Augmented Reality: Auferstanden aus Ruinen - DER SPIEGEL
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Augmented Reality Auferstanden aus Ruinen

Der Blick durch das Fernglas zeigt nur Mauerreste, doch auf Knopfdruck erscheint plötzlich in voller Pracht der Tempel wie vor 2000 Jahren. Forscher aus Darmstadt wollen mit ihrem Spezialfernrohr Touristen in andere Zeiten entführen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Schon seit einigen Jahren versuchen sich die Techniker des Fraunhofer Instituts für Graphische Datenverarbeitung an einer Verbesserung der Wirklichkeit. Sie tüfteln nicht etwa an der ultimativen Arbeitsplatzmaschine oder einem Allheilmittel gegen Krieg und Gewalt - sie haben es vielmehr auf die optische Wahrnehmung abgesehen.

"Augmented Reality" nennen sie ihre Technik. Sie halten dem Betrachter einfach ein halbtransparentes Display vor die Augen, das zum Beispiel eine Brücke über einen Fluss einblendet, die bislang nur virtuell im Computer existiert.

Die Überlagerung der Realität mit digital erzeugten Bildern ist technisch alles andere als einfach. Meist greifen die Wissenschaftler zu speziellen Brillen mit integrierten Mini-Displays, die sie "Head mounted Displays" nennen. Doch vor allem die Bestimmung der Blickrichtung des Betrachters bereitet große Schwierigkeiten. Wandert der Blick nach rechts, dann müssen auch die digital erzeugten Bilder entsprechend mitschwenken, sonst passen Realität und Computerbild nämlich nicht mehr zusammen.

Dieses so genannte Tracking-Problem wollen der Darmstädter Informatiker Ulrich Bockholt und seine Kollegen mit einem einfachen Trick umgehen: Sie stecken ihre Augmented-Reality-Technik einfach in ein stationäres Fernrohr. Integrierte Sensoren können die Blickrichtung so sehr genau messen.

Und auch das leidige Gewichtsproblem verschwindet gleich mit. "Bislang mussten sich Betrachter einen teuren Laptop auf den Rücken schnallen, der die Bilder für die Display-Brille liefert", berichtet Bockholt. In den Fuß eines fest installierten Fernrohrs könne man hingegen problemlos einen PC einbauen, der die nötige Rechenpower für weniger Geld liefere.

Das Team um Didier Stricker und Ulrich Bockholt bastelt derzeit an einem Prototypen. Die Forscher wollen ihr Hightech-Fernrohr gern vermarkten und archäologische Stätten damit ausstatten. Als Münzfernrohr könnte es seine Kosten schnell wieder einspielen, glaubt Bockholt. "Wir brauchen 40 Besucher am Tag, die einen Euro bezahlen, um rentabel zu sein."

Kontakte zu Euroscope Europe, einem Hersteller von Münzfernrohren, sind bereits geknüpft. Die Forscher hoffen, dass ihr realitätsverbesserndes Gerät schon bald im griechischen Olympia steht und Modelle antiker Tempel auferstehen lässt.

Als eine der hoffnungsvollsten kommerziellen Anwendungen von "Augmented Reality" gelten virtuelle Wartungshandbücher für Autos und Maschinen. Bockholt erklärt: "Wir wollen das Handbuch der Zukunft schaffen." Wenn der Techniker vor einer Maschine stehe, sollten die Wartungshinweise eingeblendet werden. Im Projekt "Arvika" haben Wissenschaftler bereits Prototypen erstellt.

Holger Dambeck

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