Hightech-Messe CES Show der Extreme
Intel verspricht für dieses Jahr einen winzigen Flash-Speicherchip: 4 Gigabyte soll das daumennagelgroße Speicherwunder fassen. Der Intel Z-140 PATA ist 0,6 Gramm leicht (weniger als eine Cent-Münze) und 1,2 mal 1,8 Zentimeter groß. Die Kapazität soll einmal bis zu 16 Gigabyte hochgeschraubt werden - wie winzig dann MP3-Player werden könnten!
Geschrumpft sind auch die Projektoren: Texas Instruments und Microvision wollen auf der CES Bilderwerfer zeigen, die so klein sind wie Mobiltelefone. Texas Instruments hat schon Prototypen seiner Miniprojektoren vorgeführt - sie sollen so winzig werden, dass sie als Extras in Handys und Digitalkameras passen. Microvision verspricht ein Extragerät, etwa so groß wie ein Smartphone. Dieser Miniprojektor soll ein Bild mit bis zu 2,5 Meter Diagonale an die Wand werfen können - mit einer Auflösung von 848 mal 480 Pixeln - ungefähr so viel wie bei DVDs also.
Den dünnsten Plasma-Fernsehschirm der Welt verspricht Pioneer: Neun Millimeter schlank soll die Magerglotze sein. Natürlich gibt es auf der CES wieder mal den größten Fernseher der Welt zu sehen - 3,5 Meter breit und 2 Meter hoch soll der Panasonic-Fernseher sein, meldet die japanische Tageszeitung "Daily Yomiuri".
Diese Rekorde stehlen einigen spannenden, weniger augenfälligen Innovationen die Show - zum Beispiel dem Fernseher mit iPhone-Bildschirm.
Anfass-Fernseher, Kleinstcomputer und das Xbox-Orakel: SPIEGEL ONLINE verrät, was die CES in diesem Jahr verspricht.
Fernseher: Groß ist nicht groß genug
Natürlich werden sich die TV-Hersteller auch auf der CES dem üblichen Kräftemessen hingeben. Auf die Größe kommt es an, so das offensichtliche Credo der Hersteller. In den USA, wo alles etwas größer ist, findet diese These freilich fruchtbaren Nährboden. Für europäische Verhältnisse gigantische Fernseher finden dort seit jeher reißenden Absatz und sorgten dafür, dass die Vereinigten Staaten über Jahre eines der wenigen Länder waren, in denen die großvolumigen Rückprojektions-Fernseher Abnehmer fanden. Aber auch das ist jetzt vorbei, nachdem Sony seinen Ausstieg aus diesem Geschäft bekannt gegeben hat.
Das liegt vor allem daran, das große LCD- und Plasma-Fernseher durch den enormen Preisverfall erschwinglich geworden sind. Der 50 Zoll in der Diagonale messende LG 50 LCD TV gehört da noch zu den vergleichsweise mickrigen Modellen. Dafür zeigt er, wohin der Trend geht: Full-HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel), dynamische Kontrastregelung mit einem Maximalwert von 15.000:1 und ein Umgebungslichtsensor, der das Bild optimal an die jeweilige Raumhelligkeit anpasst.
Noch weitgehend unbekannt sind Laser-Fernseher, die in Las Vegas ganz groß herauskommen sollen. Ähnlich flach wie LCD- und Plasma-Geräte sollen sie langlebiger, leichter und Strom sparender sein. Branchenkennern zufolge sollen gleich zehn Unternehmen derartige Geräte zeigen, von denen die Hersteller meinen, sie könnten die Plasma-Technologie ablösen und künftig den Markt für Großformat-Fernseher über 40 Zoll dominieren.
Eine andere Richtung gibt das Joint Venture LG.Philips vor. Statt einfach nur auf Größe setzen die Partnerunternehmen auf innovative Technik - in Größen bis zu 52 Zoll. So zum Beispiel bei einem neuen Multitouch-Display. Ähnlich wie der Bildschirm des iPod lässt sich der Bildschirminhalt mit den Fingern manipulieren, etwa, um eine Straßenkarte zu verschieben oder Ausschnitte zu vergrößern.
Sehr praktisch scheint auch die Idee des Triple View Displays zu sein. Das kann drei unterschiedliche Bilder gleichzeitig anzeigen. Je nachdem aus welchem Blickwinkel man darauf schaut, bekommt man ein anderes Bild zu sehen. Beispielsweise für Orientierungspläne in Kaufhäusern soll das neue Gerät genutzt werden.
Gadgets: Haushalts-Handys und Humidor-PCs
Neben den großen der Branche werden auch viele kleine Firmen und Entwickler ihre Neuheiten in Las Vegas präsentieren. So etwa Jeffrey Stephenson , der sich beim Design seiner PCs meist von Humidoren inspirieren lässt. Er wird unter anderem den in Kirschholz gebetteten G-metric Nano und den an den Look französischer Standuhren angelehnten Pico Bayard zeigen.
