Ab ins Büro Microsoft stellt neues Mac-Office vor
Die beste Nachricht zuerst: Wer sich schon mit Office auskennt, muss sich bei der neuen Version nicht umgewöhnen. Die meisten Befehle sind immer noch da, wo sie in der Vorgängerversion schon waren. Was dagegen sofort ins Auge sticht, ist die neue Optik. Runder und weicher ist die Oberfläche geworden. Ausflüge in die Menüleisten sind nur selten notwendig.
Eigentlich hätte das neue Bürosoftwarepaket schon viel früher herauskommen sollen. Geplant war die zweite Jahreshälfte 2007. Doch dann gab es offenbar ungeplante Verzögerungen und man beschloss, den Verkaufsstart auf 2008 zu verlegen. Zur Macworld Expo, die am 15. Januar eröffnet wird, ist es nun soweit und Mac-Anwender bekommen endlich eine an die neue Apple Hard- und Software angepasste Office-Version. Denn anders als das bisherige Mac-Office, das noch für Computer mit PowerPC-Prozessoren optimiert war, läuft die neue Version auch auf Intel-basierten Macs.
Die Formatierungsleisten des Vorgängers sind Vergangenheit. Stattdessen thront über den Dokumenten in Word, Excel und Powerpoint jetzt die sogenannte "Elements Gallery", die per Mausklick Funktionen und Objekte, wie etwa Tabellen und Grafiken, bereithalten. Ganz Apple-like werden die nicht einfach auf den Bildschirm geworfen, sondern sanft animiert eingeblendet. Da macht sogar das Zuschauen Spaß.
Genau das haben die Programmierer offenbar erreichen wollen. Indem sie die meisten Funktionen vor dem Anwender verbergen, haben sie die Benutzeroberfläche auf vergleichsweise wenige Elemente reduzieren können. Erst wenn man eine Funktion braucht, erscheint sie auch an der Oberfläche - und verschwindet ebenso einfach wieder. Merkwürdigerweise verbraucht ausgerechnet diese minimalistische Oberflächengestaltung relativ viel Raum, denn die Pictogramme der "Elements Gallery" sind ausgesprochen groß gehalten.
Offen für neue und alte Formate
Groß ist auch die Kompatibilität zur Windows-Plattform. Ebenso wie im Windows Office 2007 nutzt Microsoft auch in Office 2008 Open XML Dateiformate. Das fördert den problemlosen Dateiaustausch zwischen den Plattformen - sofern beide Seiten bereits die aktuellen Office-Versionen nutzen. Um zumindest eine Brücke zu schlagen, bietet Microsoft Hilfsprogramme wie den "Open XML File Format Converter for Mac" an, die das neue Format für alte Programme lesbar machen. Alternativ bietet Office 2008 die Möglichkeit, seine Daten direkt in diversen Alt-Formaten zu speichern.
Allen Office-Programmen gemeinsam ist die neue Grafikschnittstelle OfficeArt, die auch im Windows Office 2007 enthalten ist. Sie ermöglicht deutlich vielfältigere und vor allem hochwertigere Grafikmanipulationen und -Effekte als bisher. Schatten wirken weicher, Spiegelungen realistischer. Ebenfalls für alle Applikationen verfügbar sind sogenannte Automator Actions, automatisierte Abläufe, die dem Anwender Routinearbeiten abnehmen sollen.
Einige Beispiele, was man damit anfangen kann, liegen bei. So etwa ein Tool, das Word-Texte mithilfe der Mac-Stimm-Synthesizer in gesprochene Worte umwandelt und dann auf einen angeschlossenen iPod kopiert (leider funktioniert das bisher wohl nur mit englischen Texten).
Von Word bis Powerpoint - das ist neu am neuen Mac-Office
Word
Ohnehin ist das neue Word 2008 gut gelungen. Insbesondere die Integration verschiedener Sprachwerkzeuge weiß zu gefallen. So kann man auf Wunsch gleichzeitig Microsofts Online-Lexikon Encarta nach einem Begriff befragen, ihn übersetzen lassen und ein zweisprachiges Wörterbuch befragen.
