigentlichen Spiel im Weg stand, habe ich entfernt."

Was zunächst reichlich abstrakt daherkommt, beginnt sich schnell mit Leben zu füllen. Wie der Name "The Marriage" schon andeutet, geht es um den Verlauf einer Ehe, der vom Eingriff des Spielers beeinflusst wird. Die Ehepartner werden durch ein blaues und ein rosafarbenes Quadrat symbolisiert. Kreise, die langsam vom oberen Bildrand herabsinken, stehen für äußere Einflüsse. Während die Partner ständig dazu tendieren, sich voneinander wegzubewegen, ist es Aufgabe des Spielers, durch Berühren der einzelnen Bildelemente mit dem Mauszeiger die Beziehung im harmonischen Gleichgewicht zu halten. Das bedeutet: Begegnungen zulassen oder verhindern, Bewegungsrichtungen ändern, Einfluss nehmen auf Nähe und Dominanz der beiden Partner.

Am Ende steht die Erkenntnis, dass es keiner Übergrafik bedarf, um uns Spieler anhand einfacher Spielregeln über komplexe Zusammenhänge – wie etwa eine Beziehung – nachdenken zu lassen.

Das Game gibt es unter www.rodvik.com/rodgames 

Oliver Klatt

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