3D-Bildschirme Jenaer Visionen
"Warum nur hat der Tag bloß 24 Stunden", stöhnt Armin Grasnick, Geschäftsführer der Jenaer Firma 4D-Vision zu Beginn des Gesprächs. Zeit ist knapp, nicht nur in den Tagen rund um die Cebit, denn der Mittdreißiger hat sich mit seinen Mitarbeitern ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2010 wollen sie ihr Unternehmen zum Weltmarktführer im Bereich der dreidimensionalen Displays machen.
Angeblich half Opas Leseglas
Die entscheidende Idee, wie ein 3D-Monitor oder -Fernseher funktionieren könnte, will der gelernte Feinoptiker Grasnick irgendwann Mitte der neunziger Jahre bei seinem Großvater gehabt haben. Der habe ein Leseglas besessen, bei dem, wenn man hineinsah, das vergrößerte Bild in zwei verschiedenen Ebenen zu sehen gewesen sei. Und zwei verschiedene Bilder, das genau ist es, was unser Gehirn braucht, um daraus einen dreidimensionalen Seheindruck zu konstruieren.
Also begann Grasnick im Sommer 1997 mit ersten optischen Experimenten für den 3D-Monitor, der ihm vorschwebte. Neben der eigenen Wohnung leistete dabei die Werkstatt in Omas Garten gute Dienste, erinnert sich der gebürtige Berliner. Die erste Idee von einst ist heute längst verfeinert und mit 28 Patenten geschützt, doch das Prinzip ist relativ einfach.
Vor einem handelsüblichen LCD-Display beliebiger Größe befestigen die Jenaer ein so genanntes Filterarray. Es sorgt dafür, dass an verschiedenen Punkten im Raum jeweils leicht verschiedene Bildschirmansichten zu sehen sind. Insgesamt werden acht unterschiedliche Ansichten generiert, so dass es relativ wahrscheinlich ist, dass das linke und das rechte Auge des Betrachters jeweils zwei verschiedene Bildinformationen erhalten. "Wir haben uns vom Begriff der absoluten Sicherheit gelöst. Bei unserem Verfahren ist es nicht mehr sicher, sondern nur noch sehr wahrscheinlich, dass ein Betrachter an jedem Punkt vor dem Monitor ein 3D-Bild sieht", sagt Grasnick.
Ab sofort sollen Kleinserien gefertigt werden
Bereits unmittelbar nach der Cebit will 4D-Vision mit der Monitorproduktion beginnen. Rund zehn Mitarbeiter sollen dann 600 3D-Monitore pro Jahr fertigen; 500-mal soll das 15-Zoll-Modell (Preis: rund 9500 Mark) mit dem blauen Rahmen hergestellt werden und immerhin 100-mal die 50 Kilogramm schwere 50-Zoll-Version (rund 45.000 Mark). In Zukunft will 4D-Vision die revolutionären Bildschirme aber nicht allein herstellen. Lizenznehmer in aller Welt sollen den Großteil der Geräte bauen: "Wir versuchen gar nicht, das allein zu machen", sagt Grasnick. Fragen nach der möglichen Höhe der Lizenzgebühr blockt der Chef von momentan 35 Mitarbeitern ab. "Das wird eine sehr hohe Zahl. Mit Sicherheit wird das trotzdem jemand machen."
Mit seinem Konzept kann Grasnick, der sich selbst als "Macher" bezeichnet, offensichtlich auch seine Geldgeber überzeugen. "Wir haben keine Schwierigkeiten Venture Capital zu bekommen", sagt er. "Unser Unternehmen unterscheidet sich von anderen, weil wir ein Produkt und nicht nur eine Vision verkaufen." Früher oder später wolle man mit 4D-Vision auch an die Börse. "Nicht dieses Jahr, nicht nächstes Jahr, aber schon bald", gibt Grasnick die grobe Richtung vor. Bislang hat er sein Unternehmen nach eigenen Angaben vollständig privat finanziert: "Förderprogramme sind für uns zu unflexibel."
Im vergangenen Jahr rund 400-mal in der Presse zitiert
In der Firmenzentrale von 4D-Vision in einem Gewerbegebiet, zehn Minuten von der Jenaer Innenstadt entfernt, sind an einer Wand im Erdgeschoss zahllose Zeitungsberichte über 4-D-Vision gesammelt. "Das ist noch lange nicht alles", sagt Grasnick. Rund 400-mal sei man im vergangenen Jahr in der Presse zitiert worden, 13-mal sei das Fernsehen da gewesen. "Dieses Jahr werden wir diese Zahlen verdoppeln", gibt sich Grasnick selbstbewusst.
Als Vorteil für sein Unternehmen sieht er den Standort Jena. Durch die langjährige Optik-Tradition gibt es hier eine größere Anzahl an potenziellen Mitarbeitern. Nach denen ist Grasnick nämlich ständig auf der Suche: "Wir suchen nicht irgendwelche Leute, sondern richtig gute." Beim Anwerben von Fachkräften soll ihm auch die Lebensqualität der Stadt helfen. Die "gute Wohnkultur" und die trotz Börsenproblemen florierende Gründerszene ("Die Stimmung ist gut") sollen dabei helfen, die ostdeutsche Provinz attraktiv zu machen.