Apple Mit mehr Megahertz aus der Absatzkrise?
San Francisco - Mit schnelleren Computern und einem rundum erneuerten Betriebssystem will Apple seine jüngste Absatzkrise überwinden. Firmenchef Steve Jobs stellte in San Francisco mit dem PowerBook G4 Titanium "das schnellste Notebook der Welt" sowie eine neue Linie der PowerMac-Rechner vor, die deutlich schneller arbeiten und besser ausgestattet sind als die Vorgängermodelle. Der neue G4 ist auf 733 Megahertz getaktet und damit rund 50 Prozent schneller als das bisherige Spitzenmodell.
"Die vergangenen Monate stellten Apple vor eine besondere Herausforderung", sagte Jobs. "Wir haben beschlossen, das Jahr 2001 mit einem großen Knall zu starten." Bei Personalcomputern mit Intel-Prozessoren liegt der Wert für die Rechengeschwindigkeit bereits bei 1,5 Gigahertz, ist also scheinbar nahezu doppelt so hoch.
Faktisch fällt der Unterschied so gravierend nicht aus: Die Performance von Apple-Rechnern gilt als deutlich besser als die von PCs, die für vergleichbare Leistungen mehr Rechen-Power brauchen. Trotzdem, räumt man in Apple-Kreisen zunehmend ein, ergibt sich aus der scheinbar niedrigeren Taktfrequenz von Apple-Rechnern ein "psychologisches Problem", dass sich auch im Verkauf niederschlägt. Im direkten Vergleich der bloßen Leistungsdaten erscheint ein Apple "kraftloser".
Wegen sinkender Nachfrage nach seinen Produkten musste Apple bereits Anfang Dezember vergangenen Jahres eine Gewinnwarnung verkünden. Für das neue Geschäftsjahr werden jetzt nur noch Umsätze von 6 bis 6,5 Milliarden Dollar erwartet, nachdem diese in dem Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr 2000 noch um 30 Prozent auf 7,9 Milliarden Dollar gesteigert werden konnten.
Zugleich kündigte Jobs an, dass erstmals seit drei Jahren ein Quartal wieder mit Verlusten abgeschlossen werde. Bei der Begründung für die schwierige Geschäftslage verwies Jobs unter anderem auf die "Megahertz-Kluft" zwischen Macintoshs und Intel-Rechnern. Die Prozessoren für Apple-Geräte werden von IBM und Motorola hergestellt.
Vor rund 5000 Teilnehmern der Firmenmesse Macworld sagte Jobs, der im Februar zu erwartende G4-Rechner mit 733 Megahertz sei um ein Drittel schneller als ein Pentium-PC mit 1,5 Gigahertz. Außerdem nannte er erstmals einen Termin für das Erscheinen des von Grund auf überarbeiteten Betriebssystems der Macintosh-Rechner: Das MacOS X soll am 24. März herauskommen. Zu den Besonderheiten gehören die neuartige Benutzeroberfläche Aqua, die integrierte Unterstützung von Java 2 sowie die Beschleunigung von Zugriffen auf Hardware-Bauteile.
Weitere Neuigkeiten bei der Mac-Software sind Apples Bemühungen, den Trend zu Multimedia stärker als bisher zu bedienen. Durch den Mac würden Digitalkameras, CD-Player, MP3-Abspielgeräte und Kleinstcomputer wie der Palm miteinander verbunden, sagte Jobs. Mit dem kostenlos verteilten neuen Programm "iTune" können Macintosh-Anwender künftig ihre Sammlung von Musik-Dateien verwalten und CDs brennen. Jobs führte weiterhin die neue Software "iDVD" vor, mit der komplette Video-Präsentationen erstellt und auf DVD-Scheiben gebrannt können. Zuvor hatte Apple bereits mit der Video-Bearbeitungssoftware "iMovie" Erfolge erzielen können.
Der Kurs der Apple-Aktie legte nach den Ankündigungen von Jobs auf der Fachmesse Macworld Expo um knapp vier Prozent (plus 63 Cent) auf 17,19 Dollar zu. Seit dem Höchststand im März 2000 von 75,19 Dollar haben die Papiere allerdings um 77 Prozent nachgegeben. Apple hatte im vergangenen Dezember einen Verlust für das erste Finanzquartal 2001 in Höhe von 250 Millionen Dollar bekannt gegeben, nachdem sich insbesondere der Designcomputer G4 Cube nicht so gut verkauft hatte wie von Apple erhofft.