Aus Versehen: Neue Version von Corel Draw für knapp 6 Mark - DER SPIEGEL
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Aus Versehen Neue Version von Corel Draw für knapp 6 Mark

Eigentlich sollte die Vollversion der Grafik-Software Corel Draw 10 für mehr als 1000 Mark über den Ladentisch gehen. Nun ist sie auf der CD-Rom einer Computerzeitung aufgetaucht, die gerade einmal 5,90 Mark kostet. Schwerstarbeit für Zeitschriftenhändler.
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Frankfurt/Main - Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile. Nachdem auch im Rundfunk auf das "Sonderangebot" aufmerksam gemacht worden war, rissen die Käufer den Zeitschriftenhändlern die "PC-Direkt" aus den Regalen. "In zwei Stunden war hier alles leer geräumt", sagte der Händler eines Bahnhofskiosks in Frankfurt am Main und zeigte auf eine gähnende Lücke zwischen zwei dicken Stapeln anderer Computerzeitschriften. Überwältigt von der plötzlichen Nachfrage hängten einige Händler schnell ein Schild auf: "'PC-Direkt' ausverkauft".

"Das ist der Auflage nicht unbedingt abträglich", sagte Chefredakteur Thomas Jannot. Lediglich in einigen abgelegenen Dörfern sei das Magazin wohl noch zu haben.

Allerdings zeigte sich Jannot auch nicht nur glücklich über den Rekordverkauf seiner Zeitschrift: "Nach einer solchen Panne bleibt natürlich ein schlechter Beigeschmack übrig." Corel habe aber vergleichsweise gelassen reagiert.

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf den scharfen Wettbewerb der zahllosen Computerzeitschriften, die mit attraktiven Extras auf CD-Roms um Käufer werben. Umgekehrt ist es auch das Interesse von Software-Firmen, mit der Verbreitung von Testversionen auf diesen Scheiben ihren Kundenkreis zu vergrößern. Kleinere Anbieter müssen deswegen sogar Geld zahlen, um ihre Software auf die begehrten Scheiben zu bringen.

Überraschung im Unterverzeichnis

So hat auch der kanadische Software-Hersteller Corel eine Testversion von Corel Draw 10 an den PC-Direkt-Verlag, die VNU Business Publications Deutschland GmbH, geschickt, deren Nutzung auf 30 Tage limitiert ist. Allerdings verbarg sich in dem Dateiordner für diese Testversion ein weiteres Verzeichnis, als Archiv komprimiert, in dem die Vollversion des Programms steckte. "Letztendlich lässt sich nicht mehr nachvollziehen, wie das passiert ist", sagt Chefredakteur Jannot. Die attraktive Mai-Ausgabe von "PC-Direkt" war schon 14 Tage lang im Handel, ehe das besondere Osterei auf der CD-Rom entdeckt wurde.

Alle, die bei der Jagd am Zeitungskiosk leer ausgegangen sind, bekommen demnächst noch eine Chance: Auch die zum gleichen Verlag gehörende "PC Professionell" soll Jannot zufolge in ihrer am 4. Mai erscheinenden Ausgabe die Corel-Software auf CD-Rom haben.

Peter Zschunke, AP