Angst vor Spionage Fotohandys werden abgerüstet
Was wäre ein Manager ohne sein Handy. Vor Jahren, als Mobiltelefone noch richtig groß und teuer waren, galten sie vor allem als Statussymbol. Mittlerweile sind sie aus dem Arbeitsalltag kaum noch wegzudenken - ohne Handys würde manche Firma heutzutage gar nicht mehr arbeiten können.
Die mit immer mehr Funktionen überfrachteten Geräte gelten jedoch zunehmend mehr als Sicherheitsrisiko. Vor allem die Fotofunktion treibt Experten Sorgenfalten auf die Stirn. Mittlerweile schießen die Handys Fotos mit einem Megapixel Auflösung - da lassen sich auch bequem Dokumente mit vertraulichen Informationen abfotografieren.
Der amerikanische Mobilfunker Sprint - in den USA die Nummer vier auf dem Markt -, hat nun auf die Bedenken seiner Kunden reagiert und will das Palm-Smartphone Treo 600 künftig auch in einer Version ohne Kamera anbieten.
"Fotohandys bringen große Vorteile in vielen Branchen", sagte Sprint Vice President Phil Bowman der "Financial Times". Doch einige Unternehmen hätten ernstzunehmende Bedenken, weil damit vertrauliche Informationen kopiert werden könnten. Bowman wollte keine Firmennamen nennen, bestätigte jedoch, dass große Unternehmen aus dem Finanzsektor und auch Regierungsbehörden Bedenken in Bezug auf Fotohandys angemeldet hätten.
Firmen wie Intel oder Samsung haben Fotohandys bereits teilweise auf ihrem Firmengelände verboten, um Industriespionage zu verhindern. Auch Gerichte in den USA und Dienststellen der amerikanischen Armee haben die Nutzung derartiger Geräte mittlerweile untersagt. Selbst Fitnessstudio-Betreiber verhängten Verbote, um die Privatsphäre ihrer Kunden zu wahren.
Beim finnischen Handybauer Nokia kann man die Bedenken jedoch nicht ganz nachvollziehen. Bereits vor 25 Jahren habe es vergleichbar kleine Fotoapparate von Minox und Leica gegeben, erklärte ein Sprecher des Unternehmens.
Auch in Deutschland scheint es kaum Schwierigkeiten mit der Fotofunktion zu geben. Vodafone-Sprecher Torsten Kollande sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE, ihm seien keine Fälle bekannt, in dem Geschäftskunden Kritik an Fotohandys geäußert hätten. In vielen Fällen, etwa bei der Dokumentation von Schäden, hätte sich die Fotofunktion vielmehr als sehr hilfreich erwiesen.
Holger Dambeck