Deutlich mehr Sinn fürs Praktische zeigt das Unternehmen Celestron mit seinem Digital-Mikroskop. Bis zu 400-fache Vergrößerung leistet die Optik mit ihren drei Wechselobjektiven. Statt auf dem eingebauten LCD-Bildschirmchen kann man die Objekte via USB-Kabel auch am PC betrachten. Steht der nicht zur Verfügung, macht eine integrierte 2-Megapixel-Kamera Schnappschüsse.
Ein Traum vieler Hausbesitzer dürfte hingegen die Handy-Software Snap-Link Mobile sein. Mit der, so kündigt Hersteller HAI (Home Automation Inc.) an, werde man künftig seine gesamte Hauselektronik via Mobiltelefon fernsteuern können. Eine tolle Sache, beispielsweise, um nachmittags die Kinder zu erschrecken, indem man einfach mal die Rollläden runterfahren lässt. Oder um an einem kalten Wintertag schon während der Heimfahrt die Heizung aufzudrehen, damit es zuhause schön kuschelig ist, wenn man von der Arbeit kommt.
Automobiles: Süßer die Autos nie klingen
Einer der Schwerpunkte der diesjährigen CES wird Fahrzeugelektronik werden. Dabei wird sich vieles darum drehen, den iPod in Autos zu integrieren. So etwa bei den neuen Alpine-Autoradios iDA-X200 and iDA-X300. Bei denen hat der Hersteller zugunsten des iPods gleich ganz auf ein CD-Laufwerk verzichtet. Stattdessen verfügen die beiden Radios über vergleichsweise große Displays und ein Drehrädchen, das an das Clickwheel der iPods angelehnt ist.
Etliche Hersteller werden neue Navigationsgeräte vorstellen, die sich mit Funktionen überbieten werden. Ein typisches Beispiel ist das Raytel Ego Drive. Dessen Touchscreen soll sich dank eines mitgelieferten Zeigestifts besser als mit knubbeligen Fingern bedienen lassen. Via Bluetooth lassen sich Handys anschließen, was noch nichts Besonderes ist. Besonders ist allerdings, dass das Gerät SMS-Nachrichten vorlesen kann. Und will man Musik hören, lässt diese sich drahtlos auf das Gerät senden, sofern der benutzte MP3-Player oder das Handy sich auf diese Technik verstehen. Das Ego Drive zeigt allerdings auch, dass die USA in Sachen Navigation noch Aufholbedarf haben. Hierzulande ist das Gerät bereits seit Monaten unter dem Label des Herstellers Funkwerk Dabendorf im Handel.
Weit fetteren Sound als ein mickriges Navi will das Technologieunternehmen SRS Labs ins Auto bringen. Deren "SRS CS Auto" soll Surroundsound mobil machen. Damit man sich auch einen realistischen Höreindruck von der für Autos optimierten Rundum-Klang-Technologie machen kann, lädt das Unternehmen zu Testfahrten in einem damit ausgerüsteten Serienfahrzeug ein.
Gaming: Xbox-Orakel und Leder-Spielmöbel
Video- und Computerspiele sind nicht Mittelpunkt der CES. Einerseits. Andererseits hat Bill Gates hier 2001 die Xbox vorgestellt und seither immer wieder in seinen Reden zum Messeauftakt Xbox-Neuerungen präsentiert. Irgendetwas wird Gates an diesem Sonntag also zur Zukunft der Xbox sagen. Nur was? Die gewöhnlich gut über Microsoft informierte "Seattle Times" spekuliert, dass Microsoft eine neue Xbox zur Wohnzimmer-Unterhaltungszentrale hochrüsten wird.
Eine neue Xbox-Version soll mit integriertem HD-DVD-Laufwerk ausgeliefert werden. Dieses Format für hochauflösende Videos steht im harten Konkurrenzkampf mit dem von Sony propagierten Blu-ray-Format. Welches DVD-Nachfolgeformat sich als Standard durchsetzt, ist noch nicht entschieden. Sony liefert seine Spielkonsole Playstation 3 standardmäßig mit einem Blu-ray-Laufwerk aus. Hier soll Microsoft angeblich mit dem HD-DVD-Laufwerk gegenhalten.
Auch denkbar, so die Microsoft-Orakel von der "Seattle Times": Microsoft entwickelt mit Toshiba eine Kombination von Festplatten-Videorekorder, Xbox und HD-DVD-Player, lässt den japanischen Elektronikkonzern das neue Heimunterhaltungs-Wunder vielleicht sogar in Lizenz fertigen. Das erscheint allerdings weniger wahrscheinlich als die Integration eines HD-DVD-Laufwerks.
