Offline-Spiele: Stecker raus! - DER SPIEGEL
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Offline-Spiele Stecker raus!

Weihnachten naht und saisonbedingt damit die Zeit, den lieben Nachwuchs endlich mal wieder aus der "World of Warcraft" zu befreien. Das ist nicht ganz leicht, lohnt sich aber: Es gibt Brett- und Denkspiele, die auch die Generation Xbox reizen können. Wir haben da ein paar Tipps.
Von Thomas Feibel
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Computerspiele sind toll, aber Brettspiele sind besser: Sie funktionieren immer, fördern die Kommunikation wesentlich direkter als jedes MMORPG und sorgen dafür, dass Familie und Freunde näher zusammenrücken. Bei aller Aufmerksamkeit, die PC- und Videospiele heute ernten, vergisst man schnell, dass auch die Entwickler von Brett- und Denkspielen eine Menge kreativer, spaßiger Spiele zu bieten haben - über unvergängliche Klassiker wie "Mensch ärgere Dich" nicht oder "Monopoly" hinaus.

Wir stellen Ihnen hier neue Titel für verschiedene Altersgruppen vor, die auch und gerade für die Generation Xbox attraktiv sein sollten - denn einige machen PC und Konsole in mehr als einer Hinsicht direkt Konkurrenz: Man kann sie sogar allein spielen, wenn man will. Muss man aber nicht.

Für Strategen: Quarto!

Ein richtig schönes Duell für zwei Mitspieler: Wer bei dem Holzspiel "Quarto" verliert, ist selbst schuld. Leider.

Denn hier entscheidet der Spieler höchst selbst, welchen Stein sein Gegner als nächstes legen darf - und schaufelt sich womöglich sein eigenes Grab.

Schließlich wird irgendein Zug des Kontrahenten immer übersehen. Dabei wirkt dieses wunderschön gearbeitete Strategiespiel auf den ersten Blick so harmlos und friedlich. Niemand käme beim Anblick der Holzplatte und der 16 unterschiedlichen Figuren auf die Idee, dass das Spiel ein gewisses Aggressionspotential weckt.

Das Ziel: Vier Holzfiguren mit dem gleichen Charakter in eine Reihe oder einen Block zusammenstellen und "Quarto" ausrufen. Ob braun oder beige ist dabei nicht von Belang. Schwierig ist nur, den Herausforderer so zu manipulieren, dass er den Stein tatsächlich an die gewünschte Stelle bringt. Klingt nicht leicht, ist nicht leicht. Hoher Wiederspielwert.

Quarto, Gigamic, 2 Spieler ab 6 Jahren (besser ab 10 Jahre), ca. 20 Euro

Bluffspiel mit hohem Suchtfaktor: Die guten und die bösen Geister

Noch so ein Spiel, das es wirklich in sich hat: Zwei Spieler sitzen sich bei einem Dame-ähnlichen Spielbrett gegenüber. Jeder Spieler hat vier gute und vier böse Geister. Sie lassen sich nur am roten oder blauen Stöpsel auf ihrer Rückseite erkennen. Und der Spieler sieht auch nur die eigenen Farben. Ab jetzt wird im Blindflug geblufft.

Denn: Es gewinnt entweder der Spieler, dem es als erstes gelingt, die vier Guten des anderen einzukassieren. Oder er gewinnt, wenn der andere die vier Bösen erwischt hat. Das ist richtig mies: Wer auf den Gegner schnurstracks losläuft, sagt

  • "Ich bin Böse, wirf mich raus" oder
  • "Ich bin Gut, aber du sollst denken ich wäre böse, wirf mich raus" oder
  • "Ich bin Böse, du sollst nur denken, dass du denkst, dass ..."

Und so weiter: wunderbar! Ein schnelles Spiel dauert zehn Minuten, ein konzentriertes auch mal entsprechend länger. "Die guten und die bösen Geister" gehen auf den großen, 2004 verstorbenen Spieleerfinder Alex Randolph zurück. Ein Knüller.

Die guten und die bösen Geister, Drei Magier Spiele, 2 Spieler ab 10 Jahren, ca. 20 Euro

Für Solospieler: Pete's Pike - Bezwinge den Berg!

Es gehört nicht gerade zu den schwierigsten Übungen, ein Fan der Firma Thinkfun zu werden. Spiele wie etwa das Auspark-Spiel "Rush Hour" fordern immer Köpfchen, sind extrem handlich und lassen sich problemlos auf jeder Zugfahrt spielen. Und zwar alleine. Denn Thinkfun-Games sind die beste Solospieler-Alternative zum Gameboy.

