Appaяatschik: Wie T-Mobile Marilyn Manson entmannte - DER SPIEGEL
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Appaяatschik Wie T-Mobile Marilyn Manson entmannte

Mit dem Musikhandy SDA Music möchte Mobilfunkanbieter T-Mobile dem iPod von Apple Konkurrenz machen. Doch anstelle satten Sounds liefert das Windows-Telefon blecherne Töne, Fehlermeldungen und verstümmelte Songs.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Eine Kreuzung aus Walkman und Telefon, macht die Sinn? Möglicherweise schon - schließlich ist es nervig, wenn stets sämtliche Jackentaschen randvoll mit Elektrokrempel sind (in meinem Fall Handy eins und zwo, iPod, Aufnahmegerät). T-Mobile verspricht mir ein Gerät, das zwei meiner Klötze ersetzt. Außerdem könne ich mich auf ein "exklusives Hörerlebnis" freuen.

Das Zwitterwesen sieht von vorne etwas ungewöhnlich aus. Neben den normalen Handytasten besitzt der SDA Music mehrere Extraknöpfe (Play, Pause, Vor, Zurück). Ansonsten ist er eigentlich ganz schick. Das Gerät hat ein großes Farbdisplay mit guter Auflösung und eifert optisch seinem Vorbild nach: Weiße Plastikverkleidung, weiße Kopfhörer, runde Kanten. Mit 106 Gramm wiegt der SDA in etwa soviel wie ein iPod Mini. Das Handy läuft mit der Benutzeroberfläche Windows Mobile. Die ist etwas verschwurbelt, aber es könnte schlimmer kommen.

Let the music play

Steckbrief - T-Mobile SDA Music

Standby-Zeit Bis zu 200 Stunden
Sprechzeit Bis zu 240 Minuten
Betriebssystem Windows Mobile
Gewicht 106 Gramm
Größe (H x B x T) 108 x 47 x 20 Millimeter
Display TFT, 65.536, Auflösung 176 x 220 Pixel
Schnittstellen Bluetooth, USB, Infrarotschnittstelle

Musik lässt sich, ähnlich wie bei herkömmlichen MP3-Playern, per Kabel vom Rechner auf das Gerät laden. Prinzipiell funktioniert das problemlos. Allerdings liefert T-Mobile keinerlei Musikmanagement-Software für den PC mit, wie sie bei derartigen Geräten eigentlich Standard ist. Mit solch einem Jukebox-Programm lässt sich Musik von CDs in digitale MP3-Dateien umwandeln. Außerdem kann der Musikliebhaber mit der Software seine Songs verwalten und auf seinen Player übertragen.

Nicht so beim SDA. Musik von meinem PC kann ich nur über den guten alten Windows Dateimanager auf das Handy schieben. Automatisch geht, anders als etwa bei Apples hervorragender iTunes-Software, überhaupt nichts. Um eine Musikdatei vom Handy auf den Rechner zu transferieren, muss ich zunächst herausfinden, dass diese unter Storage/MyDocuments/MyMusic liegt. Das erinnert eher an längst vergangene Dos-Zeiten denn an eine moderne Benutzerführung.

Auch die Jukebox auf dem Handy selbst ist eher schlicht gehalten. Die Songs auf meinem Testhandy kann ich weder nach Musikrichtungen sortieren, noch lassen sich Wiedergabelisten (die moderne Form der Mischkassette) erstellen. Die Titel erscheinen stattdessen untereinander als lange Liste. Bei einem Dutzend Songs ist das okay. Aber theoretisch lässt sich in den SDA Music auch ein Gigabyte-Speicherchip einsetzen, was in etwa 250 Liedern entspricht. Da wird es dann arg unübersichtlich.

Musik liegt in der Luft

Mit dem SDA lässt sich Musik nicht nur vom Computer, sondern auch über das Mobilfunknetz laden. Das klingt nicht schlecht. Es ist Morgen, ich bin müde und benötige dringend einen musikalischen Weckruf. Mein iPod bietet zwar Gitarrenmusik, aber nichts bestialisch Lautes. Also rufe ich stattdessen auf dem SDA die Musikseite von T-Mobile auf. Die Auswahl an Krach ist nicht übel. Ich entscheide mich für Marilyn Manson, Nirvana und Soundgarden.

Die Songs kosten ein jeder happige 1,49 Euro (Apples Musikshop verlangt 0,99 Cent). Das Download-Procedere ist nur etwas für geduldige Menschen - Mansons "Saint" (575 Kilobyte) schafft mein Testgerät in 3:06 Minuten. Zweimal bricht der Ladevorgang ab, insgesamt benötige ich etwa 15 Minuten, um alle drei gewünschten Lieder zu überspielen. Endlich Musik! Ich entscheide mich als erstes für die Datei Come_as_you_are_Nirvana.mp4. Geht aber nicht: "Die Datei kann nicht wiedergegeben werden."

Musik-Metzger in Aktion

Offenbar ist T-Mobiles Musikseite mit T-Mobiles Musikhandy nicht hundertprozentig kompatibel. Ich versuche es mit Marilyn Manson. Das geht, aber die Klangqualität erinnert an ein altersschwaches Kofferradio. Der Grund dafür ist, dass T-Mobile für seinen Musikshop eine niedrige Bitrate verwendet - bei qualitativ hochwertiger Kodierung würden die Downloads ewig dauern.

Seltsam ist auch, dass der Manson-Song ebenso abrupt anfängt wie er aufhört. Ich kenne das Lied und wundere mich. Wo ist das Intro? Wieso gibt es keinen richtigen Mittelteil? Was ist mit dem Schluss passiert?

Die grausige Antwort: T-Mobile hat Marilyn zerhäckselt und kastriert. Auch in niedriger Komprimierung (sprich schlechter Qualität) wäre das Stück "Saint" immer noch in etwa ein Megabyte groß und damit zu wuchtig für einen Download über das herkömmliche GPRS-Netz. Um "Saint" auf das halbe Datenvolumen einzudampfen, hat der Anbieter den Titel brutal gekürzt - von 4:30 auf 1:33 Minuten.

Darum steht auf dem Download-Button in T-Mobiles Shop "Get Mix" und nicht etwa "Get Song". Mix ist wohl Marketingsprech für "Lied in mieser Qualität bei dem die Hälfte fehlt und das sich auf anderen Geräten nicht abspielen lässt". So etwas sollte man keinem Rocksong antun. Nicht einmal, wenn er von Marilyn Manson ist.

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