Australien Bäuerliche Satelliten, digitale Knechte
Downunder gibt es Farmen, die man hier zu Lande als Bundesländer verkaufen könnte. Da kann der Viehzüchter oder Getreidebauer leicht mal den Überblick verlieren über den Zustand seiner Felder und Weiden.
Hilfe zum effektiven Farmmanagement kommt neuerdings aus dem Weltall. Satelliten in Umlaufbahnen 700 Kilometer hoch über der Erde werfen ein wachsames Auge auf australische Weiden und liefern den Farmern Informationen über Futtermengen, Wachstumsraten und Wetterbedingungen.
Entwickelt wurde das bäuerliche Satellitenwerkzeug von der Abteilung "Livestock Industries" der Commonwealth Science and Industrial Research Organisation (CSIRO). "Die genaue Einschätzung der Weidewachstumsrate ist ein entscheidender Faktor im Landmanagement sowie für den Einsatz von Düngemitteln, Produktivität und Ertragsaussichten", betont Dave Henry, Leiter der CSIRO Livestock Industries. "Durch den Einsatz von Satelliten können wir jetzt quadratmetergenaue Informationen über das gesamte Gebiet einer Farm liefern."
- CSIRO:Hightech für die Landwirtschaft
- TheFarmShed:PGR-Kalkulationshilfen
- PGR-Programm Australien
- Palm:PDA-Lösungen für die Viehzucht
Die seit fünf Jahren laufende Erprobung der Technik in Westaustralien hat sich als erfolgreich erwiesen. "Das System ist robust, akkurat und wirksam. Jetzt können wir den nächsten Schritt gehen und die Technologie auch in anderen Teilen Australiens anwenden."
Zunächst kommen Farmer in Südaustralien in den Genuss der Bilder aus dem All. Noch können die Satellitendaten jedoch nur bezirksweise abgerufen werden. "Bei ausreichender Nachfrage können wir aber schon ab dem kommenden Jahr Informationen für das Gebiet einzelner Farmen zur Verfügung stellen", ist sich Henry sicher.
Noch ist der Nutzung der Satellitenbilder für die Farmer kostenlos und zugänglich über zwei Internetseiten. "Ein einfacher Computer mit Internetzugang ist ausreichend", versichert Henry, und für die Verwertung der Basisinformationen seien auch keine besonderen Schulungen notwendig. "Wer jedoch zum Beispiel auf Grundlage seines Viehbestands Daten zur Qualitätsverbesserung der Wolle oder des Fleisches gewinnen will, muss auf jeden Fall Schulungskurse besuchen."
Längst haben die CSIRO-Wissenschaftler schon die Vermarktung des Systems weit über die Grenzen Australiens hinaus im Auge. "Wir sind wohl weltweit führend in dieser Technologie der Informationslieferung über die Biomasse einer Weide gemessen in Kilogramm pro Hektar sowie über die Weidewachstumsraten in Kilogramm pro Hektar und Tag", ist sich Anton Coppen, Business Development Officer bei CSIRO, sicher. Zudem sei der Satellit bereits ausgerüstet für weitere Einsatzbereiche wie zum Beispiel in der Fischereiindustrie, im Umwelt- und Artenschutz und - besonders wichtig für Australien als trockenster Kontinent - für das Management von Waldbränden. "Wir suchen jetzt in Australien sowie weltweit Unternehmen als Partner für die Vermarktung der Technologie", so Coppen.
Bluetooth im Kuhstall
Australiens "Bauern-Satelliten" sind ein Extrembeispiel, doch die Durchdringung auch traditioneller Industrien mit Hightech-Hilfsmitteln ist unaufhaltsam. Was dem australischen Bauern das Satellitenbild für die Langzeitplanung ist, das sind ihm Funk- und PDA-Lösungen in der täglichen Arbeit bis hin zur einzelnen Kuh.
Nicht allein auf den "Big Brother" aus dem All ist Darren VanLiessum bei der Leitung seiner Milchkuhfarm angewiesen. Der Bauer aus Shepparton hat moderne Informationstechnologie in Form der Palm-Technologie in den Kuhstall eingeführt. Kaum hatte Van Liessum darüber nachgedacht, einen dieser Minicomputer zur Registrierung der Geburtstage, des Geschlechts, des Gewichts, der Gesundheitszustände neugeborener Kälber zu nutzen, als er dem Softwareentwickler David Haworth über den Weg lief. Zusammen entwickelten sie einen Palm für Bauern und tauften ihn "FarmHand".
Ausgerüstet mit modernster Bluetooth-Technik und kompatibel mit gängiger Landwirtschaftssoftware erleichtert der digitale Knecht das Leben des Milchbauern wesentlich. "Ich muss jetzt nicht mehr nach einem langen Arbeitstag die gesammelten Daten vom meinen Papieraufzeichnungen in den Computer eingeben", freut sich VanLiessum.
Gemeinsam mit Haworth gründete er zur Weiterentwicklung und Vermarktung des "FarmHand" die Firma D & K Technologies. Bereits entwickelt hat D & K einen Scanner für den FarmHand, mit dem die elektronischen Ohrmarken von Kuh oder Schaf eingelesen werden können. Diese Daten könnten in Zukunft per E-Mail über Handy direkt an eine zentrale Datensammelstelle weitergeleitet werden. So sei bei einem Auftreten von Krankheiten wie der Maul- und Klauenseuche leicht und schnell nachzuvollziehen, wo die Tiere hergekommen seien.
Auch Palm selbst beteiligt sich an der Weiterentwicklung des Systems. Mit Regierungsgeldern gefördert stattete das Unternehmen an einem Versuchsprojekt teilnehmende Farmer mit einem automatischen Tracking-System aus: Drahtlos hält ein kleiner Sender den Farmer auf dem Laufenden, wo sich welche Tiere gerade befinden. Schon jetzt darf Australien also für sich in Anspruch nehmen, über die Weidetiere mit den meisten Wanzen weltweit zu verfügen.
VanLiessum staunt noch immer über sein neues Leben als IT-Unternehmer und über die Möglichkeiten moderner Technik. "Wissen Sie", sagte VanLiessum der Zeitung "The Australian" in einem Interview, "die Menschen sind mit einem 2-MB-System zum Mond geflogen, und dieser Palm m500 hat 8 MB."