AOL und Microsoft Ende der Zweckehe?
Washington - Wie mehrere US-Medien berichten, entwickelt AOL eine Software, die es seinen Mitgliedern erlaubt zu entscheiden, mit welchem Browser sie durch das World Wide Web surfen wollen. Die Zugangssoftware von AOL wird derzeit mit dem "Internet Explorer" von Microsoft ausgeliefert, obwohl der weltgrößte Online-Dienst mit dem Kauf von Netscape auch einen Browser aus eigenem Haus anbieten könnte.
Microsoft revanchiert sich, indem es einen Link zu AOL auf dem Desktop von Windows installiert hat. Der Fünfjahresvertrag, der der Kooperation zugrunde liegt, lief bereits im Januar 2001 aus. Beide Seiten bemühen sich seitdem vergeblich, die Kernpunkte der Zusammenarbeit neu zu definieren. Das neue AOL-Programm mit dem Codenamen "Komodo" soll in den nächsten Versionen der Zugangssoftware für AOL und CompuServe enthalten sein.
Betanews will aus AOL-Kreisen erfahren haben, dass der Konzern verschiedene Geschäftsbereiche aufgefordert hat, Informationen zu sammeln, die bei einem möglichen Rechtsstreit mit Microsoft von Nutzen sein könnten. Parallel dazu werde die Entwicklung von Komodo vorangetrieben. In einer unveröffentlichten neuen Version der Compuserve-Zugangssoftware sei das Programm bereits enthalten. Zwar könne sich das Mitglied aussuchen, mit welchem Browser es arbeite, Komodo schlage jedoch bei der Installation Netscape vor.
Eine AOL-Abkehr vom Internet-Explorer würde das Unternehmen Microsoft, das derzeit den Browser-Markt beherrscht, empfindlich treffen. Weltweit hat AOL fast 30 Millionen Mitglieder. Wenn sich der Großteil dieser Kunden für Netscape statt für den Internet-Explorer entscheiden würde, hätte das gravierende Marktverschiebungen zur Folge.