Abkehr von Intel Toshiba gibt AMD eine Chance
Tokio - "Jetzt auch noch die." So oder so ähnlich müssen die Gedanken der Manager in Intels Chefetage gewesen sein, als sie erfuhren, dass sich nun auch Toshiba nicht mehr ausschließlich auf die Prozessoren des weltgrößen Mikrochip-Herstellers verlassen will. Ebenso wie Dell, die ihre Computer bis letztes Jahr exklusiv mit Intel-CPUs bestückten, will nun auch Toshiba dem Intel-Dauerkonkurrenten AMD eine Chance geben. In Zukunft werde Toshiba in rund ein Fünftel seiner in den USA und Europa verkauften Notebooks Prozessoren von AMD einbauen, kündigte Toshiba am Dienstag an.
Medienberichten zufolge sollen die AMD-Chips bereits bei einigen Modellen, die im Sommer in die Verkaufsregale kommen, integriert sein. Den Anfang werde ein Laptop aus dem Einsteiger-Segment machen, sagte Junko Furuta, Sprecherin des viertgrößten Notebook-Herstellers, in Tokio.
Die letzten Notebooks mit AMD-Chips liefen bei Toshiba Anfang 2001 vom Band. Seither verwendeten die Japaner ausschließlich Intel-Produkte. AMD witterte sogleich eine Verschwörung und zerrte den Konkurrenten vor Gericht. Der Vorwurf: Intel binde die Kunden durch Drohungen und Rabatte an sich. Im Falle Toshiba sollen angeblich pro Quartal 25 bis 30 Millionen US-Dollar aus einem "Marktentwicklungs-Fonds" an Toshiba geflossen sein. Ob dem wirklich so war, ist bis heute nicht geklärt.
AMD ist oft günstiger
Wie groß der Konkurrenzdruck zwischen den beiden Herstellern ist, zeigte sich jüngst auch an anderer Stelle. Offenbar als Reaktion darauf, dass in den für Entwicklungsländer konzipierten "One Laptop per Child"-Mobilrechnern (OLPC) ein AMD-Chip steckt, präsentierte Intel ein "Classmate" getauftes Gegenstück.
Die Entscheidung für den AMD-Chip traf das OLPC-Projekt unter anderen aufgrund des günstigen Preises, den Intel nicht unterbieten konnte. Eine ähnliche Motivation soll nun Toshiba zu seinem Schritt in Richtung AMD bewogen haben. Medienberichten zufolge sollen durch den Einsatz von AMD-Komponenten die Beschaffungskosten für Zubehör um rund zehn Prozent sinken. Eine ganz ähnliche Begründung hatte man auch von Dell vernommen, als der ehemalige Intel-Dauerkunde und zweitgrößte PC-Hersteller seine ersten AMD-Rechner ankündigte.
Analysten begrüßten die Entwicklung und sprachen von einer "neuen Denkweise", wonach sich Wettbewerb selbst bei solch zentralen Bestandteilen wie dem Prozessor eines PCs durchsetze. Voraussetzung sei freilich, dass es keine deutlichen Leistungsunterschiede bei den Chips gebe.
AMD, die Nummer Zwei der Prozessor-Branche, fertigt auch in Dresden und beschäftigt dort mehr als 3000 Mitarbeiter. Zu Jahresbeginn litt AMD überraschend stark unter dem Preiskrieg mit Intel und verbuchte tiefrote Zahlen.
mak/Reuters