Fast ein Apple: Der Mac, der aus Wolfsburg kommt - DER SPIEGEL
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Fast ein Apple Der Mac, der aus Wolfsburg kommt

Einen Mac haben wollen viele, den Preis für einen Mac bezahlen aber nicht. Eine kleine Firma will diese Lücke nutzen, knauserige Apple-Aspiranten mit billigen Pseudo-Macs zu beliefern. Die sehen nicht so gut aus wie die Originale, sind aber rasend schnell - und kommen manchmal ins Stolpern.
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Diesen Rechner einzuschalten ist eine Wonne. Kurz ist der Lüfter beim Aufdrehen zu belauschen, beruhigt sich aber bald wieder, gibt fortan nur noch ein sanftes Rauschen von sich. So still und leise sollte ein PC sein, damit er einem nicht akustisch auf die Nerven geht. Aber das hier ist kein PC, obwohl er komplett aus PC-Bauteilen zusammengesetzt wurde. Das hier ist ein Mac, zumindest beinahe, denn Apple hat mit dem Bau dieses Rechners nichts zu tun gehabt. Nur die Software, das Betriebssystem, stammt tatsächlich von Steve Jobs Firma aus Cupertino.

Alles andere haben zwei Jungunternehmer aus Wolfsburg zusammengesetzt. Mit ihrer Firma Hypermeganet UG bieten sie unter dem Markennamen Pearc.de  seit Februar den "PC mit Mac OS X" an, einen Rechner, der aus günstigen Standard-Bauteilen besteht, auf dem aber Apples Mac OS X läuft. Eigentlich verbietet Apple solche Nachbauten, untersagt in seinen Lizenzbedingungen die Nutzung seiner Software auf anderen als Apple-Computern.

Dieser Passus sei in Deutschland aber nicht gültig, argumentiert Dirk Blößl von Hypermeganet. Der Grund: Von Apples Einschränkung erfährt man erst, nachdem man das Betriebssystem gekauft hat, da die Nutzungsbedingungen in der Software-Packung stecken und vor dem Öffnen nicht eingesehen werden können. Blößl geht deshalb davon aus, dass der Verkauf von PCs mit Mac OS X in Deutschland legal ist. Bisher klappt das auch. Obwohl die Firma ihre Rechner seit Monaten anbietet und verkauft, ist kein Gegenwind von Apple zu spüren. In den USA hingegen versucht Apple derzeit, gegen den Klon-Anbieter Psystar vorzugehen. Bisher ohne Ergebnis.

Ein rasanter Rechner

Die Ausstattung des Testgeräts kann sich sehen lassen. Als Prozessor ist ein Vierkern-Chip von Intel mit 3 GHz Taktfrequenz eingebaut. Dem zur Seite stehen 8 GB Arbeitsspeicher und eine Festplatte mit 750 GB. Außerdem ein DVD-Brenner, W-Lan, Bluetooth, diverse USB-Anschlüsse, Firewire, zwei Gigabit-Netzwerkbuchsen und eine schnelle Grafikkarte mit 1 GB-Grafikspeicher. Komplettpreis: 1.358,96 Euro zuzüglich 11,99 Versandkosten.

Da kann Apple nicht mithalten. Ein in etwa gleich ausgestatteter Mac Pro würde glatt das Doppelte kosten. Wirklich vergleichbar ist das aber nicht. So stecken in Apples Rechnern beispielsweise Server-Prozessoren anstelle von Desktop-Chips und statt herkömmlichen Arbeitsspeichers wird sogenannter ECC-Speicher mit automatischer Fehlerkorrektur verwendet. So was ist teuer.

Keine Probleme mit fremder Software

Trotzdem muss man dem Klon zugute halten, dass er mit ausgesprochen hoher Leistung glänzt. Im Testprogramm Cinebench der deutschen 3D-Softwareschmiede Maxon  erreicht er rund 12.000 Punkte, was ziemlich genau dem entspricht, was bei einer solchen Hardwareausstattung zu erwarten - und außerdem ziemlich schnell - ist. Eben deshalb ist der Mac-Klon aus Wolfsburg offenbar bei professionellen Anwendern beliebt, die einen Zahlenfresser suchen. Ein großer Teil der verkauften Pearc-Rechner wird von solchen Kunden bestellt, sagt Firmengründer Dirk Blößl.

Meine Versuche, den Pseudo-Mac mit unterschiedlicher Software aus dem Tritt zu bringen, waren allesamt erfolglos. Egal ob teure Profi-Bildbearbeitung, Disney-Abenteuerspiel, Apple-Software oder kostenloses Freeware-Tool: Offenbar läuft alles, was auf einem Macbook läuft, auch auf dem Pearc-Rechner, nur viel schneller. Das fühlt sich gut an.

Update-Desaster

Ein wenig Abenteuerlust gehört dann aber doch dazu, einen solchen Klon anstelle des Originals zu verwenden, wie sich gegen Ende des Tests zeigt. Gerade noch rechtzeitig veröffentlichte Apple ein Systemupdate für das Mac OS X. Mutig ließ ich die automatische Software-Aktualisierung gewähren, die kurz nach der Veröffentlichung des Updates mit dessen Download und Installation begann. Die Quittung für diesen Wagemut bekam ich prompt: Beim anschließenden Neustart hängte sich der Pearc-PC unrettbar auf.

Das Update hatte offenbar einige jener Programmdateien zerschossen, die das Apple-System auf dem Standard-PC erst lauffähig machten. Das hatte man offenbar auch beim Hersteller bemerkt. Statt aber sofort Alarm zu schlagen, alle Anwender vor dem Update zu warnen, hat man sich in Wolfsburg um eine Lösung für das Problem bemüht. Als die am Nachmittag in Form eines Patch-Programms veröffentlicht und per Mail bekannt gemacht wurde, war es für mich schon zu spät. Längst war der Wolfsburg-Mac wieder in den Karton zurückgewandert.

Fazit: Ein schöner, schneller Rechner, ohne Frage. Und günstig obendrein. Wenn man aber bei jedem Systemupdate erst abwarten muss, bis der Hersteller es untersucht und für ungefährlich erklärt oder eben ein Patchprogramm heraus gebracht hat, ist er nichts für mich, dafür bin ich zu ungeduldig. Wer sich an solchen Wartezeiten nicht stört, mag zugreifen. Den Mutigen gehört die Welt - und sparen können die auch noch.