AOL und Time Warner: Droht die Dominanz im Internet? - DER SPIEGEL
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AOL und Time Warner Droht die Dominanz im Internet?

Neue und vor allem mehr Inhalte für das Internet - das könnte eine der positiven Auswirkungen der Fusion von AOL und Time Warner sein. Denn die beiden Partner ergänzen sich in diesem Bereich perfekt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York/Hamburg - Der eine hat die Internet-Kunden, über 20 Millionen an der Zahl. Der andere verfügt, als Herr über Zeitschriften, Musikverlage und Fernsehsender, über die Inhalte. Zusammen könnten AOL  und Time Warner  dem Internet einen Schub an aktuellen Nachrichten und unterhaltsamen Informationen bringen - oder es mit einem Einheitsbrei langweiliger Meldungen dominieren.

Denn: Die Quellen, auf die Time Warner, der weltgrößte Medienkonzern, zurückgreifen kann, sind kaum zu überschauen. Sie reichen von der Live-Berichterstattung von den Brennpunkten der Welt über Spielfilme und Cartoons bis zu Büchern und Musik. Der Weg ins Internet ist da nicht mehr weit.

Und der könnte bereits "mittelfristig" eingeschlagen werden, wie Frank Sarfeld, Sprecher von AOL-Europe, sagt. Allerdings wickelt Time Warner bisher 95 Prozent seines Geschäftes in den USA ab. Welche Inhalte den deutschen Kunden wann erreichten, stehe noch nicht fest. "Wir produzieren in Deutschland den Großteil unserer Informationen ohnehin selbst und sind auf die Inhalte von Time Warner nicht so sehr angewiesen", sagte Sarfeld. "Die großen Major Player werden aber künftig diejenigen Internet-Anbieter sein, die ihren Kunden Inhalte bieten."

Mit der Digitalisierung von Texten, Bildern und Filmen verwischen sich die Grenzen zwischen Fernsehen und Internet ohnehin. Fernsehfilme könnten über das Internet ausgestrahlt und gleichzeitig mit interaktiven Elementen verbunden werden. So könnte der Nutzer zum Beispiel aus dem laufenden Programm heraus die Video-CD oder Plastikfiguren des Hauptdarstellers bestellen.

Für die Übertragung der bei den neuen Vertriebswegen anfallenden Datenmengen wie Filme oder ganzer Musik-CDs sind die meisten Internet-Anschlüsse zur Zeit aber zu langsam. In den USA könnte Warner 13 Millionen Kunden über TV-Kabel einen schnellen und leistungsstarken Internet-Zugang anbieten. Das beflügelt die Phantasie der Experten. Sie versprechen sich vom digitalen Handel, der Bestellung von Waren und Dienstleistungen im Internet, enorme Wachstumssprünge.

Aus Warners Print-Magazinen "Time ", "Sports Illustrated ", "Fortune " und "People " ließen sich Internetseiten bauen, die dem weltweiten Interesse an Stars und Sternchen, Sport und Unterhaltung entgegenkommen. Hinzu kommen der riesige Fundus des Filmstudios Warner Bros. sowie die gewinnträchtigen Bestände der Warner Music Group, die sich mit einer digitalen Jukebox weltweit und vor allem gewinnträchtig Gehör verschaffen könnte.