Apple: Spielstunde mit Steve Jobs - DER SPIEGEL
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Apple Spielstunde mit Steve Jobs

Steve Jobs hatte auf der MacWorld keine großen Neuigkeiten zu verkünden. In New York bestätigte sich nur einmal mehr: Der Apple-Chef hat keine Kunden - er hat Fans, die ihm bedingungslos ergeben sind.
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New York - Es ist voll hier. Verdammt voll. Hunderte drängen in den Northern Pavillon des Javits Congress Centers in Manhattan, wo ER heute sprechen wird. Manche haben sich bereits um fünf Uhr morgens angestellt. Denn der Platz reicht nicht für alle. In der Halle wird das Publikum der Computermesse MacWorld auf den Frontmann aus Kalifornien eingestimmt: "Fun, fun, fun" von den Beach Boys tönt aus den Lautsprechern. Steve Bilzi, ein dicker Mann mit Seehundsschnäuzer, singt lauthals mit. Er hat mal bei den Beach Boys Bass gespielt - vier Jahre lang, aushilfsweise. Jetzt ist er Mac-Berater in North Carolina und gespannt auf seinen Guru. "Steve Jobs ist ein Visionär", sagt er voller Bewunderung. "Wenn er nur ein bisschen mehr Geschäftssinn hätte."

Dabei waren die Zahlen gar nicht so schlecht, die Apple am Dienstag vorgelegt hatte. 61 Millionen Dollar Gewinn im dritten Quartal, das waren 17 Cents je Aktie und damit zwei Cents über den Erwartungen der Analysten. Zugleich war es nach dem Gewinneinbruch im Herbst 2000 das zweite Gewinnquartal in Folge.

Bilzi, der "Mac-Guru von Wilmington" (so nennen ihn angeblich die Leute), hat dennoch ein paar Tipps für sein Idol bereit. "Er sollte mal einen Code entwickeln, so dass das Mac-Betriebssystem auch auf PCs läuft". Dann würde Apple Microsoft-Gründer Bill Gates endlich direkt bekämpfen. Bilzi verstummt. Gespielt wird jetzt der Beach-Boys-Song "Catch a Wave and you're sitting on top of the world". Die Menge bricht in Jubel aus. Pfiffe, Schreie, hier kommt Steve Jobs, wie immer im schwarzen T-Shirt und Jeans.

Jobs: "Es geht nicht mehr nur um Computer"

Als erstes preist der Apple-Chef die neuen Apple-Shops, zehn an der Zahl, in ganz Amerika verstreut. "Sie laufen unglaublich", sagt er. Bis zum Jahresende sollen es 25 sein. Jobs zeigt ein Video: Er selbst vor dem ersten Geschäft in Tysons Corner, Virginia. In dem Video viel Begeisterung, viel Klatschen, ein Kunde entblößt sein Apple-Tattoo. Dazu Digitalkameras, MP3-Player, anderer Multimedia-Schnickschnack. Die Botschaft, so Jobs: "Es geht nicht mehr nur um Computer, sondern darum, was man damit machen kann."

Und das demonstriert er in den nächsten zwei Stunden bis ins Detail. Er zeigt, wie schnell man im verbesserten Mac-Betriebssystem 10.1 Menüs öffnen kann (sehr schnell), wie schnell man Tabellen vergrößern und verkleinern kann (sehr schnell) und wie schnell man den Internet-Explorer öffnen kann (Sie ahnen es, sehr schnell). Bilzi ist entzückt: "Talk to us, Steve", murmelt er. Von hinten ruft einer: "Go, Steve".

Der große Steve klickt sich an seinem Mac auf der Bühne in Extase. So viele tolle neue Buttons und Features. "Sehen Sie, das hier will ich Ihnen auch noch zeigen". Und macht aus einer Fotosequenz einen Bildschirmschoner. Selbstverständlich kann das auch noch mit Musik unterlegt werden. "Ist das nicht cool?" Oder die Super-Erfindung, die Menüleiste nach rechts, links oder unten zu verschieben. "Das ist es, was die Mac-Nutzer mögen", kommentiert Andrew Lynch, Reporter bei Brody Communications aus Westchester, schulterzuckend.

Kein Nachfolger für den Cube

Die großen Neuigkeiten hingegen bleiben aus. Auch wenn Jobs den neuen "Superdrive", mit dem man CD-Roms und DVDs lesen und brennen kann, vor einem Bild der Mondlandung präsentiert - einen revolutionären Durchbruch hat er hier nicht zu verkünden. Das Gerücht, Jobs werde einen Nachfolger für den gescheiterten G4 Cube aus dem Hut zaubern, bewahrheitet sich nicht. Er kündigt einige kleinere Neuheiten an, darunter den schnellsten Chip, den Apple jemals herausgebracht hat (867 Mhz), und einen beeindruckenden Dual Processor Mac (mit zwei 800-Mhz-Prozessoren). Apple wird auch drei schnellere iMacs auf den Markt bringen, und eine neue Version der DVD-Software iDVD. Doch es sind nicht weiter als Verbesserungen.

Um zu zeigen, dass das Mac-System die lebenswichtige Unterstützung von Software-Herstellern hat, lässt Jobs zehn Partner (von Adobe über IBM bis Quark) auf die Bühne, die ihre Applikationen vorstellen dürfen. Zuerst steigt der Microsoft-Vertreter auf die Bühne, um Office 2001 zu demonstrieren. "Hallo New York", versucht er es leutselig. Doch er erntet nur eisige Stille im Saal. Der Feind. Im Laufe der Präsentation, nach mehreren Kotaus vor den Vorlieben der Mac-Nutzer, bekommt er dann aber doch noch Applaus.

Der Höhepunkt der Veranstaltung ist der "Showdown": der Vergleich zwischen einem 867-Mhz-G4-Prozessor und einem 1,7-Gigahertz-Intel-Pentium-4. Beide Rechner müssen dieselbe Aufgabe erledigen. Natürlich schneidet der Apple-Chip doppelt so gut ab wie der von Intel. Das Publikum applaudiert schadenfroh, als der Pentium-Chip endlich fertig ist.

Als wäre das noch nicht genug der Botschaft, legt Jobs zum Schluss noch einmal nach. "Während andere in der Computerindustrie ihr Geschäft zurückfahren und Mitarbeiter entlassen, haben wir den Weg der Innovation gewählt", ruft er. Und er zählt noch einmal alle Produkte auf, die Apple in diesem wirtschaftlich schwierigen Jahr auf den Markt gebracht hat: Das neue Betriebssystem, das neue iBook, das Titanium-Notebook und iDVD. Ein letzter großer Applaus, und, befriedigt von der Apple-Experience, drängeln die Besucher nach draußen.