Gaming-Tastatur G19 Daddeln mit Durchblick
Das Design passt schon mal: Logitechs Gaming-Tastatur G19 sieht robust aus, sehr robust - und das sogar, obwohl sie völlig aus Plastik gebaut ist. Damit entspricht sie den Bedürfnissen der Zielgruppe: Gamer sollen sich das 180 Euro teure Luxus-Keyboard kaufen, um ihre virtuellen Gegner schneller - oder unterhaltsamer - zur Strecke zu bringen. Was würde da besser passen als eine Tastatur, die aussieht, als könne man damit auch in den Dschungel ziehen? Eine Tastatur, die so stabil wirkt, dass man sie durchaus von der Ladefläche eines Geländewagens fallen lassen kann, ohne dass sie dabei irreparablen Schaden nimmt?
Doch in der echten Welt sollte man von solchen Experimenten lieber absehen. Denn der Look täuscht: Aus Metall oder ähnlich stabilen Materialien ist hier nichts - auch nicht das silberfarbene Rohr, an dem der um eine Achse drehbare Bildschirm der Tastatur montiert ist.
Dieses Farbdisplay macht die G19 zu etwas Besonderem. Immerhin 320 x 240 Bildpunkte stellt der Mini-Bildschirm dar, genau so viel wie etliche Handys. Unmittelbar nachdem man die Tastatur verkabelt und an den PC angeschlossen hat, tut sich darauf allerdings herzlich wenig. Nur ein Logitech-Schriftzug bezeugt, dass Strom fließt, alle Stecker in den richtigen Buchsen stecken. Erst wenn man die mitgelieferte Software installiert hat, erwacht das Display zum Leben. Es zeigt dann in regelmäßigem Wechsel Infos über die Auslastung von Prozessor und Arbeitsspeicher an, meldet die Uhrzeit und die neuesten Nachrichten aus einigen RSS-Feeds.
Weil das auf Dauer reichlich langweilig wird, lohnt es sich, die Konfigurations-Software der G19 einmal aufzurufen, was diese aber nach jedem Neustart sowieso automatisch tut. Hier kann man die Bildershow anpassen, beispielsweise bestimmte RSS-Feeds auswählen, einzelne Module komplett abschalten. Außerdem kann man der Software verraten, in welchem Ordner auf dem Rechner man seine Filme abgelegt hat. Wenn sie das weiß, kann man ganze Blockbuster auf dem Winz-Bildschirm betrachten.
Nicht jedes Spiel mag mitspielen
Wie viel Spaß das macht, hängt von persönlichen Präferenzen ab. So richtig beeindruckend wirkt eine Star-Wars-Schlacht von Sternenkreuzern auf 320 x 240 Pixel jedenfalls nicht. Besser kommen da schon YouTube-Videos zur Geltung, die sich die Tastatur über die Internet-Verbindung des PCs herunterlädt. Den Ton dazu muss man sich freilich weiterhin vom PC besorgen, Lautsprecher sind in die G19 nicht integriert.
Während dies alles nur der Nebenbei-Unterhaltung dient, kann die G19 in einigen Spielen tatsächlich nützliche Dienste leisten. Dann werden auf dem Display beispielsweise Umgebungskarten, Spielstände oder Verbindungen zu Mitspielern angezeigt. So bekommt der Bildschirm einen echten Zusatznutzen, wird zum Zweit-Display. Leider lassen sich diese Möglichkeiten nicht in jedem Spiel nutzen. Logitech selbst führt eine Liste von rund 40 kompatiblen Spielen.
Makros, soweit die Finger reichen
Wo das Display nicht hilft, kommen die G-Tasten ins Spiel. Die lassen sich per Software mit eigenen Makros belegen, die einzelne Spielaktionen automatisieren. Zwölf dieser Tasten sind links von der eigentlichen Tastatur angeordnet. Sie lassen sich per Umschalter mit jeweils drei Makros bestücken. Die so theoretisch möglichen 36 Makros wird wohl kaum jemand ernsthaft ausnutzen. Den Schalter, mit dem man die Windows- und Kontextmenütaste deaktivieren kann, wird man dagegen regelmäßig nutzen. Diese beiden Tasten haben schon so manchem Online-Spielehelden das virtuelle Leben gekostet.
Die G19-Tastatur könnte es höchstens das Leben kosten, wenn man sie zu unsanft behandelt. Dabei ist sie durchaus stabil gebaut, bringt einige Gramm mehr auf die Waage als herkömmliche Tastenfelder. Ihre Anschlusskabel sind besonders dick ausgeführt, vertragen auch ruppige Behandlung, ohne gleich einzuknicken. Zudem hängt eben nicht nur ein Kabel aus dem Rücken des Geräts, sondern zwei.
Diese Tasten sind nichts zum tippen
Die zweite Strippe wird benötigt, um die Tastatur mit ihrem Netzteil zu verbinden. Das ist ungewöhnlich für eine Tastatur. Aber ohne eigene Stromversorgung taugt die G19 bestenfalls als Dachpfanne. Den Löwenanteil an ihrem Energiehunger dürfte das Display haben, aber es gibt noch ein weiteres Gimmick, das Strom frisst und Gamern Glücksgefühle bescheren soll: die Tastenbeleuchtung. Bei der nämlich hat man die freie Wahl, mit welchem Farbton die Tasten illuminiert werden sollen - stufenlos und für jedes Spiel separat einstellbar.
Genau für solche Spielereien ist die G19 gebaut. Und genau solche Spielereien sind ihre Stärke - abgesehen von der starken Performance bei Spielen natürlich. Wo das Gaming-Keyboard dagegen versagt, ist simple Tipperei. Die Tasten der G19 sind ganz offensichtlich auf Ausdauer ausgelegt, nicht auf Vielschreiberei. Zum Verfassen langer Texte nämlich scheint die Tastatur nicht ideal, hat einen zu weichen und ungenau definierten Druckpunkt. Aber das ist ja auch nicht Sinn und Zweck der G19. Mit der soll man spielen, spielen, spielen.