Experten-Chat: Wissen, was gespielt wird - DER SPIEGEL
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Experten-Chat Wissen, was gespielt wird

Die neuen, digitalen Medien, ist Wolfgang Bergmann überzeugt, "gehören zur modernen Freizeit und Berufswelt." Die Schule, so der Kinderpsychologe im Chat bei SPIEGEL ONLINE, hätte sich längst auf die veränderte Medienwelt einstellen müssen. Auch Eltern müssen einfach wissen, was gespielt und gesehen wird.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es sei durchaus nicht notwendig, Kindern das Fernsehen generell zu verbieten, meint Bergmann. Kinder würden zwar durch ein striktes Fernsehverbot nicht "realitätsfremd" – aber "Fernsehen macht Spaß". Sinnvoll sei, immer nur das zu verbieten, was wirklich schädlich sei, "gut ist das nicht, wenn ein Kind dann gar nicht mehr mitreden kann". Eltern sollten aber ein Auge darauf haben, was da konsumiert werde – und Zeitbegrenzungen setzen, so Bergmann im Chat mit SPIEGEL-ONLINE-Lesern (Chat-Protokoll).

Man müsse zwar mit generellen Aussagen zu solchen Begrenzungen vorsichtig sein, so Bergmann, aber Kinder unter zehn Jahren sollten nicht länger als eine halbe Stunde am Tag vor dem Fernseher sitzen, am Wochenende könne es aber Ausnahmen geben. Und: "Ein Fernseher im Kinderzimmer (unter 14) ist Vernachlässigung. da bin ich ziemlich forsch."Generell werde die Debatte um diese Themen sehr polarisierend geführt, das sei nicht notwendig: Es herrsche zuweilen "so eine deutsche romantische Technikfeindlichkeit" vor.

Ob das Moorhuhn-Spiel seinem fünfjährigen Sohn schaden könne, wenn der es eine halbe Stunde in der Woche spielen dürfe, wollte ein Leser wissen, Bergmann antwortete, das harmlose Geballere auf simulierte Vögel stelle kein Risiko dar: "Ein Fünfjähriger weiß übrigens, dass das keine richtigen Hühner sind. 30 Minuten pro Woche, das ist schon ziemlich eng limitiert."

Vom generellen Verdammen des ganzen Mediums hält Bergmann nichts: "Es gibt hervorragende Spiele für alle Altersgruppen. Aber die Spielemacher haben noch keine richtige eigene Bildästhetik gefunden", so der Kinderpsychologe. Allerdings sei immer noch vieles, was angeboten werde und populär sei "wirklich nur ein Kriegsgeballere und insofern ziemlicher Schrott".

Der Informationsstand der Debattierenden in diesem Bereich sei leider oft erschreckend niedrig: "Wie etwa über das ziemlich harmlose "Couter-Strike" geredet wird, ist oft sehr sehr weltfremd", sagte der Kinderpsychologe, "man sollte schon etwas verstanden, ja gefühlt haben von der Faszination dieser Spiele".

Mit seiner eigenen Tochter, verriet der Kinderpsychologe, "habe ich schon gespielt, als sie knapp drei war, Traumburg hieß das Spiel, und sie hatte viel Spaß, wenn der blöde Prinz immer in dieselbe Pfütze stolperte und sie mit der Hexe flog. Heute ist das Kind zehn Jahre und interessiert sich kaum bis gar nicht für Computer."