AMD Web-Zugang für die Welt
Der Traum ist nicht neu und bisher stets gescheitert: Die rasant wachsende Bevölkerung der so genannten Dritten Welt ins Kommunikationszeitalter zu hieven verspricht Ruhm und Reichtum. Bei der Präsentation des von AMD konzipierten "Personal Internet Communicator" in Indien beschränkte sich AMD-Chef Hektor Ruiz auf den ersten Aspekt, sprach davon, dem informatorisch bisher zu wenig versorgten Teil der Weltbevölkerung endlich den Weg ins Web-Zeitalter bahnen zu wollen. Der "PIC" ist ein kompaktes Komplettpaket, das genau dafür gedacht und konstruiert wurde: klein, stabil, für eine Surfstation solide ausgestattet - und preiswert.
Der Mini-Computer trägt die Ambition als Aufdruck: "50 x 15" soll heißen, das AMD sich wünscht, bis 2015 die Hälfte der Welbevölkerung ins Internet zu bringen. Klar, dass das schön wäre: derzeit "surfen" gerade einmal zehn Prozent der Menschen.
Und AMD will dem Rest die nötige Hardware bringen.
Der "PIC" ist ein AMD-Gewächs, Partner wie Samsung, Solectron, Seagate und Macromedia steuerten bei, was AMD selbst nicht kann. Heraus kam ein pragmatischer Rechner in nettem Styling.
Innen arbeiten ein AMD Geode GX500-Processor mit 366 Mhz Taktfrequenz, 128 MB Arbeitsspeicher und eine 10 GB-Festplatte. Vorinstalliert ist ein auf Windows CE basierendes Betriebssystem mit "XP Extender", der XP-Anwendungen lauffähig machen soll. An der Gerätevorderseite prangen vier USB-Anschlüsse, intern verbaut sind ein 56KB-Modem und eine kleine Soundkarte.
Der ganze Spaß soll rund 185 Dollar kosten, inklusive Monitor (15 inch) 249 Dollar - Tastatur und Maus sind immer enthalten. Das macht den PIC zu einem realistisch gepreisten Angebot.
Vertrieben werden sollen die Computer nicht wie üblich über die Ladentheke, sondern vor allem in Kooperation mit Telekommunikationsunternehmen. Erste Deals mit entsprechenden Firmen in Indien, Mexiko und im karibischen Raum sind bereits in trockenen Tüchern. In nächster Zeit folgen sollen Deals mit Unternehmen in Brasilien, China und Russland.
AMDs indischer Partner Videsh Sanchar Nigam Ltd. plant, seinen Kunden den Minirechner auf Abzahlungsbasis zur Verfügung zu stellen. Für einen Markt in der Dritten Welt, sagte ein Firmenvertreter der Nachrichtenagentur Reuters, sei es wichtig, zu große Anzahlungen zu vermeiden. Videsh hofft stattdessen, eine möglichst große Anzahl der PICs für "ein paar Hundert Rupien" im Monat auf Ratenbasis verkaufen zu können - über einen Zeitraum von drei Jahren.
Intels wichtigster Dauerkonkurrent AMD bietet mit dem PIC erstmals ein "ganzes Produkt" unter dem AMD-Label an.
Nach beachtlichen Erfolgen im "Gigahetz-Rennen" gegen Intel hat AMD sich einen kleinen Marktanteil sichern können, der aber trotz immer wieder gelingender technischer Vorsprünge (zuletzt Ersteinführung von 64-Bit-Prozessoren im Windows-PC-Segment) nicht wirklich wachsen will. Mit der PIC-Initiative zielt AMD auf eine Marktnische mit enormen Wachstumschancen, die Intel mit seinen Produkten bisher nicht offensiv angeht.
Indien und China gelten als die potenziell größten Wachstumsmärkte für die IT-Wirtschaft. Der indische Telekommunikationsdienstleister Videsh rechnet in den nächsten sechs Jahren mit einer Verfünfzehnfachung der Surferzahlen in Indien - auf dann rund 60 Millionen Internet-Nutzer. Nicht nur da wäre AMD sicher gern dabei.
Frank Patalong