Admail Werbemüll ohne Filter?
An "Admail" ist nichts Neues. Eigentlich.
Bisher war es allerdings so, dass E-Mails nur dann mit Werbung verziert wurden, wenn sich der Kunde darauf einließ. Bei vielen Freemail-Anbietern ist das so, ein klassisches Geschäft zu beiderseitigem Vorteil. Der Kunde bekommt einen kostenlosen E-Mail-Account, der Anbieter sucht seine Refinanzierung im Verkauf von Anzeigen.
Das ist okay. Ähnliche Geschäftsmodelle gibt es auch im Bereich der Free-SMS- oder Free-Fax-Dienste: Der Kunde achtet schon darauf, dass er die kostenfreien, aber werbefinanzierten Info-Häppchen nirgendwo hinschickt, wo sie übel aufstoßen könnten.
Doch was Robert Pickup, Chef des nagelneuen australischen Start-ups Revo, vorhat, sieht schon ein wenig anders aus.
Seine Firma hat eine Software entwickelt, die Anzeigen in beliebige E-Mails einspiegelt - ohne Wissen des E-Mail-Versenders. Alles, was es dazu braucht, ist ein Internet Service Provider, der sich auf diesen Deal einlässt: Der muss nämlich die durchlaufende Mail abfangen und per Programm mit Werbung bestücken. Das alles, sagt Pickup, sei kein "Spam": Anders als bei dem Postmüll, der das Web überflutet, enthalte die werbebestückte Mail ja tatsächlich eine relevante Botschaft - die private Post nämlich.
Mail in Werbemüll verpackt? Pickup glaubt ernsthaft, dass es für dieses Rezept einen Markt geben könnte.
Das Traurige ist, dass der Mann wahrscheinlich Recht hat. Das Interesse an seiner Software, sagt Pickup, sei "sehr stark"; zahlreiche Service Provider und Werbefirmen stünden mit seinem Unternehmen in Verhandlung.
Darüber hinaus sei auch niemand irritiert über Werbung, die für den betreffenden Empfänger relevant sei. Kritikern versichert Pickup, dass man - wenn der Kunde das wolle - den Nutzern ja eine "opt-out"-Option anbieten könne. Im Klartext: Erst einmal wird jede Mail mit Werbung versehen. Nur wenn der Anwender sich dagegen wehrt, verzichtet das Admail-Unternehmen darauf.
Opt-in, nicht opt-out
Charles Britton von der australischen Verbraucherschutzorganisation ACA geht das nicht weit genug. Im Interview mit Cnet verwirft er sowohl das Konzept der Admail, als auch das der "opt-out"-Option. Wenn man schon eine Software implementiere, die derart massiv in die Privatsphäre von Web-Usern eingreife, dann dürfe man nicht nur über ein Einspruchsrecht sprechen. Britton: "Wir würden es lieber sehen, wenn die User um ihr Einverständnis gebeten würden, statt dass man auf ihren Einspruch wartet".
Für Pickup ist das alles nicht relevant. Er vertraut fest darauf, dass kein Werbetreibender seine potenzielle Kundschaft vergrätzt. "Es gibt nicht sehr viele Geschäftsmodelle", sagt Pickup, "die darauf setzen, ihre Kundschaft zu verärgern".
Möglicherweise hat er ein solches Geschäftsmodell gefunden: Schon in den ersten Reaktionen zeichnet sich ab, dass Pickups Software für einige Irritationen sorgen könnte - aber Kummer ist der Mann gewöhnt. Aufgefallen ist er erstmals 1998, als er sich auf einen fruchtlosen Rechtsstreit mit NuvoMedia einließ. Pickup hatte sich knapp vor Veröffentlichung des Rocket eBooks die australische Domain eBook.au gesichert - und reklamierte die älteren Rechte für sich.
Im Frühjahr letzten Jahres hob er einen von der IT-Presse umjubelten WAP-Service aus der Taufe, der noch schneller versoff als die Technologie, auf die er setzte. Seines neues Unternehmen Revo Networks hat bisher noch nicht einmal eine Website, was sich am Ende aber als vorteilhaft erweisen könnte: "Revo" ist das Warenzeichen einer bekannten Sonnenbrillen-Produktreihe - und auch als Namensbestandteil des namensgleichen Psion-Handhelds bekannt. Eine weitere Front, an der Ärger programmiert scheint. Aber konfliktscheu scheint Pickup nicht zu sein - siehe sein Produkt.
Frank Patalong