AMD-Notebooktechnologie Der Puma prescht vor
Mit der Neuvorstellung folgt AMD endlich dem unübersehbaren Trend hin zu mobilen Computern. In diesem Bereich hat bisher Marktführer Intel die Nase weit vorn. Früh hatte das Unternehmen den Mobil-Trend erkannt, Strom sparende und doch leistungsfähige Chips speziell für Notebooks entwickelt. Der Lohn: Intels Centrino-Mobiltechnologie dominiert heute ganz deutlich den Markt, Nachzügler AMD hatte dem kaum etwas entgegen zu setzen - bis jetzt.
Doch mit den neuen "Puma"-Chips soll das anders werden, sollen mehr Hersteller davon überzeugt werden, ihre Mobilrechner mit AMD-Technik zu bestücken und mehr Anwender ins AMD-Lager gelockt werden. Als Lockmittel dienen dabei vor allem die Grafikfähigkeiten der neuen Laptop-Chips.
Bei minimalem Stromverbrauch sollen HD-Videos von Blu-ray-Scheiben in voller Auflösung abgespielt werden können. Als "ultimatives mobiles HD-Erlebnis" preist der Chip-Fabrikant diese Fähigkeiten an und stellt damit in den Vordergrund, dass die Grätsche zwischen Grafikleistung und Stromsparfunktionen bei den meisten Laptops zugunsten schwacher Grafikfähigkeiten entschieden wird.
Das wird sich grundsätzlich auch mit Puma nicht ändern. Zwar werden die Chips HD-Filme wiedergeben können, für aktuelle 3D-Spiele aber sind sie nach Ansicht von Experten kaum geeignet, auch wenn sie Microsofts neue Grafiktechnologie DirectX 10 unterstützen. Das wäre auch kaum sinnvoll, da 3D-Grafik auch bei den neuesten Grafikchips noch zu viel Energie verschlingt. Wohl deshalb hat man sich bei AMD für ein anderes Konzept entschieden.
Doppelgrafik intern und extern
Das sieht unter anderem vor, dass man die in den Chipsatz integrierten Grafikfunktionen mit denen eines separaten Grafikchips kombinieren und so die Gesamtleistung steigern kann. AMD verspricht hier Steigerungen von bis zu 70 Prozent. Der Clou bei der Sache: Im Akkubetrieb kann der Grafikprozessor automatisch abgeschaltet, die integrierte Grafik allein betrieben werden, was zu einem deutlich reduzierten Stromverbrauch führen soll.
Künftig soll dieses Konzept aber noch deutlich erweitert werden. Anstelle eines zusätzlichen Grafikchips soll dann eine externe Box die Grafikleistung steigern. External Graphics Platform (XGP) nennt AMD diese Technik. Das Funktionsprinzip: Während unterwegs die Strom sparende interne Grafik die Bildaufbereitung übernimmt, wird zuhause oder im Büro eine Zusatzbox angeschlossen, in der ein leistungsfähiger - und energiehungriger - Grafikchip steckt.
Wie so etwas aussehen kann hat jüngst Fujitsu Siemens Computers gezeigt. Deren Amilo Sa 3650 kann über einen sogenannten GraphicBooster erweitert werden. In dem weißen Kästchen verrichtet ein Grafikprozessor mit 512 MB Videospeicher seinen Dienst und soll die Leistung um bis zu 470 Prozent steigern. Eine Zahl, die freilich auch erahnen lässt, wie wenig die integrierte Grafik wirklich schafft. Ab August soll das Gerät in den Läden stehen und sich beweisen können.
Turbobremse zum Strom sparen
Neben den vielen Grafikfunktionen gehört natürlich auch ein neuer Prozessor, der Turion X2 Ultra, zum Puma-Paket. Während AMDs bisherige Mobilprozessoren von den Server-Chips der Opteron-Reihe abgeleitet wurden, wurde das neue Modell ausschließlich für den mobilen Einsatz entwickelt - und das merkt man. Denn mit bis zu 2,4 Gigahertz ist die neue CPU zwar nominell nicht schneller als ihre Vorgänger, kann zum Strom sparen aber deutlich weiter heruntergetaktet werden. Auf minimal 500 Megahertz lassen sich die Chips ausbremsen, was ihren Energiebedarf deutlich reduzieren dürfte.
Mit drahtlosen Netzwerken kommunizieren Puma-Notebooks über den W-Lan-Standard 802.11n, nutzen also die derzeit schnellste verfügbare Technik. Dass Ethernet, USB und Bluetooth mit an Bord sind, ist selbstverständlich.
Weniger selbstverständlich ist dagegen, dass AMD mit Puma jetzt tatsächlich einmal die Nase vorn hat, zumindest was die Technik für Consumer-Notebooks angeht. Intel musste seine Neuauflage der Centrino-Plattform dagegen gerade auf Juli und August verschieben, in der Endphase der Entwicklung waren unerwartet Probleme aufgetreten. So hat Intels kleiner Konkurrent jetzt die Chance, zumindest ein paar Monate lang Marktanteile wieder einzusammeln, die in der Vergangenheit verloren gingen - zumindest, bis Intel den Centrino 2 auf den Markt bringt.
mak