Bei "Pete's Pike" erhalten Spieler 40 Aufgaben mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Jedes Mal soll Pete im schicken roten Outfit mit Hilfe von Bergziegen den Gipfel erreichen, der als roter Punkt auf dem Spielbrett erkennbar ist. Dabei schreiben die Spielkarten vor, an welcher Stelle die Böcke stehen sollen. Die Ziegen müssen so plaziert werden, dass sie immer den Sturz verhindern und den Bergsteiger abbremsen. Keine Frage, das fällt mit jeder Karte schwerer aus.

So richtig neu ist die Idee nicht, denn Thinkfun hat das gleiche Spielprinzip bei "Lunars Lockout" angewandt. Macht aber nichts: Während sich "Pete" eindeutig an Kinder wendet, scheint "Lunar" eher etwas für Fans der trashigen fünfziger Jahre Science-Fiction-Filme zu sein. Hier halten spacige Roboter den Spieler davon ab, in der Ewigkeit des Welttraums verloren zu gehen. Beide sind klasse.

Pete's Pike: Bezwinge den Berg, Thinkfun HCM Kinzel, 1 Spieler (oder mit Freunden) ab acht Jahren, ca. 15 Euro (Lunar Lockout ca. 12 Euro)

Für die ganze Familie: Suleika - Basar der fliegenden Teppiche

Die Tochter des Sultans soll heiraten. Um den richtigen Gatten zu finden, tritt der schnauzbärtige Wesir mit dem roten Fez seine Suche auf einem Basar an. Die Männer überschlagen sich nur so, um den Gesandten von ihren unglaublichen Qualitäten zu überzeugen. Darum präsentieren sie ihre feine Teppichware, die dem Spiel als wertige Stoffstücke beiliegen.

"Suleika" ist vor allem ein tolles Familienspiel, da keine Runde länger als eine halbe Stunde dauert und jeder Spieler möglichst versucht, den Konkurrenten auszubooten. Das geht so: Jeder der zwei bis vier Mitspieler legt seine Teppiche strategisch so auf dem Spielbrett aus, dass der Wesir möglichst viel über dessen Farbe laufen muss. Je mehr Stoffe der gleichen Farbe miteinander verbunden sind, desto mehr Piaster und Zaster gibt es. Dabei wird auch übereinander gelegt.

Fies: Der letzte Spieler dreht den Wesir in eine nur ihm günstig erscheinende Richtung, in die der Kerl nach dem Wurf des Würfels ziehen muss. Am Schluss folgt die Wertung: Jedes noch freie Teppichstückchen erhält einen Punkt, auch die Piaster werden gezählt. Abwechslungsreich, und das Hantieren mit den Teppichstücken macht wirklich Spaß.

Suleika, Zoch/Gigamic, 2-4 Mitspieler ab 8 Jahren, ca. 30 Euro

Für Denkertypen: Tetris Cube

Schon früher auf dem Gameboy konnte das Geschicklichkeitsspiel "Tetris" Spieler schier in den Wahnsinn treiben. Die Daumen drückten im atemberaubenden Tempo zu, doch irgendwann fielen einfach zu viele Klötzchen viel zu schnell. Nur die Besten, die gleich auf der schwierigsten Stufe antraten, sahen hinterher den bescheidenen Start einer Rakete und freuten sich wie kleine Kinder. Inzwischen gilt das Prinzip Tetris für PC, Konsole und Handheld als überstrapaziert: Tetris-Varianten sind auf jedem zweiten Handy zu finden, sind auf jedem dritten DVB-T- oder Digital-Receiver als TV-Kontrastprogramm installiert.

Wer hätte gedacht, dass es nach all den unzähligen Tetris-Adaptionen und -Variationen doch noch eine Version herauskommen würde, die einen wieder so richtig meschugge machen kann: Die Firma Imagination präsentiert den digitalen Dauerbrenner als haptisches Geduldspiel - natürlich in Würfelform.

Tetris Cube: Räumliches Denkspiel, mit dem sich sogar Einzelspieler vergnügen können

Tetris Cube: Räumliches Denkspiel, mit dem sich sogar Einzelspieler vergnügen können

Der oder die Spieler erhalten zwölf Tetris–artige Plastikformen in Blau, Rot und Gelb. Und nun soll das Ganze flugs wieder zu einem Würfel zusammengesetzt werden. Leicht gesagt, schwer getan. Nach vielen Stunden mit zunächst hoch motivierten Freunden, Kollegen, Nachbarn und Kindern möchten wir nur noch in die Faust beißen. Wie zum Hohn steht dann auf der Packung, dass es 9839 Lösungswege gibt. Einer würde schon reichen. Ganz Verzweifelte finden auf YouTube Hilfe.

Tetris Cube, Imagination, 1 Spieler (oder mit Freunden) ab zehn Jahren, ca. 8 Euro

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