Arcor orakelt: "Videotelefonie wird ein Blockbuster" - DER SPIEGEL
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Arcor orakelt "Videotelefonie wird ein Blockbuster"

Pünktlich zur Cebit holt Arcor das Bildtelefon wieder aus der Mottenkiste. Angeblich wünschen sich die Konsumenten das schon mehrfach gefloppte Gerät sehnlich herbei. Dank DSL soll auch die Bildqualität endlich stimmen.
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Unverbesserliche Optimisten gibt es immer, aber was der Arcor-Manager Robert Hoffmann auf der Cebit-Preview in Hamburg verkündete, überraschte die versammelten Fachjournalisten schon einigermaßen: "Wir sehen jetzt den Durchbruch der Videotelefonie", sagte Hoffmann und meinte damit nicht etwa die neumodischen UMTS-Handys, sondern das klassische Bildtelefon für zu Hause mit Strippe dran.

Hoffmann war sich der Ironie seiner Aussage durchaus bewusst. Der erste Apparat wurde bereits 1936 vorgestellt, 1983 startete die Bundespost einen weiteren Pilotversuch. 1997 wiederum prognostizierten Telekom-Manager den Durchbruch für ihr ISDN-Bildtelefon und brachten es zum Stückpreis von über 500 Euro auf den Markt. Doch trotz aller technischen Begeisterung, die Apparate floppten. Die Telekom stellte den Verkauf im Jahr 2001 ein.

Jetzt will es Arcor noch einmal versuchen. Die schnellen Internetzugänge über DSL sollen Videotelefonie so lukrativ machen, dass sich sogar Senioren eine Flatrate wünschen, glaubt Hoffmann. Das Bildtelefon könnte so eine ganz neue Zielgruppe für die eigenen DSL-Anschlüsse erschließen, die an sich gar kein Interesse am schnellen Internet hat - das hofft man zumindest bei Arcor. Das Telekommunikationsunternehmen bietet selbst verschiedene DSL-Pakete für Privatkunden an, die jeweils auch mit einem ISDN-Anschluss gebündelt sind.

Hoffmann glaubt fest an die Bildtelefonie: "Wir erkennen darin einen wirklichen Blockbuster der Zukunft." Aus dem Scheitern der Telekom habe man gelernt. Hohe Endgerätepreise, schlechte Bildqualität und proprietäre Technik hätten einen Erfolg verhindert. Arcor setze deshalb auf die IP-Technologie, den offenen SIP-Standard und bei der Videoübertragung auf das verbreitete H.263-Protokoll.

Zur Cebit sollen mehrere Endgeräte vorgestellt werden, bei denen es sich um IP-Telefone mit Videokamera und Farbdisplay handelt. Preise will Arcor bis zur Cebit nennen. Fest steht immerhin, dass neben dem Kauf der Geräte keine laufenden Kosten anfallen - der Datenverkehr ist über die Flatrate bereits bezahlt.

Das Videotelefon wird über ein Ethernet-Kabel an DSL-Modem oder den Router angeschlossen und soll ohne Konfiguration sofort funktionieren. Jeder Kunde erhält für den Apparat eine zusätzliche Festnetz-Rufnummer - analog zu Voice-over-IP-Anschlüssen. Wer will, kann auch mittels PC-Programm und Webcam zu dem Videotelefon Kontakt aufnehmen.

Ob deutsche Omas jetzt tatsächlich reihenweise das Arcor Bildtelefon ordern werden, ist allerdings fraglich. Derzeit sprechen unter anderem die DSL-Tarife dagegen. Hohe Übertragungsraten gibt es prinzipiell nur beim Herunterladen aus dem Netz (Download). Um eigene Videobilder zu übertragen, müssen diese jedoch permanent ins Internet gespeist werden (Upload) - und dieser ist bei Standard-DSL-Anschlüssen meist nur 128 kBit/s oder bei Arcor 192 kBit/s schnell. Für Telefonie allein reicht das vollkommen aus, kommt noch das Video dazu, dann wird die Bildqualität jedoch so schlecht, dass man das Produkt kaum empfehlen kann.

Deshalb empfiehlt Arcor das hauseigene Turbo-DSL mit 512 kBit/s Upload (Preis: 53 Euro monatlich inklusive ISDN, Download 3000 kBit/s) oder zumindest den mittleren Tarif mit 384 kBit/s Upload (48 Euro monatlich inklusive ISDN, Download 2000 kBit/s). Fazit: Wohnt die Oma im gleichen Ort wie ihre Enkel und ruft ohnehin nur einmal im Monat an, dann ist Taxifahren billiger.

Holger Dambeck

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