Apple-Event: Eins noch von der Geheimnis-Krämerseele - DER SPIEGEL
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Apple-Event Eins noch von der Geheimnis-Krämerseele

Er liebt die Inszenierung. Apple-Chef Steve Jobs wird heute Abend ein neues Produkt vorstellen. Was es ist, will der Konzern vorab nicht verraten - und gerade darum will es jeder wissen. Ähnliche Versuche der Konkurrenz verblassen gegen die Macht des Mysteriums.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Uhr tickt. Voraussichtlich gegen 19.30 Uhr MEZ wird sich Apple-Chef Steve Jobs in den USA die Ehre geben: über das Netz live übertragen auch zu anderen zentralen Presse-Events wie dem in London. Und dann wird er seine Geheimnis verkünden.

Die Pressevertreter aus aller Herren Länder werden trotzdem zu den Apple-Events pilgern. Denn anders als bei den meisten anderen Unternehmen geht man blind davon aus, dass sich das schon lohnen wird: Wenn Apple Novitäten aus dem Zylinder zieht, sind das per definitionem Tech-News. Und klar, auch bei SPIEGEL ONLINE werden wir Sie im Laufe des späten Abends informieren - auch wenn man damit eigentlich schon beginnen könnte.

Glauben zumindest die meisten Analysten. Denn die Produktsparte, die nach landläufiger Meinung eine Überholung am dringendsten gebrauchen könnte, ist ausgerechnet auch Apples wichtigste Geldkuh: Es dürfte um den iPod gehen.

Den haben wir seit 2001 in etlichen Inkarnationen erlebt, als Nano-, Mini-, Photo-iPod, in Sondereditionen wie U2 oder Red. Aktuelle Modelle können fast alles, was ein Multimedia-Player heute können muss, um seinen Preis zu rechtfertigen.

Wohlgemerkt: fast.

Denn zum einen sind die Top-iPods mit einer maximalen Speicherkapazität von 80 GB (seit September 2006) für heutige Verhältnisse keine Boliden mehr. Zum anderen fehlt den iPods bisher eine wirklich gute Kommunikationsmöglichkeit.

Vorbild Zune?

Man darf also Wetten abschließen: Wie dick wird das neueste Top-Speichermedium? 120 GB wären doch schon nicht schlecht. Oder legt Apple noch was drauf? Wird der große iPod gleichzeitig dünner, bekommt er einen Touchscreen wie das iPhone?

Nichts ist unmöglich. Interessanter aber wäre es - Apple-Fans bitte weghören! - wenn sich Apple Sonys PSP oder den Zune-Player von Microsoft zum Vorbild nehme und den iPod mit Netzwerk-Kapazität aufwerten würde. Der Gedanke ist naheliegend: Seit dem letzten Software-Upgrade kann man mit dem großen Player auch kleine Spielchen spielen. Netter wäre das, wenn eventuell die Steuerung dafür optimiert, vor allem aber die Möglichkeit zum vernetzten Spiel geschaffen würde.

Zumal sich mit einer beispielsweise auf Bluetooth- oder W-Lan-Basis umgesetzten Vernetzung noch mehr anfangen ließe: iTunes-Shop-Einkauf, während man bei Starbucks sitzt, Web-Surfen in der Flughafenlobby oder Direkt-Beschickung eines passenden Autoradios mit iPod-Sounds zum Beispiel. Die Gedankenspielchen kann man beliebig erweitern.

So oder so ähnlich sehen sie bei den meisten Marktbeobachtern aus, was die Konkurrenz mächtig fuchsen muss: Bei Apple reicht schon die Nicht-Information, um Schlagzeilen zu produzieren. Die Konkurrenz legt sich derweil ins Zeug mit echten Produkten und Konzepten oder strengt gewagte Gedankenspielchen an - und kaum einer hört hin. Kaum zufällig berichtete das "Wall Street Journal" knapp einen Tag vor dem Apple-Event über Sonys Pläne, zum Apple der Filmdownloads werden zu wollen.

Mit einer geschickten Vernetzung von PS3, PSP und Bravia-Fernsehern plane Sony, Apple auf dem kommenden Markt die Butter vom Brot zu nehmen. Klingt erst einmal klasse, wenn man bedenkt, dass Sony den erheblich kürzeren Weg zum Wohnzimmer besitzt: Apple TV, die Streaming-Box für Multimedialitäten Richtung Fernseher ist dagegen doch eher eine Art Abkürzung eines Umwegs. Trotzdem hat der Plan einen kleinen Schönheitsfehler: IPods, denen Apple den Boom des iTunes-Shop verdankt, verkaufen sich wie doof. Zu dumm, dass man das von der PS3 nicht behaupten kann. Entsprechend mager fiel das Echo auf die keck vorgetragenen Pläne aus.

Zune-Phone: "Nicht unvernünftig"

Auch Microsoft legte sich am Vortag des Apple-Events noch einmal mächtig ins Zeug. Die Nachrichten darüber, dass das iPhone sich in den USA offenbar besser verkauft als irgendein anderes Konkurrenzprodukt, konterkarierte Microsoft mit lautem Nachdenken und diffusen Andeutungen. Mindy Mount, Managerin in Microsofts Gadget- und Entertainment-Abteilung, zeigte sich als Königin des Konjunktivs: Es sei "nicht unvernünftig", darüber zu sinnieren, dass es "zu einem gegebenen Zeitpunkt" einmal ein Microsoft-Handy geben könnte, das Funktionen des Zune-Players integriert.

Das Zune-Phone ist eine immer wieder gern hervorgekramte Spekulation, die Microsoft-Chef Steve Ballmer vor einigen Monaten eigentlich per Machtwort beendet hatte. Damals hieß es, das Zune-Phone sei kein Konzept, das Microsoft je verfolgen werde. Der Mann weiß schließlich, wie die Verkaufszahlen des Zune ohne Phone aussehen - trotz W-Lan-Kapazität.

Die des iPod sind aus Apples Perspektive nach wie vor höchst erfreulich - auch schon ohne zeitgemäße Netzwerk-Fähigkeit. Die kleinen Player sind nicht nur Gadgets, sondern auch Statussymbole: Im direkten Vergleich mit Konkurrenzprodukten sind sie dabei keine Sonderangebote. Einen Ruf zu verlieren hat Apple dagegen in Sachen Design, Produktqualität und Feature-Fähigkeit: Die Firma aus Cupertino kann es sich kaum leisten, Technik-Trends wie beispielsweise Internet- oder zumindest Netzwerk-Fähigkeit bei Multimedia-Playern nicht zu folgen. Ob es Jobs darüber hinaus schaffen wird, uns Technophile einmal mehr zu überraschen, wissen wir dann irgendwann nach 20 Uhr: Vielleicht kommt ja alles doch ganz anders?