Alles nach Plan: "Flottenbrett" im Internet - DER SPIEGEL
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Alles nach Plan "Flottenbrett" im Internet

Nirgendwo wird per E-Commerce mehr Geld verdient als in der Warenlogistik. Der auf den ersten Blick profane Anwendungszweck macht deutlich, wie Hightech festgefahrene Abläufe rationalisieren und effektivieren kann. "M-Logistik" bringt den Firmen wirklich was - und den Kunden ebenso.
Von Mario Gongolsky
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Logistik gestern: War die Ladung verstaut und der Lastwagen vom Hof, galt nur noch das Prinzip Hoffnung. Hoffentlich hat der Wagen keine Panne, hoffentlich steckt er nicht im Stau, hoffentlich verzeiht uns der Kunde eine Verzögerung von über drei Stunden.

Das ist vorbei. Längst haben fitte Spediteure den völligen Überblick über jede Bewegung ihrer Flotte, längst lassen servicebewusste Dienstleister ihre Kunden an diesem Know-how teilhaben. Vorbei die Zeit der Fahrten ins Ungewisse, vorbei aber auch die Zeiten, in denen Kunden tagelang Däumchen drehend warteten, während die Lieferfirma versicherte, die Ware sei "unterwegs". Eine wachsende Zahl von Warenversendern bietet ihren Kunden stete Status-Quo-Feedbacks darüber, wie weit ihre Bestellung gediehen ist. Doch all das kann man noch weit besser machen - und Nutznießer intelligenter Dienste ist nicht nur der Kunde, sondern nicht zuletzt der Spediteur oder sonstige Warenversender.

Besser geht immer

Die Firma Mercedes-Benz etwa vermarktet ein Fracht- und Flottenmanagementsystem unter dem Namen "Fleetboard" und zeigt deutlich, wohin die Reise gehen muss, wenn das Schlagwort der Lieferung "Just-in-Time" Wirklichkeit werden soll.

    Köln, 6.45 Uhr, der Lastwagen mit der internen Kennung A37 hat seine Fracht nach Hannover übernommen. Bei Fahrtantritt drückt der Fahrer nur eine Taste, die der Spedition signalisiert, dass die Fracht nun zum Kunden rollt. Der Disponent der Spedition erhält einen kleineren Frachtauftrag von einer Firma aus Rheden, die nach Leverkusen soll. Er fragt den Standort von A37 per GPS ab und sagt einen Transport für 14.00 Uhr zu.

    11.00 Uhr, der Werkstattleiter der Spedition prüft seinen Wartungsplan. Die Werkstatt fragt den Wagen A37 ab, noch 6.120 Kilometer bis zur nächsten Wartung, aber die Bremsbeläge vorne sind an der Verschleißgrenze. Übermorgen wird A37 einen vorgezogenen Wartungstermin erhalten. Der Kunde in Hannover ist ungeduldig, aber der Disponent kann beruhigen: "Der kommt jeden Moment bei Ihnen an!" Im Lastwagen A37 blinkt das Fahrzeugdisplay auf. Der Anschlussauftrag in Rheden wird dem Fahrer eingeblendet.

Topspeed 85 km/h, aber eine Telemetrie wie in der Formel 1

Fleetboard erfordert entsprechend technisch ausgerüstete Fahrzeuge. Das Fahrzeugsystem besteht aus einem Display, einer Tastatur, einer Telefoneinheit, einem GPS-Empfänger sowie einer Vernetzung des Systems mit dem CAN-Bus, das ist der Diagnosestecker, der Werkstätten beim Auffinden von Fehlfunktionen unterstützt. Das Diagnosesystem erfasst 1.500 technische Parameter, die in aufbereiteter Form dem Fuhrparkleiter anzeigen, in welchem Zustand sich der Lastwagen befindet, aber auch analysiert, ob das Fahrzeug wirtschaftlich bewegt wurde, voll beladen Steigungen zu erklimmen hatte, oder halbleer mit wenig Drehzahl durch die norddeutsche Ebene gerollt ist.

