Australien: Buschfeuer online - DER SPIEGEL
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Australien Buschfeuer online

Es brennt Down Under, und das ist nicht zu vermeiden: Feuer gehört zum Kreislauf des Lebens in Australien. Aber Menschen, sagen Wissenschaftler, lassen sich mit modernen Mitteln künftig besser schützen. Zwei Tage vor dem Brand stellten sie in Canberra ihr Online-Warnsystem vor.
Von Michael Lenz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Feuer hat das Leben von allem und jedem, was freiwillig oder gezwungenermaßen in Australien lebt, entscheidend mitbestimmt", schrieb der amerikanische Feuerforscher Stephen Pyne zur 200-Jahr-Feier der Besiedlung Australiens durch Europäer im Jahre 1988. Was die Einwohner von Canberra nun am eigenen Leib erfahren mussten: Die australische Hauptstadt stand in Flammen, noch ist die Gefahr nicht ausgestanden.

Mit Feuereifer arbeiten Wissenschaftler und Feuerwehr Hand in Hand, um das Unvermeidbare künftig vorhersehbar zu machen und so durch kontrolliertes Zurückbrennen von Buschland oder rechtzeitige Evakuierungen die Folgen der Brände zu minimieren. Neuestes Instrument dafür ist das Internet. Zwei Tage vor Ausbruch der Brandkatastrophe in Canberra stellten Wissenschaftler eben dort die Webseite "Sentinel Hotspot" vor.

"Das australienweite System ist eine Ergänzung zu den Feuerbeobachtungsflugzeugen und Infrarotaufnahmen", sagte Alex Held, Wissenschaftler der "Commenwealth Scientific & Industrial Research Organisation" (CSIRO). Vor allem aber für die Arbeit der Feuerwehr und anderer Katastophendienste werde die Webseite in Zukunft ein wesentliches Instrument sein. "Sie können über die Satellitenbilder Karten von Straßen, Flughäfen, Wasserläufen und andere logistische Informationen legen und sich so online ein umfassendes Bild der Buschfeuersituation verschaffen." Auch für die Bewohner feuergefährdeter Gebiete sind die Informationen des "Brennpunkt-Wächter" von Nutzen.

Die Bilder aus dem All kommen von zwei Nasa-Satelliten, die Australien vier Mal pro Tag überfliegen. Die von den in 2330 Kilometern Höhe kreisenden Satelliten aufgenommenen Bilder werden an eine Empfangsstation in Alice Springs geschickt. Ein Spezialrechner zur Erzeugung von Bildern der Bodentemperatur bereitet die Fotos mit Hilfe von der Nasa entwickelten Algorithmen zu thermischen Bildern auf und schickt sie weiter an einen Rechner in Canberra.

Innerhalb einer Stunde nach Überflug sind die aktuellen Bilder dann auf der Internetseite zu sehen und können bis auf ein Areal von 1,5 Kilometern rund um einen Brandherd heruntergezoomt werden. In Spitzenzeiten während akuter Buschbrände verkraftet der Server einen Ansturm von 800.000 Usern pro Tag.

Schon die Erprobungsphase während der Buschfeuer rund um Sydney Anfang Dezember vergangenen Jahres sei höchst erfolgreich verlaufen, erzählt Held. "Die Feuerwehr konnte präzise den exakten Brandherd lokalisieren und so schnell Personal sowie Gerätschaften in das betroffene Gebiet dirigieren." Entstanden war die Idee zur Online-Kontrolle von Buschfeuern nach den verheerenden Bränden der "Schwarzen Weihnacht" 2001. CSIRO entwickelte zusammen mit dem australischen Verteidigungsministerium und Geoscience Australia den "Wächter".

Während die Feuerwehren das neue Instrument zur Bekämpfung der über einhundert Brandherde im Dreieck Sydney, Canberra und Melbourne nutzen, arbeiten die Experten schon an der Weiterentwicklung des "Sentinel". Nicht nur sollen weitere Satelliten in naher Zukunft das Datenmaterial ergänzen. Sondern sie wollen "Sentinel" weitere Anwendungsbereiche erschließen. Die Meeresforschung, Überwachung von Überschwemmungsgebieten, Wettervorhersage oder auch das Management von Küstengewässern könnten von dem System profitieren, sagte Held.

Es brennt im australischen Web

Brandheiße Informationen über Feuervorhersage und Schutzmaßnahmen vor Bränden stellen auch andere australische Internetseiten zur Verfügung. Das "Meteorologische Büro" erläutert die Rezeptur des typischen "Buschfeuer-Cocktails" aus Temperatur, relativer Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Dürre. Über das "Leben mit dem Feuer" und die Bedeutung der Feuer für die australische Umwelt klärt der "NSW National Parks & Wildlife Service" auf. CSIRO vermittelt Ratschläge, wie die Australier ihre Häuser feuerfest machen können. Prävention steht auch im Mittelpunkt der Webseiten der Freiwilligen Feuerwehr "Rural Fire Brigades". Online zu besichtigen sind einige der Exponate des "Feuermuseum" in Penrith bei Sydney.

Die Katastrophe von Canberra hat aber auch gezeigt, dass die beste Technik und ausgefeilte Prognoseinstrumente kein Schutz vor menschlichem Versagen sind. Feuerwehrexperten und Politiker sind sich einig, dass die für den Katastrophenschutz zuständigen Behörden der australischen Hauptstadt versagt haben. Die Feuer von Canberra haben vier Menschenleben gefordert und über 400 Gebäude vernichtet. Darunter das für seine bahnbrechenden Weltraumforschungen bekannte Observatorium "Mount Stromlo". Auch das Internet ist von den Buschfeuern betroffen. Wie die Homepage der Zeitung "Canberra Times" sind viele Webseiten Canberras derzeit nicht erreichbar, und rund 30.000 Menschen sind ohne Telefon.