Wer schon immer gerne am Layout seiner Dokumente herumspielen wollte, bekommt mit der Publishing-Layout-Ansicht jetzt die passende Umgebung geliefert. Fast wie in einem echten Layout-Programm lassen sich da Texte und Grafiken manipulieren und zueinander ausrichten. Eher profanen Wünschen kommt die neue Mail-Merge-Funktion entgegegen. Sie führt den Anwender Schritt für Schritt durch die Prozedur des Serienbriefe schreibens. Daran haben sich schon etliche Hersteller mit unterschiedlichem Erfolg versucht. Ob Microsofts neue Variante gelungen ist, müssen letztlich die Anwender entscheiden.
Excel
Für Zahlensammler und -Auswerter bietet die Tabellenkalkulation Excel in der 2008er Version einen Vorlagentyp, der beispielsweise das Erstellen von Haushaltsbüchern und Budgetplanungen erleichtern soll. Vor allem aber sind durch die WordArt-Technologie die Charts aufgewertet worden, die grundsätzlich ganz einfach per Mausklick auf das entsprechende Symbol angelegt werden können.
Die für Gelegenheitsnutzer aber sicher wichtigste Neuerung ist das in der englischen Version als "Formula Builder" benannte Tool. Ähnlich wie die Serienbrieffunktion in Word führt dieses Helferlein den Anwender durch die Erstellung komplexer Berechnungsformeln. Dabei liefert es Erklärungen zu jeder Funktion und weist auch gleich darauf hin, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um die jeweilige Funktion nutzen zu können. Und schließlich protzt das neue Excel auch noch mit Superlativen: Wer will, kann künftig Tabellen mit bis zu 16.000 Spalten und einer Million Zeilen erstellen. Viel Spaß dabei.
Powerpoint
Das viel geschmähte und viel geliebte Präsentationsprogramm profitiert naturgemäß ganz besonders von den neuen Office-Grafikfunktionen. So ist es beispielsweise ein leichtes, Objekten oder Texten einen 3D-Look zu geben. Vor allem aber kommt hier das Konzept der "Themen" voll zum Zuge. Ein einziger Mausklick genügt, um das Design einer kompletten Präsentation zu verändern.
Das ist ausgesprochen hilfreich, wenn man beispielsweise von außen zugelieferte Präsentationen auf die Corporate Identity einschwören will. Im täglichen Einsatz mit Macbook und Projektor dürfte freilich am deutlichsten zu tragen kommen, dass sich Powerpoint jetzt komplett mit der Apple-Remote-Fernbedienung steuern lässt, die jedem Mobil-Mac beliegt.
Entourage
Dem E-Mail-, Termin und Adressverwaltungsprogramm hat Microsoft einige Verbesserungen für den Umgang mit Exchange-Servern in Unternehmen mitgegeben. Zudem wurden die Gruppenfunktionen im Kalender überarbeitet, so dass sich Meetings jetzt flexibler planen lassen.
Privatanwender dürften sch für solche Feinheiten freilich kaum interessieren. Ihnen fällt eher das kleine Hilfsprogramm "My Day" auf, das sich automatisch bei jedem Systemsstart in den Vordergrund schiebt - und dort auch bleibt. Das Progrämmchen informiert kontinuierlich über anstehende Termine und Aufgaben.
Und damit man auch ja nichts verpasst, schwebt es dabei stets oberhalb der gerade geöffneten Fenster. Das stört auf einem 20-Zoll-Bildschirm kaum, nervt auf dem kleinen Display eines Apple-Macbooks aber umso mehr. Gut daher, dass sich diese Funktion abschalten lässt.
Kaufen oder behalten?
Lohnt sich nun also die Investition in das neue Office 2008 für Macs? Für jemanden, der auf der Suche nach vielen neuen Funktionen ist, wohl kaum. Wer hingegen hofft, mit dem neuen Office schneller und leichter klarzukommen, als mit seinem Vorgänger, wird nicht enttäuscht. Die überarbeitete Version ist wesentlich aufgeräumter als der Vorgänger und verbirgt ungenutzte Funktionen.
Wer beruflich mit Windows-Kollegen zusammenarbeiten muss, die bereits auf Office 2007 umgestiegen sind, hat sowieso kaum eine Wahl. Schließlich läuft der plattformübergreifende XML-Datenaustausch erst mit Office 2008 wirklich rund.