Apple-Innovationen Mr. Jobs, Telefon!
Für das "Wall Street Journal", gemeinhin als eher besser informierte Zeitung bekannt, ist die Sache so gut wie ausgemacht: Apples Mobiltelefon kommt. Auch den Partner hat das Finanzblatt bereits ausgemacht. In den Vereinigten Staaten soll es der US-Mobilnetzbetreiber Cingular sein, der das Handy vertreiben wird. Eine begründete Vermutung, wenn man sieht, dass die Firmen bereits zuvor kooperierten: Auch Motorolas in Kooperation mit Apple entwickeltes iTunes-Handy Rokr wurde über Cingular vertrieben - wenn auch mit allenfalls durchwachsenem Erfolg.
Denn letztlich war das Motorola-Modell nicht, was sich die Fans erhofften. Sie sehen in dem seit Jahren herbei visionierten Apple-Handy ein vollgütiges iPod-Telefon - und viel weniger wäre auch nicht sinnvoll: Während Apple den Markt der MP3-Player besonders in den USA fast monopolartig dominiert, werden dem Unternehmen in den nächsten Jahren da allenfalls die immer fitteren Musikhandys diverser Hersteller gefährlich, da sind sich die Experten einig.
Zwar habe Apple im letzten Jahr seine iPod-Verkäufe noch einmal um rund 75 Prozent steigern können, rechnet das "Journal" vor, doch umschreibe diese stolze Zahl letztlich das langsame Abebben des phänomenalen iPod-Booms. Im Jahr davor hatte Apple seine Verkäufe gegenüber dem Vorjahr noch um sensationelle 409 Prozent steigern können, was nicht zuletzt die Börsen ausgiebig honoriert hatten. Umso wichtiger ist es, dass Apple-Chef Steve Jobs heute Abend bei der Macworld Expo in San Francisco ein iPhone aus dem Hut zaubert. Andernfalls, da sind sich die Branchenexperten einig, dürfte der Apple-Kurs sinken.
Wer nicht will, der muss?
Vielleicht setzt Jobs auch auf einen anderen Trumpf. Statt in den Mobilfunkmarkt einzusteigen, könnte Apple endlich den Sprung auf die großflächige Mattscheibe wagen. Denn das zweite von vielen Experten erwartete Produkt könnte "iTV" oder ähnlich heißen.
Seit Apple sich vom reinen IT- zunehmend zum Entertainment-Elektronikkonzern mausert, gilt ein Engagement im Segment der Settop-Hardware als überfällig. Wer das Media-Center des Zukunfts-Wohnzimmers betreiben will, braucht TV-Produkte im Portfolio. iTV hatte Apple bereits vor Monaten als Prototyp vorgeführt, ein Seriengerät gilt darum als wahrscheinlich. Das Gerät soll als Brücke zwischen aus dem Internet geladenen Film- und Fernsehinhalten und der guten alten Glotze dienen. Verkauft werden soll es wohl für einen Preis um 300 Dollar.
Apple ist notorisch bekannt dafür, seine tatsächlichen Produktveröffentlichungen sehr effektiv geheim zu halten. Ein kluger Schachzug, befeuert es doch seit Jahren eine Gerüchteküche, die für Medien wie Apple-Fans den halben Spaß an den firmeneigenen Novitäten-Messen ausmacht. Selten zuvor aber sah sich Apple mit derart konkreten, drängenden Vorerwartungen konfrontiert. Zu denen zählt auch, dass Apple seine Video-iPods endlich mit größeren Displays versieht. Die Gerüchte über angebliche Hardware-Deals der Apple-Einkäufer reichen von einer Verdoppelung der Größe der bisherigen Displays bis hin zu flächendeckenden Bildschirmchen, die den iPod in Konkurrenz zu den immer populäreren Videoplayern diverser Hersteller besser aufstellen würden.
Was auch immer Steve Jobs heute vorstellen wird, die Fans werden es goutieren. Bis dahin geht der Gerüchte-Spaß munter weiter, wobei ein Produkt von Spaßvögeln unter deutschen Apple-Fans favorisiert wird: der iSpoon. Wer brauchte ihn nicht ab und zu - den Eierlöffel?