Aufgeschoben Wann kommt Galileo?
München - Nachdem die Verkehrsminister der Europäischen Union die Entscheidung über die Realisierung des Satelliten-Navigationssystems Galileo verschoben haben, bangt die europäische Industrie um die Einhaltung des Zeitplans für das ehrgeizige Milliardenprojekt. Ursprünglich hatte Europas größter Raumfahrtkonzern Astrium mit einem positiven Beschluss schon auf der EU-Tagung am 20. und 21. Dezember in Brüssel gerechnet.
"Mit der Verschiebung ist die rechtzeitige Inbetriebnahme von Galileo im Jahr 2008 gefährdet", sagte Evert Dudok, bei Astrium für Navigationssysteme zuständig, am Freitag in München.
Nunmehr hätten die Verkehrsminister die EU-Kommission beauftragt, bis April eine Programmvorlage auszuarbeiten, die noch präziser sei und die einzelnen Länder mehr berücksichtige, begründete Dudok die Verzögerung. Das Galileo-Projekt wird als Antwort Europas auf das in den siebziger Jahren entwickelte US-Navigationssystem GPS gesehen, das vor allem militärisch genutzt wird.
"Galileo ist als rein ziviles Programm konzipiert", betonte Dudok. Das Projekt sieht vor, insgesamt 30 Satelliten auf 23.000 Kilometer hohen Umlaufbahnen im All zu platzieren, um damit einen Standort irgendwo auf der Erde auf vier Meter genau bestimmen zu können. Bei GPS seien es bei ebenfalls 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit 25 Meter.
Der EU-Ministerrat hatte bereits 1994 die Kommission in Brüssel beauftragt, Galileo auf den Weg zu bringen. Die bisherige Definitionsphase seit 1999 sei außerordentlich erfolgreich verlaufen, betonte Dudok. Für die Entwicklungsphase bis 2005 soll ein Betrag von 1,1 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, der jeweils zur Hälfte auf die EU und die Europäische Weltraumorganisation Esa entfällt.
Als einziger europäischer Bewerber stehe für die Entwicklung des Projekts die Galileo Industries SA bereit, an der Astrium 50 Prozent sowie die französische Alcatel und die italienische Alenia Spazio jeweils 25 Prozent halten, sagte Dudok. Nochmals über zwei Milliarden Euro würden für den Aufbau und Betrieb veranschlagt, die überwiegend aus privatwirtschaftlichen Mitteln stammen sollen. Über die Aufteilung gibt es Branchenkennern zufolge aber noch Diskussionen.
Als künftiger Betreiber will auch das Konsortium Siderius auftreten, das aus Telespazia und Racal/Thomson CSF (seit kurzem in Thales vereint) besteht. An Astrium ist mehrheitlich der größte europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS beteiligt, 25 Prozent hält die britische BAe Systems.
Das Galileo-Projekt soll laut jüngsten Studien den europäischen Unternehmen direkt und indirekt bis 2025 Umsätze bis zu 270 Milliarden DM bringen. 140.000 neue Arbeitsplätze könnten in diesem Zeitraum entstehen.