Gadgets: Technik-Highlights der Woche - DER SPIEGEL
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Gadgets Technik-Highlights der Woche

Elektronik wird immer intelligenter: Handys sortieren E-Mails nach Wichtigkeit, Koffer ziehen sich durch Flughäfen und Musikinstrumente begleiten sich selbst. SPIEGEL ONLINE hat die bemerkenswertesten Technik-News der Woche zusammengetragen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In Las Vegas trafen sich vergangene Woche Handy-Hersteller und Netzwerkfirmen zur Mobilfunkmesse CTIA Wireless 2009, stellten Handys, drahtlose Kopfhörer und Ähnliches vor. In Frankfurt begann die Musikmesse, eines der wichtigsten Events des Jahres, für alle die Musik nicht nur hören, sondern auch machen, produzieren oder vermarkten.

Unter den Neuheiten waren natürlich etliche Mobiltelefone. Solche, die intelligent mit E-Mails umgehen können zum Beispiel. Oder, die versuchen, große Vorbilder zu imitieren. Und es gab Musikinstrumente, die, obwohl winzig klein, viel mehr können als man ihnen zutrauen würde.

Doch auch abseits der großen Veranstaltungen wurde Sehenswertes präsentiert.

Auf den folgenden Seiten finden Sie die schnellste Grafikkarte und den kleinsten Camcorder der Welt, einen Chip, der Servern das Sparen beibringen soll und vieles mehr.

Wissen was wichtig ist - HTC Snap

E-Mail am Handy ist eine feine Sache. Bei den Blackberry-Handhelds ist sie sogar primärer Existenzgrund. Unterwegs Kontakt zu Firma, Freunden und Familie halten zu können, ist toll - solange sich das Mail-Aufkommen in Grenzen hält. Lästig wird's nur, wenn die elektrische Post gefühlt Säckeweise auf das Mobiltelefon schwappt. Das wird schnell unübersichtlich und kann dazu führen, dass einem die wirklich wichtigen Dinge entgehen - oder zu spät auffallen.

Das Snap von Handy-Hersteller HTC soll das besser können. Per Druck auf dessen Inner-Circle-Taste sortiert das Gerät die Post vor. Wochentags postiert es geschäftliche Mails ganz oben im Posteingang, am Wochenende und nach Feierabend werden Nachrichten ausgewählter Freunde und der Familie vorgelassen.

Hört sich super an und ist auch super - wenn es funktioniert. Denn ausprobiert hat das noch niemand, zumindest nicht außerhalb der Herstellerfirma. Den Live-Test wird man wohl frühestens im Mai machen können, denn die Markteinführung ist für Mitte des zweiten Quartals geplant. Und dann bleibt noch die Frage, wann andere Firmen auf den Dreh kommen, den Posteingang vorzusortieren. Eine eigene Taste braucht diese Funktion ja nicht, ist doch bloß Software.

Ein bisschen iPhone - Motorola Evoke QA4

Ein Schuss iPhone, ein Spritzer Palm Pre und eine ordentliche Portion Motorola, schon ist das Evoke QA4 fertig. Mit dem neuen Touchscreen-Handy scheint der US-Konzern Motorola vieles richtig gemacht zu haben. Es hat einen berührungsempfindlichen Bildschirm, der ersten Berichten zufolge recht gut funktioniert und zudem durch leichte Vibrationen ein sogenanntes haptisches Feedback liefert. Anders ausgedrückt: drückt man eine virtuelle Taste auf dem Display, bekommt der Finger das zu spüren.

Zusätzlich ist eine aufschiebbare Telefontastatur integriert, falls man doch mal echte Tasten spüren will. Ansonsten sind etliche vorgefertigte Web-Applikationen, beispielsweise für YouTube und MySpace vorinstalliert. Und dass, da sind sich die Beobachter einig, die das Gerät auf der CTIA in Las Vegas schon ausprobieren konnten, ist auch bitter nötig, weil der Browser nicht gerade zur Spitzenklasse gehört.

Seine Freunde dürfte das Evoke trotzdem finden, weil es vermutlich billiger als iPhone oder Palm Pre angeboten wird, zwar nicht deren Funktionsreichtum erreicht, dafür aber gut aussieht und sich lässig bedienen lässt - nur nicht in Deutschland. Denn Pläne, das Gerät außerhalb der USA anzubieten, gibt es derzeit nicht.

