AOL-Werbung "Bitte, Herr Bundeskanzler!"
Hamburg - Die Werbung klingt pathetisch: "Sie sind angetreten mit einer neuen Politik für eine neue Zeit", schreibt AOL-Europe-Chef Andreas Schmidt in einem offenen Brief an Bundeskanzler Schröder. Und: "Sie haben den epochalen Wandel von der Industrie- zur Informations- und Wissensgesellschaft energisch eingeleitet."
Der Brief, als ganzseitige Anzeige zunächst in der "Welt am Sonntag" erschienen, hat inzwischen weite Kreise gezogen. Wie AOL-Europe-Sprecher Frank Sarfeld mitteilte, wurde das Schreiben ("Danke, Herr Bundeskanzler! Bitte, Herr Bundeskanzler") am Montag in "allen großen deutschen Tageszeitungen" veröffentlicht.
Offensichtlich bekommt AOL Europe kalte Füße: Nachdem die Telekom am Freitag angekündigt hatte, bei ihrer Tochter T-Online einen Pauschaltarif einzuführen, ist noch unklar, ob auch andere Provider von den neuen Konditionen profitieren können. Sollte sich die Telekom dagegen sperren und die Regulierungsbehörde kein Veto einlegen, könnte AOL Europe schwer in Bedrängnis kommen.
Entsprechend ist der offene Brief formuliert: Neben dem Dank, dass Schröder ein "neues Wirtschaftswunder" möglich mache und die "letzten Barrieren und Hemmnisse für eine breite Nutzung des Internets" einreiße, enthält der auch eine "Bitte" - eine Bitte nach "fairem Wettbewerb".
So schreibt Schmidt: "Unser Land hört mit Freude, dass die Deutsche Telekom die Zeichen der Zeit erkennt und den Zugang zum Internet erleichtern will." Im Zeichen der Globalisierung hätten Monopole "keinen Platz und keine Zukunft". Deshalb dürften sich die "Monopolstrukturen der Telekom" im Internetmarkt keinesfalls fortpflanzen.