AOL Heimliche Tarif-Tests
Man entrostet gerade nichtsahnend an einem Sonntagnachmittag den Wagen, da kommen einige Nachbarskinder auf Rollerblades vorbei, rufen "Sie haben Post!" und verteilen gratis bunte DVD-Hüllen. Zwei davon bekommen wir - eine für mich, eine für die Partnerin, Oh nein, schon wieder AOL. Deshalb "Sie haben Post!". Aber nette Verpackung - die DVD-Hülle kann man doch sicher gut für die selbstgebrannten Video-CDs verwenden?
Nach erster Verwunderung stellt sich jedoch heraus, dass an diesen AOL-CDs nicht nur die Verpackung ungewöhnlich ist. Mit "AOL by Call" testet AOL nun nämlich klammheimlich endlich einen echten "Internet-by-Call"-Tarif ohne Grundgebühr.
Leider hat AOL in der Vergangenheit systematisch Begriffsverwirrung betrieben.
Die aktuellen Sondertarife sind Mogelpackungen
Die momentan offiziell angebotenen Tarife "AOL Start" mit einer Mindestnutzung von zehn Stunden entsprechend 16,80 Mark sowie 2,8 Pfennig für jede Minute darüber hinaus oder "AOL Top" mit Mindestnutzungen von 30 Stunden monatlich für 39,60 Mark und 2,2 Pfennig pro darüber hinausgehende Minute sind ganz reguläre Verträge, bei denen auch bei Nichtnutzung eine Gebühr anfällt.
Diese wird lediglich mit Gebühren bis zur Höhe der Mindestnutzung verrechnet - früher sprach man auch umgekehrt von "Freistunden". Ein schlechtes Geschäft, wenn der Kunde im Sommer die Lust an AOL verliert oder in Urlaub geht, und dafür sind dann die Minutenpreise niedriger. Dennoch bezeichnet AOL diese Tarife öfters als "Internet by Call", wohl wissend, dass dieser Begriff einen Tarif assoziiert, der keine Grundgebühr oder Mindestnutzung aufweist.
Testkunden erhielten dagegen schon immer mal Angebote, die nie offiziell wurden. So wurden vor der Einführung der (momentan nicht mehr bestellbaren, aber noch nicht gekippten) 78-Mark-Flatrate auch solche Test-CDs mit AOL-Flatrateofferten aller Preisstufen von 30 bis 100 Mark pro Monat versandt.
Da solche Angebote mit individuellen Registrierungsnummern und Passwörtern versehen werden, kann AOL genau feststellen, wie viel Zuspruch der Versuchsballon erhält, und ob es sich lohnt, diesen Tarif regulär einzuführen.
Sollte AOL den Tarif "AOL by Call" tatsächlich einführen, bringt dies sicherlich viele neue Kunden, da dann auch Gelegenheitsnutzung möglich wäre. "T-Online by call" mit einem nur knapp höheren Tarif von 3,9 Pfennig hat dem Magenta-Unternehmen ja ebenfalls viele Kunden gebracht, die sich auf die traditionelle Grundgebühr von 8 Mark im Monat nicht mehr einlassen wollten. Dazu müssen sich aber zunächst ausreichend viele der Versuchskaninchen bei AOL . Wir waren nicht dabei.