Classic - Palm-OS-Emulator für den neuen Palm

Palm-Fans freuen sich: Mit dem Pre wird Palm in diesem Jahr endlich ein Smartphone auf den Markt bringen, das sich von der Masse abhebt, echte Innovationen mitbringt. Was der Palm Pre nicht mitbringen wird, sind die vielen tausend alten Programme, die über Jahre für das Palm OS entwickelt, verschenkt und verkauft wurden. Und das tut manchem Palm-User weh.

Muss es aber nicht, denn die US-Firma MotionApps hat schon eine Lösung gefunden. Sie packt das alte Palm-Betriebssystem einfach in einen Anwendung, nennt das Ganze Classic und stellt damit den ersten Palm-OS-Emulator für den Palm Pre vor, noch bevor das neue Gerät überhaupt auf dem Markt ist. Dass damit dann einmal alle alten Palm-Programme auf dem Pre laufen werden, verspricht das Unternehmen vorsichtshalber nicht. Aber immer, dass die meisten Applikationen wohl funktionieren werden.

Nur eine Sache wird mit Classic garantiert nicht funktionieren: Die Datenübertragung per Infrarot. Denn während die alten Palms meist noch über die IrDa genannte Infrarot-Schnittstelle kommunizieren konnten, hat der neue Palm dafür keine Hardware vorgesehen. Und die zu emulieren, also per Software nachzubilden, ist leider nicht möglich.

HD-Video und GPS - Sony Handycam HDR-TG7

In diesen Camcorder hat Sony fast alles gequetscht, was derzeit denkbar ist. Zunächst einmal nimmt er Videos in HD-Auflösung, also passend für den teuren Flachbildfernseher im Wohnzimmer auf. Dann hat er 16 GB Speicher eingebaut, genug für sechs Stunden HD-Video, sagt Sony. Und wenn das nicht reicht, kann man per Memory-Stick nachrüsten. Vor allem aber weiß dieser Camcorder immer wo er ist, zumindest unter freiem Himmel.

Mittels GPS-Modul ermittelt der HDR-TG7 seine Position per Satellitenortung, zeigt den jeweiligen Ort auf Wunsch auf einer Karte auf dem Display an. Mit Hilfe eine Software namens Picture Motion Browser soll man damit später die Orte eine Reise samt Videos Revue passieren lassen.

Kompliziert soll die Bedienung des HD-Filmers trotzdem nicht sein, verspricht der Hersteller. Vor allem aber sei das Gerät der kleinste und leichteste Full-HD-Camcorder der Welt geworden, den man ihn überall hin mitnehmen mag. Wenn man ihn denn mitnehmen kann. Denn während der HDR-TG7 physisch ein Leichtgewicht ist, zerrt er mit einem Preis von 899 Euro doch sehr schwer am Portemonnaie.

Live Luggage - Der Koffer, der sich selbst zieht

"Weil die Erde nicht flach ist". So einfach lautet die Begründung von Live Luggage, weshalb man einen Motorkoffer braucht. Einen Motorkoffer? Genau das hat die britische Firma jetzt vorgestellt. Flache Motoren, direkt eingebaut in die beiden Räder des Gepäckstücks, sollen den Transport der Reisegarderobe zum lässigen Spaziergang machen.

Sogar Science-Fiction-Technik wollen die Ingenieure in den Hightech-Koffer integriert haben, einen sogenannten Antigravitationsgriff. Der macht das Gepäck nicht schwerelos, sondern bewerkstelligt das Wunder, 85 Prozent des geladenen Gewichts auf die Räder zu verlagern. Aber das dürfte wohl ein rein mechanischer Trick sein, denn auch ein Otto-Normal-Rollkoffer verlagert sein Gewicht auf die Rollen, sobald man am Griff zieht.

Dafür hat Otto-Normal-Koffer nicht so einen wunderbar knallgelben Griff wie der elektrische Rollkoffer von Live Luggage. Und auch dessen Regenschirmhalterung dürfte man bei der Konkurrenz meist schmerzlich vermissen, zumindest wenn man das 440 Euro teure Gepäckstück direkt beim Hersteller abholt - in Henley-on-Thames, im britischen Oxfordshire.

Teenage OP-1 - Der Mini-Über-Synthesizer

Das soll ein Synthesizer sein? Und ob! Aber eigentlich ist der Operator 1 (OP-1) von Teenage Engineering viel mehr. An einen PC oder ein Notebook angestöpselt dient er als Kontrollstation für Software-Synthesizer, Aufnahmeprogramme und digitale Effekte. Mehrere Drehknöpfe, Funktionstasten und Steuerungstasten sollen dabei helfen.

