Abschied auf Raten Wie wird man Win 2000 los?
"NT", die Netzwerkvariante von Windows, galt von jeher als stabiler und sicherer als die Heim-PC-Varianten. In den Köpfen vieler EDV-Verantwortlicher ist das geradezu zementiert: 95, 98 und Konsorten, das war was für den Familienrechner. Im Firmennetzwerk brummte dagegen NT, später abgelöst von Windows 2000.
Daran hat sich auch vier Jahre nach Einführung von Windows XP nichts geändert, das ja keineswegs eine Weiterentwicklung von Win 98, sondern eben von Windows 2000 darstellt. XP sollte in seinen verschiedenen Varianten ("Professional", "Home", "Media Center") die Vorläufersysteme beerben. Jetzt hat Microsoft längst schon den XP-Nachfolger Longhorn in der Pipeline (angekündigt für 2006), und plangemäß beginnt das Unternehmen damit, den Produkt-Support für Win 2000 Stück für Stück zurück zu fahren.
Das allerdings könnte ein länglicher Prozess werden, denn nach wie vor ist Win 2000 in der Unternehmenslandschaft das meistverbreitete System. Kein Wunder: Win 2000 hatte sich einen guten Ruf erarbeitet, Win XP anfänglich eher nicht. Das damals neue MS-Betriebssysstem erregte bei seiner Veröffentlichung wegen Intransparenz, wegen Sicherheitsproblemen und angeblicher Datenschnüffelei ("Phone home") Misstrauen und Unmut.
Microsoft besserte etliche Male nach, schloss Sicherheitslücken, sorgte für Transparenz über die Art der abgefragten PC-Daten im Rahmen des Registrierungsprozesses. Die "Sysops" in der Unternehmenslandschaft aber, sagt das Marktforschungsunternehmen AssetMetrix, zogen trotzdem nicht mit.
Betriebssysteme in der Log-Statistik von SPIEGEL ONLINE (Mai/Juni 2005)
| System | Prozentsatz |
|---|---|
| Windows XP | 60,32 % |
| Windows 2000 | 21,64 % |
| Windows 98 | 4,97 % |
| Macintosh | 4,82 % |
| Windows NT | 3,89 % |
| Unix | 2,89 % |
| Andere | 1,47 % |
Bis heute, fanden sie bei einer Befragung von 160 Firmen mit rund 60.000 Computern heraus, laufe Win 2000 auf 48 Prozent aller Firmenrechner. Damit sei Win 2000 bei Business-Kunden nach wie vor die beliebteste Variante des Microsoft-Betriebssystems. Win XP bringt es in der Zählung von AssetMetrix nur auf bescheidene 38 Prozent.
Auch im Vergleich mit den über die Log-Zählung von SPIEGEL ONLINE erhobenen Daten erscheint das plausibel. Hier stellt Win XP mit knapp über 60 Prozent zwar den Favoriten der Userschaft, die aber besteht auch nicht nur aus Business-Nutzern. Über 20 Prozent für Win 2000 deuten tatsächlich auf einen sehr hohen Anteil des Betriebssystems auf Seiten der Business-Nutzer hin (siehe Tabelle).
"Never change a running system"
Jetzt jedoch beginnt für Win 2000 die Phase des so genannten "extended Support". Größere Updates wird es nicht mehr geben. Ob damit nun aber noch eine Wechsel-Welle hin zu XP eingeleitet werden kann, erscheint fraglich: Eher werden viele Kunden die voraussichtlich eineinhalb Jahre bis zur Veröffentlichung von Longhorn aussitzen.
Für Microsoft ist das eine neue, wenig erfreuliche Erfahrung: Bis zur Veröffentlichung von XP hatten die Kunden den Wechsel der Produktgenerationen weitgehend mitgemacht. Dass das als Win-2000-Nachfolger gedachte XP aber schon wenig mehr als ein Jahr nach Win 2000 erschien, könnte seine Chancen im Business-Bereich torpediert haben. An zu häufigen Produktwechseln haben die Unternehmen schon aus Kostengründen kein Interesse - ganz abgesehen davon, dass jedes System eine Zeit braucht, für ein Firmennetz optimiert zu werden. Wenn dann endlich alles reibungslos läuft, tritt eine fast schon heilige Devise in Kraft: "Never change a running system".