Spielzeug: Rollentoaster und rauchige Töne - DER SPIEGEL
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Spielzeug Rollentoaster und rauchige Töne

Hightech macht das Leben schöner: Mit Türklingeln, die MP3-Dateien abspielen oder über das Internet frisch beschallt werden; mit Toastern, die fast schlanker sind als das Brot, das sie rösten; mit Büchern, die im Dunkeln leuchten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Rollen-Toaster

Endlich kommt Bewegung ins Frühstück. Eines Morgens muss der aus Singapur stammende Designer Jaren Goh beim Blick auf seinen Toaster stutzig geworden sein. Wie kann es wohl sein, so wird er sich gefragt haben, dass Handys immer kleiner und Fernseher immer flacher werden, der Röstbrot-Automat auf meinem Tisch aber immer noch so klobig und hässlich daherkommt, wie schon vor Jahrzehnten?

Aber um solche Missstände auszumerzen ist man ja schließlich Designer geworden. Also entwarf er einen Toaster für die Gegenwart. Der ist klein und leicht und passt vielleicht sogar in die Geschirrschublade. Sein Trick: Statt die weißen Weichbrotscheiben komplett in den Toaster einzuwerfen, lässt er sie von Rollen an den Heizelementen vorbeiziehen. Da muss man künftig nur noch aufpassen, dass man nicht aus Versehen das Laminiergerät auf den Frühstückstisch packt.

Ding Dong

Haben Sie schon mal versucht, eine halbwegs erträglich klingende Türklingel zu erwerben? Falls nicht, seien Sie gewarnt: die Dinger, die man in Bau- und Elektronik-Großmärkten aus den Regalen zupfen kann, gibt es offenbar nur in drei Klangfarben: Plastik, schrill und Schwarzwald. Die Erlösung verspricht das auf Mehrzimmer AV-Anlagen spezialisierte Unternehmen Netstream.

Deren Türgong namens DoorLinX kann nämlich via IP-Netzwerk mit dem DigiLinX Multi-Room Unterhaltungs- und Kontrollsystem desselben Herstellers vernetzt werden. Damit nicht genug: Das Teil taugt auch als Gegensprechanlage, mit deren Hilfe man sich versichern kann, dass da auch tatsächlich ein lieber Besucher vor der Tür steht. Vor allem aber kann DoorLinX beliebige MP3-Dateien als Klingelton verwenden. Das geht sogar soweit, dass jedem Eingang, also etwa der Gartenpforte, der Terassentür und natürlich der Haustür ein spezifischer Sound zugewiesen werden kann. Was der Spaß kosten wird, hat der Hersteller bisher noch nicht verraten. Billig wird's sicher nicht.

Im zweiten Teil: Mikro-Verstärkerchen für Gitarrenspieler, glühende Bücher für Freunde ambienter Beleuchtung. Weiter...

Rauchige Sounds

Eine etwas ungewöhnliche Herangehensweise an das Thema Recycling hat die britische Firma Firebox entwickelt. Aus alten Schachteln - genauer gesagt: Zigarettenschachteln – basteln die Inselbewohner Gitarrenverstärker. Das, so die Begründung im Online-Shop, sei ja auch das Naheliegendste, was man mit den ollen Papp-Boxen anfangen könne. Schließlich seien Musiker cool, rauchten Zigaretten und benutzten Verstärker. Das alles in einem Produkt zusammenzuführen und dabei auch noch der Umwelt Gutes zu tun, sollte eigentlich Lohn genug sein.

Dennoch verlangen die Erfinder des "Smokey Amp" 37 Euro für ihren komplett in Silikon gebetteten Mini-Verstärker. Gemessen an diesem Preis ist die Ausstattung lausig: Neben dem Gitarreneingang befindet sich noch ein Ausgang, an den sich ein externer Lautsprecher oder gar ein richtiger Amp anschließen lässt. Mehr Bedienelemente sind nicht vorhanden. Die Ausgangsleistung beträgt mickrige 0,5 Watt, die, mit einer frischen 9 Volt-Blockbatterie, für rund 10 Stunden echt cooles Gitarren-Geschrammel ausreichen sollen.

Das elektrische Buch

Nein, nicht von einem eBook soll hier die Rede sein, sondern von einem Buch, welches das Lesen leichter machen soll. Insbesondere in der kalten, dunklen Jahreszeit.

Denn während sich das Design-Objekt "Light Reading" tagsüber als gemeines Buch im samtschwarzen Look tarnt, gibt es erst bei Einbruch der Dunkelheit seine wahre Natur preis. Dann nämlich wird es zum Leuchtkörper, der aus dem Bücherregal strahlt - auf der Webseite des Entwicklers sieht das aus, als seien die Aliens aus Steven Spielbergs "Unheimliche Begegnung" oder "E.T." im Regal gelandet.

Möglich wird diese Verwandlung, da der Designer der Buch-Lampe, Sam Johnson, sich bei der Gestaltung von "Light Reading" eines Materials namens "Secret Sign" bediente. Das erscheint bei Tageslicht intransparent, ist unter Einwirkung der eingebauten Energiespar-Lampe dann aber doch lichtdurchlässig. Gegen Zahlung von 85 Pfund Sterling (plus Versand) schickt der britische Versender Thorsten van Elten das Stealth-Buch bestimmt auch nach Deutschland.

Matthias Kremp