Ganz ohne Computerhilfe aber mutiert der OP-1 zum Multitalent, wird zum Synthesizer, Sampler und Multieffektgerät inklusive einer Mini-Klaviatur über zwei Oktaven. Und weil man vielleicht nicht immer Musik machen möchte, kann man mit dem OP-1 auch Radio hören oder gehörte Musikstücke als Grundlage für neue Klänge nehmen. Sollen es lieber Natursounds sein, können die per Mikrofon aufgenommen werden. Und was auch immer man mit all diesen Spielereien kreiert, am Ende lässt man es von OP-1 ins MP3-Format wandeln und packt es in sein Weblog - wenn man bei all dem Musik-Gedaddel dafür noch Zeit hat.

Die MP3-Gitarre - Ovation Idea Guitar

Am Lagerfeuer sitzen, ein paar Lieder singen, ach, ist das gemütlich. Von wegen! Musik wird heute elektronisch verfeinert, auch wenn man sie mit der guten alten Akustikgitarre macht. Obwohl, alt ist die Ovation Idea Guitar nicht gerade. Das Konzept der Ovations, die aus ihrem runden Buckel einen besonders runden Sound zaubern sollen, ist nicht neu.

Vergleichsweise neu ist allerdings die Idee, die Idea genannte Klampfe mit einem MP3-Player/Rekorder auszurüsten. Damit kann man sein Geschrammel, inklusive Gesang, unterwegs aufnehmen, später zu Hause auf den PC überspielen. Für Anfänger sind auf dem Player zudem einige Gitarrenlektionen vorinstalliert, meist kurze Playbacks, zu denen man die passenden Akkorde spielen soll. Und wenn das nicht auf Anhieb klappt, macht's auch nichts, die Abspielgeschwindigkeit lässt sich beliebig drosseln, so dass man jedes neue Stück ganz langsam angehen kann.

Sparschwein für Großrechner - Intel Xeon 5500

So viel Begeisterung für einen Mikrochip sieht man selten, vor allem, wenn es sich um einen Prozessor handelt, der für Server gedacht ist. Aber Intels nagelneuer Xeon 5500, auch bekannt als Nehalem, machte während der Woche reichlich Wellen. Und das nicht nur, weil der neue natürlich schneller als seine Vorgänger rechnet, sondern vor allem, weil er viel sorgsamer mit Strom umgeht als seine Vorgänger. Automatisch soll er sich den jeweiligen Anforderungen anpassen, seinen Energieappetit drosseln, wenn wenig zu tun ist. Laut Intel schafft er es auf diese Weise, seine Anschaffungskosten binnen acht Monaten auf der Stromrechnung einzusparen.

Foto: AP

Für Server-Hersteller war dieses Versprechen wohl Anlass genug, sich schon früh daran zu machen, passende Server zu entwickeln. Zusammen sollen Cisco, Dell, IBM HP, Lenovo, NEC, Sun und viele andere insgesamt 230 solcher Systeme verkaufsbereit haben. Nur Apple zuckelt ein wenig hinterher, soll Gerüchten zufolge aber in wenigen Wochen ebenfalls seine Xserve-Rechner auf die neuen Chips umrüsten.

Intel selbst sieht sich unterdessen einer Patentklage gegenüber. Kurz nach der offiziellen Vorstellung der neue Xeons reichte die Firma SiCortex Klage ein, behauptet, ausgerechnet die Mechanismen, die Intels Chip so sparsam machen, habe Intel nur geklaut.

Heiße Teile - neue Grafikkarten

Alle Jahre wieder ist's im Frühjahr so weit. Noch bevor die ersten Blumen blühen und die Bäume sprießen, ernten die Grafikkartenhersteller die Früchte ihrer Winterpause, stellen neue Grafikturbos vor, die noch schneller noch bessere Bilder auf den Bildschirm werfen sollen. So auch in diesem Jahr.

Nvidia stellt mit der GeForce GTX 275 einen Bildschirmbeschleuniger vor, der ein besonders gutes Preisleistungsverhältnis liefert, mit 240 Prozessorkernen und 1.404 MHz Taktfrequenz flugs zur Sache gehen soll. AMD setzt noch einen drauf, bezeichnet seine ATI Radeon HD 4890 gleich als "leistungsfähigsten Grafikprozessor der Welt". Beiden gemein ist, dass sie im Laden knapp 250 Euro kosten werden und sich reichlich an der Steckdose bedienen. " ExtremeTech " hat Stromverbräuche von fast 400 Watt und Temperaturen knapp unter 100 Grad bei der neuen GeForce-Karte gemessen, die AMD-Karte war nur wenig bescheidener.