Auch ein paar neue Spiele werden auf der CES zu sehen sein: Eine erste spielbare Demo des Fantasy-Prügelspiels "Soul Calibur 4" soll der Presse vorgeführt werden, außerdem wird LucasArts neue Details aus dem lang erwarteten Star-Wars-Konsolenspiel "The Force Unleashed" zeigen und den Shooter "Fracture" vorstellen.
Ansonsten dominiert Zubehör die Gaming-Angebote auf der CES: Joysticks, Controller, Spielmäuse. Die als Innovation gefeierte Virtual-Reality-Brille Vuzix VR920 wird nun für die Xbox 360 zu sehen sein. Die Brille registriert jede Kopfbewegung und lässt die Träger ganz natürlich in Echtzeit in der Spielwelt umherblicken. Etwas ganz Besonderes zeigt Salamander Design: Einen "gaming chair", der passend zum Spielgeschehen vibriert und lärmt, aber sehr, sehr edel aussieht: Zusammengeklappt steht das Hightech-Zubehör als edle, cremefarben lederbezogene Truhe im Wohnzimmer.
Mini-PCs: Knuddelcomputer und Kleinstrechner
Ein paar Monate ist der Knuddelcomputer EeePC alt, in Deutschland immer noch nicht zu haben, und schon kündigt Asus den Nachfolger an. Der dürfte kaum vom knuddelig-billigen Erfolgsrezept des ersten Mini-Laptops (299 Euro für sieben-Zoll-Bildschirmchen, 512 MB Arbeitsspeicher, 4 Gigabyte Festplatte) abweichen. Am wahrscheinlichsten ist, dass der nächste EeePC eine Antenne für die Breitbandfunktechnik Wimax bekommt. Gerüchten zufolge soll der Minimonitor von sieben auf neun Zoll Diagonale wachsen, Windows als Alternativ-Betriebssystem und doppelt so viel Plattenspeicher. Was davon wirklich kommt, verrät Asus nächste Woche.
Zu sehen sein wird bei Asus wahrscheinlich auch der Kleinstcomputer (Ultramobile PC -UMPC) R50a: Das 16 Zentimeter breite und acht Zentimeter hohe Gerät mit 4,8 Zoll-Bildschirm eignet sich zum Surfen (W-Lan, UMTS) und zum Navigieren (GPS und Google-Maps-Integration).
So knuddelig-kurios wie der EeePC wirkt auch ein neuer Kleinstcomputer aus Taiwan: Der Hersteller E-Lead will auf der CES sein Noahpad vorstellen. Das Winzgerät charakterisiert E-Lead als "Klassenkamerad, Zimmergenosse, Reisebegleiter". Das kleine, Linux-basierte Gerät mit 30 Gigabyte Festplatte lässt sich in allerlei Richtungen falten - den Werbefotos des Herstellers zufolge soll man das Noahpad als digitalen Bilderrahmen aufstellen oder in der Küche über einen Kleiderbügel (!) an Schränke hängen können, um Rezepte abzulesen.
Promis: Der sich 'nen Wolf singt
In der Showstadt Las Vegas dürfen Promis nicht fehlen. Als eines der Highlights kündigt die Messegesellschaft einen Auftritt des Hollywood-Schauspielers Kevin Kostner an, der mit seiner Band aufspielen will. Man darf gespannt sein, wie sich der Filmkünstler auf der Bühne gibt. Für ein deutlich jüngeres Publikum hingegen versammelt der Zubehörhändler Media Street auf seinem Stand Stars wie Chuck D von Public Enemy und Darryl McDaniels von Run DMC.
In einer Mission für mehr musikalische Bildung wird man am Montag Yoko Ono samt Stars wie Natasha Bedingfield und dem Black-Eyed-Peas-Sänger wil.i.am auf dem Außengelände der Messe treffen. Sie werden für den John Lennon Educational Tour Bus werben, eine Art rollendes Tonstudio, in dem beispielsweise Schulbands professionelle Aufnahmen machen können.
Für professionelle Umbauten ist hingegen Mad Mike aus der MTV-Show "Pimp my Ride" zuständig, der auf dem Messestand des Lautsprecherherstellers Mitek auftritt. Ausschließlich geladenen Gästen ist hingegen ein Konzert der Sängerin Mary J. Blige vorbehalten, die für den Kabelhersteller Monster Cable im Paris Hotel auftreten wird. Dort soll man auch Sheila E. und möglicherweise gar Prince treffen können.
Wem hingegen nach ganz anderen Celebritys ist, der muss zumindest bis zum Messe-Mittwoch, den 9. Januar warten. Dann eröffnet auf dem Messegelände in Las Vegas die Adult Entertainment Expo, auf der leicht bekleidete Stars der Sexfilmbranche ihr Stelldichein geben werden.