AOL: Faustpfand Flatrate - DER SPIEGEL
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AOL Faustpfand Flatrate

Der Online-Dienst will seine Flatrate wieder einführen, wenn auch nur auf Sparflamme. Pro Woche sollen 1000 Kunden in den Genuss des Angebots kommen. Geld lässt sich damit kaum verdienen, doch es reicht, um Druck auf Telekom und Regulierungsbehörde auszuüben.
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Hamburg - Für das Surfen ohne Zeitbegrenzung zum Pauschalpreis, das AOL bereits in der Vergangenheit für 78 Mark monatlich angeboten hatte, soll es bei dem Provider in Zukunft zwei Abrechnungsmodelle geben. Zum einen für schmalbandige Modem- und ISDN-Zugänge für 39,90 Mark, zum anderen einen für DSL-Breitbandzugänge, der je nach Vertragslaufzeit entweder 39,90 Mark oder 49,90 Mark kostet. "Schon am ersten Tag gibt es eine überwältigende Nachfrage", sagte ein AOL-Sprecher am Donnerstag.

Da die Konditionen für den DSL-Zugang vergleichsweise unattraktiv sind - immerhin muss bereits ein DSL-Anschluss der Telekom vorhanden sein, die für T-Online ein analoges Preismodell anbietet - dürfte der Run vor allem auf die schmalbandige Flatrate einsetzen. Doch AOL will pro Woche nur maximal 1000 Neukunden registrieren. Wer dafür infrage kommt, bestimmt ein Zufallsgenerator. Nach einem Bericht des Internetdienstes "heise online" wird dabei nicht nur unter Neukunden ausgelost, sondern auch bisherige AOL-Mitglieder sind im Lostopf. Das Betrifft auch Nutzer der alten Flatrate zum Preis von 78 Mark, die AOL auslaufen lässt.

"Eine Menge Marketing"

Das bedeutet, dass die Zahl der Neuanmeldungen für das Angebot sogar noch deutlich unter den bekannt gegebenen 1000 liegen dürfte, wenn bisherige AOL-Nutzer das neue Dumping-Angebot haben wollen. Analysten, wie etwa Guiseppe-Guido Amato von Lang & Schwarz in Düsseldorf sprechen denn auch von "einer Menge Marketing", das AOL mit der jüngsten Ankündigung betreibe.

In der Tat geht es AOL vor allem darum, im Kampf gegen die Telekom Punkte zu machen. Strittig zwischen dem Ex-Monopolisten und den konkurrierenden Netz-Anbietern ist der Preis, zu dem die Telekom ihren Mitbewerbern den Netzzugang verkauft. Mit seiner Aktion will AOL die Telekom nun erneut unter Druck setzen, die Durchleitungspreise zu senken. "Es wäre konstruktiv, wenn die Telekom den Wünschen der Verbraucher, den Entscheidungen der Regulierungsbehörde und dem Vorbild anderer Quasi-Monoploisten folgen würde, endlich faire Flatrates anzubieten", umschreibt das AOL-Sprecher Jens Nordlohe vorsichtig. AOL-Chef Uwe Heddendorp war da schon deutlicher geworden. AOL weise Deutschland mit der neuen Flatrate den Weg in die Internet und E-Commmerce-Zukunft, tönte er, weil dieser Weg noch immer von der Telekom blockiert werde.

Der rosa Riese scheint von den Angriffen unbeeindruckt. Telekom-Sprecher Ulrich Lissek unterstellte dem AOL-Chef sogar "Volksverdummung." Dieser tue so, "als sei Deutschland ein Internet-Entwicklungsland mit einem Ausbaustand knapp neben Nigeria". Immerhin sei man hierzulande Spitzenreiter in Europa, "auch wenn noch einiger ausbaufähig ist". Lissek stellte außerdem den generellen Sinn einer Flatrate infrage, weil nur die wenigsten Surfer mehr als 90 Stunden im Monat online seien. Mit dieser Argumentation hatte T-Online seine eigene Flatrate gekappt, was wiederum zu einem Run auf das damals noch existierende 78-Mark-Angebot von AOL geführt hatte.