Sony-Laptop Das Viele-Farben-Mega-Notebook
Für Fotografen mit Digitalambitionen hat sich Sony ein besonderes Lockmittel ausgedacht. Der neue Vaio-Riesen-Laptop mit der offiziellen Bezeichnung VGN-AW11XU/Q ist mit einem Bildschirm ausgestattet, der besser sein soll als die Displays der anderen. Das hätte man freilich nicht erst auf einen Werbeprospekt drucken müssen, denn dass der Vaio-Bildschirm anders ist, sieht man auf den ersten Blick.
Das liegt schon an seiner Größe. Die Bilddiagonale misst 18,4 Zoll, mehr als 45 Zentimeter also, was ein gewaltiges Maß für ein Notebook ist. Das braucht man aber auch, wie ein Aufkleber neben der Tastatur unmissverständlich klarstellt: Dieser Bildschirm bietet Full-HD-Auflösung, zeigt also 1920 mal 1080 Pixel an, so viel wie ein guter Flachbildfernseher. Und wie er das tut, ist wirklich beeindruckend, aus fast jedem Blickwinkel.
Das dürfte zu einem daran liegen, dass Sony das Deckglas des Displays, ganz gegen den Trend, mit einer entspiegelten Oberfläche versehen hat, eine echte Wohltat. Denn so kann man von der Seite darauf schauen, das Licht anmachen, in der Sonne davor sitzen und bekommt doch immer ein kontrastreiches Bild mit kräftigen Farben. Jene Farben aber sind es, die wirklich den Unterschied zu anderen Notebooks ausmachen. Denn wie die zustande kommen, ist neu - zumindest bei Notebooks.
Bunte Lampen
Die echte Innovation hat Sony beim AW11 im Displaydeckel versteckt. Dort nämlich verbirgt sich die Beleuchtung des Bildschirms, die das Bild erst zum Strahlen bringt. Normalerweise wird dieser Job von Lichtleisten erledigt, die seitlich im Displaydeckel stecken. Meist werden dafür sogenannte Kaltkathodenlampen (CCFL) verwendet, bei moderneren Laptops nutzt man LED-Lampen. Die halten länger und verbrauchen weniger Strom.
Solche LEDs leuchten auch den Bildschirm des AW11 aus. Hier sitzen die Lampen aber nicht am Rand, sondern sind kachelförmig über die gesamte Rückseite im Deckel verteilt. Damit nicht genug, verwendet Sony hier nicht die üblichen weißen Lampen, sondern bestrahlt den Bildschirm mit farbigen LEDs in den Grundfarben Rot, Grün und Blau.
Fast schon zu viel des Guten
Das Resultat: Das Display im AW11 liefert weit kräftigere Farben als normale Bildschirme. Und nicht nur das, es kann auch mehr Farben darstellen als andere Displays. Dem Hersteller zufolge deckt es dem sogenannten Adobe-RGB-Farbraum vollständig ab, kann also rund die Hälfte aller vom menschlichen Auge wahrnehmbaren Farben anzeigen. Bisher gibt es kaum LCD-Bildschirme, die dazu in der Lage sind - und wenn, dann nur recht teure.
Von der Farben-Vielfalt profitieren in erster Linie professionelle Anwender, wie eben Fotografen. Denen bietet die neue Technik die Möglichkeit, ihre Fotos besser zu beurteilen und vor allem so zu bearbeiten, dass das gedruckte Bild besser dem digitalen Foto entspricht. Wer sich nicht mit derart kniffligen Aufgaben beschäftigt, profitiert immerhin von den knalligen Farben, die das Gerät zustande bringt. DVD- und vor allem hochauflösende Blu-ray-Filme sehen darauf extrem saftig aus. Das enorme Farbspektrum kann allerdings auch zu Irritationen führen. Insbesondere Rot- und Grüntöne sind darauf teilweise so kräftig, dass sie auf den ersten Blick übertrieben wirken.
Man sitzt immer ein wenig daneben
Aber der Bildschirm ist nicht alles, auch bei der übrigen Ausstattung hat es Sony an nichts fehlen lassen. Während sich andere Hersteller noch stolz selbst auf die Schulter klopfen, wenn Sie eine sogenannte SSD-Festplatte, also eine Festplatte mit Speicherchips statt Magnetscheibe, in ihre Notebooks einbauen, protzt Sony hier richtig. Gleich zwei der hippen Datenträger stecken im AW11XU, sind zwecks Leistungssteigerung zu einem sogenannten RAID zusammengeschaltet.
