Agile Automaten: Im Netz der Roboter - DER SPIEGEL
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Agile Automaten Im Netz der Roboter

Das Internet treibt die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine voran. Ob in der Fabrikhalle oder im Kinderzimmer: Vernetzte Roboter sind auf dem Vormarsch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sie heißt Cynthia, und sie ist die härteste Barfrau Londons. Dumme Sprüche mag sie nicht. Mit scheppernder Stimme schnauzt sie unhöflich zurück. Gut, dass sie nicht gleich zuschlägt: Eine Backpfeife von Cynthias stählernem Roboterarm, angetrieben von einem ihrer zwölf Motoren, würde für bleibende Blessuren beim Barbesucher sorgen.

Cynthia ist überall

Experten sagen mobilen Maschinen, die sich durch Räume und auf Plätzen bewegen, eine goldene Zukunft voraus. Das Internet spielt eine wichtige Rolle bei dieser Entwicklung. Denn immer häufiger haben die Kontroll- und Steuerungsmechanismen für Roboter eines gemeinsam: das Web und den Web-Browser.

Noch sind die meisten Kunstkumpel allerdings ziemlich immobil, und noch beschränken sie sich auf den Transfer nackter Fakten. Vom Messgerät eines Industrieroboters sausen Stromimpulse zum Computer und übertragen so zum Beispiel die aktuelle Temperatur. Oder die Nummer des gerade produzierten Kotflügels.

Innerhalb der Fabrikhalle können sich Roboter schon lange austauschen. Doch zwischen Blaumannzone und Schlipsbereich gab es bisher eine technologische Mauer. Die stürzt jetzt ein.

Künftig wird auch der Vertriebsmann, wenn der Kunde den Produktionsstand abfragt, die aktuellen Daten am eigenen PC bis ins letzte Detail nachlesen können. Der Wartungstechniker erhält einen digitalen Hilferuf an seinem Schreibtisch, sobald sich ein Schräubchen lockert.

Der Drang ins Netz ist groß

Um ihre Maschinen netzwerktauglich zu machen, haben sich führende Automatenhersteller, wie die Augsburger Kuka Roboter GmbH, in der Industrial Automation Open Networking Alliance (IAONA) zusammengeschlossen. Der Verband will globale Standards für die internetgestützte Kommunikation zwischen dem Menschen am PC und dem Roboter festschreiben.

Der Drang ins Netz ist groß. Dem Verband sind allein in Europa 130 Hersteller von Automatisierungsgeräten beigetreten. Und sie denken längst über die am Boden festgeschraubten Roboter in den Fabriken hinaus. Der webgesteuerte mobile Roboter ist das nächste Entwicklungsziel.

Der technische Fortschritt beflügelt den Absatz. Anfang 2000 tummelten sich in der Welt etwa 54.000 mobile Roboter. Ein Klacks, gemessen an den Stückzahlen, die künftig produziert werden sollen: Die Forscher von Activmedia Research prognostizieren, dass im Jahr 2005 etwa 1,9 Millionen mobile Roboter im Wert von 17 Milliarden Dollar verkauft werden.

Die Vorreiter der schönen neuen Maschinen-Welt gehören zwei entgegengesetzten Lagern an: der Spielzeugindustrie und dem Militär.

Weniger martialisch wird es im Kinderzimmer zugehen. Puppen laufen dem Kind hinterher, angetrieben von künstlichen Muskeln. Als eine Art Videokamera auf Rädern kommt der Amigobot daher. Der metallene Spielkamerad durchschnüffelt seine Umgebung ­ komplett webgesteuert.

Im elektronikverrückten Japan schlägt Sony mit seinem niedlichen Roboterhündchen Aibo schon heute alle selbst gesteckten Absatzziele. Der Hund kläfft, sobald eine E-Mail eingeht, und liest sie auf Herrchens Wunsch sogar vor. Über 100.000 Exemplare des 3400 Mark teuren Spielzeugs tapsten bislang über den Ladentisch.

Die zweitwichtigste Sache der Welt

Bleibt zum Schluss die zweitwichtigste Sache der Welt ­ der Fußball. Einmal im Jahr treffen sich Teams führender Universitäten zur Weltmeisterschaft der Roboter. Beim "Robocup" treten blecherne Mannschaften in vier Ligen gegeneinander an. In jeder Liga testen Forscher unterschiedliche Anforderungen, von der Orientierung im Feld bis zur Lauffähigkeit.

Ohne Netzwerk wäre das Spiel nicht möglich. Sieht einer der Roboter den Ball nicht, teilen ihm die anderen via drahtloser Internet-Technologie die Position mit. In Bruchteilen von Sekunden entscheiden die Spieler, wer den Schuss aufs Tor unternimmt und wer welchen Gegner deckt.

Einen Weltmeistertitel hält im Augenblick ein deutsches Team. Der Freiburger Professor Bernhard Nebel führte seine Mannschaft in diesem Jahr in Seattle zum Sieg. Spätestens 2050, so das Ziel der Robocup-Veranstalter, soll eine Robotermannschaft den amtierenden menschlichen Fußball-Weltmeister schlagen.

Thorsten Höge, Michael Leitl, netmanager