Aktuelle Warnung: Schwachstelle im Internet-Protokoll - DER SPIEGEL
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Aktuelle Warnung Schwachstelle im Internet-Protokoll

Das britische National Infrastructure Security Coordination Centre (NISCC) und die amerikanische Homeland-Security-Behörde warnen vor einer "Sollbruchstelle" im TCP-Protokoll. Die Sicherheitslücke könnte es Hackern erlauben, zentrale Router des Internet quasi abzuschalten.
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Ein "Reset" ist das letzte Mittel, wenn nichts mehr geht: Wenn sich auf dem Rechner alles verheddert, hilft oft nur der kontrollierte Absturz mit anschließendem Wiederhochfahren. Sowas ist gewollt, quasi Teil des "Immunsystems" der IT-Technik, die darauf angewiesen ist, sich zumindest in minder schweren Fällen selbst reparieren zu können.

Auch das dem Internet zugrunde liegende TCP-Protokoll verfügt über so ein "Reset", eine einprogrammierte Notbremse. Und die lässt sich halt auch über das Netzwerk ziehen: Allein durch die Übermittlung eines passenden Datenpaketes lassen sich die Verbindungen "resetten" - und das heißt nur im günstigsten Fall "runterfahren/hochfahren". Je nachdem, wie TCP implementiert ist, kann es auch auf eine bloße Abschaltung der Verbindungen hinauslaufen.

Das aber, warnen nun das britische National Infrastructure Security Coordination Centre (NISCC) und die amerikanische Homeland-Security-Behörde, stelle ein nicht zu unterschätzendes Risiko für den Betrieb des Internet dar. Nach einer aktuellen Studie ist es weit wahrscheinlicher und leichter als bisher gedacht, die zentralen Server des Netzes außer Betrieb zu setzen.

Weil zum Reset nur ein Rechner berechtigt ist, der sich durch die Übermittlung einer passgenauen Reset-Sequenz gegenüber dem angesprochenen Server korrekt authentifiziert, war man bisher davon ausgegangen, dass ein Reset durch einen Eindringling außerordentlich unwahrscheinlich sei. Nach Erkenntnissen des IT-Experten Paul "Tony" Watson müsste ein Hacker aber nicht wie bisher gedacht etliche Millionen Reset-Befehle durchprobieren, sondern nur rund 65.000, um zum Erfolg zu kommen.

Das liefe, warnen die IT-Sicherheitsbehörden, auf eine Denial-of-Service-Attacke höchstmöglicher Effektivität hinaus. Sie beschwören erneut die Gefahr von cyber-terroristischen Angriffen, mit denen sich die Netzinfrastruktur weitgehend lahmlegen ließe. Als besonders anfällig gelten die Server-Implimentierungen der Firmen Certicom, Check Point, Cisco Systems, Cray, und Juniper Networks - und damit ein erheblicher Teil der zentralen Netzinfrastruktur.

Die Sicherheitslücke wurde bereits im letzten Jahr entdeckt und erst jetzt öffentlich gemacht. Die Internet Engineering Task Force legte bereits einen Entwurf vor, wie sich das Protokoll durch relativ geringe Änderungen absichern lässt. Auch Cisco, im kommerziellen Bereich weitverbreitetster Anbieter von Serverlösungen, kündigt die Veröffentlichung eines entsprechenden Patches "in den nächsten Tagen" an.