Wohnzimmertechnik Ein Taschenspieler, kein Trick
Der Traum vom vernetzten Wohnzimmer ist nun schon einige Jahre alt, will und will aber bisher nicht wahr werden: Das Angebot an funkenden Hightech-Visionen rund um verschiedene Media-Center-Konzepte wächst zwar beständig, ist aber nach wie vor hochpreisig. Wirklich auf dem Massenmarkt ist eine Technik erst dann angekommen, wenn sie auch den Wühltisch erobert.
Einzelnen Pioniertechnologien für das Wohnzimmer ist das mittlerweile gelungen. Festplattenrekorder, vor wenigen Jahren noch eine für Otto Normalverbraucher unerschwingliche Geräteklasse, sind inzwischen ab 200 Euro bei Discountern und sogar im Baumarkt zu haben. Wer aber etwas Anständiges haben will, muss da noch immer mindestens 100 Euro drauflegen. Erst dann stößt man in Regionen vor, in denen man per Rekorder problemlos Netzvideos auf den Fernseher bekommt, zuverlässig gute Aufnahmen produziert und - der Brenner ist immer öfter integraler Bestandteil - gleich noch seine DVD produzieren kann.
300 Euro plus - das ist immer noch eine Menge Holz für ein Gerät, das einwandfrei in die Kategorie Luxus und nicht Notwendigkeit gehört. In den vergangenen Monaten aber häuften sich Angebote preiswerter bis billiger Technologien, die das zu leisten versuchen, was die tollen Hightech-Boliden bieten, ohne allzu sehr den Etat zu belasten. Dazu gehört eine Flut von Funklösungen (von oft eher durchwachsener Qualität), die Multimedia-Distribution im Haus versprechen - und nun eine neue Klasse von Geräten, die eine Art Aushilfs-Media-Center im Wohnzimmer sein wollen.
In diese Gruppe gehört die kleine Box, die der Versender Pearl für bescheidene 69,90 Euro anbietet: Das Ding soll DVB-T-Receiver, Web-Medien-Player und Festplattenrekorderersatz zugleich sein. Ersatz deshalb, weil die Kiste gar kein Speichermedium mitbringt: Das muss man erst einstecken.
Vorn wartet ein SD-Slot darauf, gefüttert zu werden, hinten eine USB-Schnittstelle. Da bleibt dann gerade noch Platz für Antenne (eine der von DVB-T-Sticks bekannten, nicht wirklich hinreichenden Stabantennen liegt bei), Netzteil und Scart-Anschluss - das war's.
Bedient wird die Box per Fernbedienung, die Programmauswahl, Aufnahmefunktionen, Menüfunktionen und die üblichen Kleinigkeiten wie Teletext direkt anspricht. Bis zu diesem Punkt ist das Gerät nahezu Oma-kompatibel. Doch wie geht es weiter?
Plug & Play: Was geht, geht einfach
Ihre primäre Aufgabe als DVB-T-Empfänger bewältigt die Auvisio-Box ohne Probleme. Wie immer muss man die Kanäle natürlich erst suchen lassen - was über die Menüführung ohne Probleme gelingt, wenn man des Englischen mächtig ist. Denn zunächst muss man die Benutzerführung einmal auf Deutsch umstellen. Das beigelegte kleine Handbuch reicht da vorn und hinten nicht und erklärt wirklich nur die elementarsten Funktionen.
Zum Glück ist im Grunde aber alles ganz einfach. Das Menü entpuppt sich als kleine Media-Center-Oberfläche, über die man TV-, Film- und Musikfunktionen abfragen kann. Die Bildqualität des Receivers ist in Ordnung, fällt aber im Vergleich zu einer für den Dauerbetrieb gedachten Set-Top-Box leicht ab: Das fällt allerdings erst auf größeren Bildschirmen wirklich auf.
Dafür frisst die Mini-Box wirklich eine Menge Formate: AVIs und MPEGs sind kein Problem, DivX-Codecs sind vorinstalliert (Version 5). Also rein mit dem USB-Stick mit dem Film vom Computer - und los geht es: Die Darstellung gelingt ohne Probleme.
Schwächen
Allerdings nur mit den Elementarfunktionen Play, Pause und Stopp. Vor- und Zurückspulen ist dagegen nicht möglich - und das gilt sowohl für Filme, die man per Stick oder SD-Karte zufüttert, als auch für Aufnahmen. Die funktionieren dafür ebenfalls absolut einfach: Ein Druck auf die "Rec"-Taste der Fernbedienung, und die Aufnahme beginnt. Das ist es, was man von der 70-Euro-Lösung erwartet: Bei Bedarf endlich wieder eine Art Videorekorder im Wohnzimmer zu haben.
Der ist allerdings nicht auf den Dauerbetrieb ausgelegt. Das kleine schwarze Plastikgehäuse wird binnen Minuten ordentlich heiß, eine Lüftung fehlt völlig. Damit dürfte der Box bei exzessivem Gebrauch das Schicksal so manchen DVB-T-Sticks drohen - der frühe Hitzetod. Was ihr allerdings gelingt, ist, für kleines Geld die Medienwelten von Web, DVB-T- und Wohnzimmerwelt zusammenzubringen.
Viel mehr darf man davon nicht erwarten. Im Grunde sind solche Geräte Produkte einer Übergangszeit, bis uns wirklich bezahlbare Mediencenter zur Verfügung stehen, die ihre Aufgaben übernehmen. Unter dem Strich ist der kleine Vielkönner von Auvisio ein Schnäppchen, ein Vielkönner für Bescheidene.