Wenig Aufwand, viel Nutzen

In der Spedition ist lediglich eine kleine, schmale Client-Software auf einem PC mit Internetanschluss installiert. Alle Anfragen an das Fahrzeug und alle Daten von dem Fahrzeug werden über das Internet versendet. Bei Mercedes-Benz in Stuttgart sorgt ein Rechenzentrum für die Abarbeitung der Anfragen. Dabei erfolgt die Datenübertragung an alle angeschlossenen Fleetboard-Fahrzeuge über einen SMS-C-Dienst in das GSM-Handy-Netz. Die GPS-Daten des Fahrzeuges werden ebenso via SMS in das Rechenzentrum übermittelt. Die Spedition kann sich die Fahrzeugstandorte europaweit auf einer Straßenkarte anzeigen lassen.

Keine Zukunftsmusik: Die Webflotten rollen schon!

Nun können nicht nur Mercedes-Flotten mobil gelenkt werden und es braucht auch keinen neuen Fuhrpark, um am Fortschritt telematischer Systeme teilhaben zu können. Wie herstellerunabhängige Lösungen aussehen können, zeigt die Leipziger Datafactory AG mit einem verblüffend unaufwändigem Ansatz.

Dort nennen sich die Produkte "Webfleet" und "Datafleet". Durch eine besonders breite Produktpalette von Ortungsgeräten genügen diese Systeme sogar branchenübergreifenden Anforderungen. Doch bleiben wir noch bei den Speditionen.

"Webfleet" arbeitet, wie der Name schon sagt, ebenso wie das "Fleetboard" von Mercedes, rein internetbasiert. In der Zentrale des Anwenders wird nur ein PC mit Internetanschluss benötigt, kostspielige Investitionen von Hard- und Software entfallen.

Doch die Spedition kann die in Anspruch genommenen Dienste punktgenau skalieren. Ganz nobel, mit GPS-Ortung der Fahrzeuge, integriertem Blaupunkt-Navigationssystem und einer technischen Schnittstelle im Fahrzeug, die genau anzeigt, ob das Fahrzeug fährt, steht, oder sich gerade in einem Ladevorgang befindet. Natürlich lassen sich auch Auftragsmitteilungen mit Webfleet versenden. Nur die aufwändige Fahrzeugdaten-Telemetrie kann Webfleet nicht bieten.

Das System lässt sich dafür aber auch ganz einfach konfigurieren. Im einfachsten Fall reicht hierzu ein handelübliches Handy mit O2-Kartenvertrag. Auf diese Weise kann die Spedition eine Ortungsanfrage stellen, die innerorts auf bestenfalls 500 Meter genau und in ländlichen Gebieten den aktuellen Standort auf 15 bis 20 Kilometer eingrenzen kann. Hierfür wird einfach die Funkzelle ermittelt, in die das Handy eingebucht ist.

Doch die Systeme von Datafactory beschränken sich nicht alleine auf Speditionen. So hat man als Endgerät zum Beispiel auch ein Handy mit integriertem GPS-Empfänger im Angebot. Sogar einen Fahrradkurier könnte man damit auf 100 Meter genau lokalisieren. Für Installationsbetriebe, die Ihre Kunden der Reihe nach abfahren, gibt es ein Gerät, das zum Beispiel immer beim Abschalten des Motors eine Positionsmeldung abgibt. Ohne Zwischentelefonate könnte man so nachfolgende Kunden auf eine Verspätung der Monteure einstellen. So gehören nicht nur große Speditionen, sondern auch Servicebetriebe, Mietwagendienste und Kuriere zum Webfleet-Kundenkreis.

Integration über die ODBC-Schnittstelle

Der "Datafleet-Service" hingegen macht Hard- und Softwareinvestitionen beim Betreiber der Lösung erforderlich. Hier sendet der Nutzer aus dem PC der Firmenzentrale heraus, direkt und ohne Umweg über das Web, seine Daten in das Mobilfunknetz. Das ist zwar teurer, ermöglicht aber die nahtlose Integration der eigenen Dispositionssoftware in das mobile Flottensteuerungssystem.