So kommen sie auf immerhin 120 Gigabyte Kapazität. Weil das aber für ein Fotografen-Notebook immer noch viel zu wenig ist, haben die Ingenieure dem Sony noch eine dritte Speicherplatte, diesmal in herkömmlicher Bauart, eingepflanzt. Die bietet mit 500 Gigabyte reichlich Raum für hauchaufgelöste Digitalbilder.
Etwas irritierend ist die Tastatur. Den vielen Platz auf dem fast 45 Zentimeter breiten Notebook haben die Designer mit einer vollständigen Tastatur samt Ziffernblock gefüllt, was erst einmal gut ist. In Kombination mit dem nicht mittig angebrachten Touchpad bedeutet das allerdings, dass man stets ein wenig seitlich von der Mittelachse des Notebooks sitzen muss.
Viel zu viele Softwarebeigaben
Wie bei Sony üblich, ist das auch das AW11 bis zum Displaydeckel mit Software vollgestopft. Das ist zum Teil löblich und nett, manchmal aber auch einfach nur nervig. So braucht nicht jeder Googles Desktop-Software und auch ein Link zu eBay muss nicht zwangsweise auf dem Desktop liegen, wenn man ein neues Notebook zum ersten Mal einschaltet.
Lästig sind aber vor allem die Einstellungen des Internet Explorer. Der lädt, Version 7 und Tabbed Browsing zum Dank, bei jedem Start gleich drei verschiedene Sony-Webseiten und eBays-Startseite in seine Registerkarten. Blöd, wenn man da nicht weiß, dass sich dieser überflüssige Automatismus in den Internetoptionen abschalten lässt.
Aber es finden sich auch ein paar wirklich nützliche Beigaben auf der Festplatte. Photoshop Lightroom 2 von Adobe beispielsweise, eine Software zum Bearbeiten und vor allem Verwalten von Fotos. Auch Photoshop Elements, Adobes Lowcost-Bildbearbeitungssoftware, ist mit an Bord. Außerdem noch die abgespeckte Videosoftware Premiere Elements sowie der Acrobat Distiller, zum Erstellen von PDF-Dokumenten. Darüber hinaus tummeln sich noch etliche Sony-Programme sowie Testversionen von Bürosoftware und Virenscannern auf der Festplatte. Unterm Strich ist bereits beim Kauf dermaßen viel installiert, dass man den ersten Abend mit dem Gerät darauf verwenden kann, Programme auszuprobieren und gegebenenfalls zu löschen. Einiges ist einfach überflüssig.
Vergiss den Akku
Fast schon überflüssig scheint auch der Akku. Der ist für ein Gerät dieser Größe und Ausstattung klar zu klein bemessen. Während er beim einfachen Websurfen und Mailschreiben noch Strom für rund zwei Stunden liefert, ist beim Filme gucken nach etwa einer Dreiviertelstunde der Ofen aus. Das reicht gerade, um sich von DVD eine Folge einer TV-Serie anzuschauen.
Wirklich tragisch ist die mangelhafte Ausdauer des Bildbearbeitungs-Brockens aber nicht. Mit knapp vier Kilo Gewicht und Abmessungen, die zu keiner Notebooktasche passen, ist das AW11 für den mobilen Einsatz sowieso kaum zu gebrauchen. Als Ersatz für einen PC taugt es - vor allem Dank des großen, hochauflösenden Bildschirms - dagegen bestens.
Wer sich mit dem Gedanken trägt, ein solches Mega-Notebook aus dem Laden nach Hause zu tragen, sollte auf jeden Fall keine Hemmungen haben, tiefer ins Portemonnaie zu greifen als üblich. 3500 Euro kostet das AW1 in der gestesteten Ausstattung AW11XU/Q. Wer auf einige der technischen Schmankerl verzichten kann, bekommt den Groß-Display-Laptop aber auch schon ab 1300 Euro. Das tolle Vielmehrfarben-Display aber gibt es nur im Highend-Modell. Viel bunt, viel teuer.