Australien Jagd auf Zombies
Die Wahrscheinlichkeit, dass man zum Mittäter bei irgendwelchen Computervergehen wird, ist relativ hoch. Nicht auszuschließen, dass auch Ihr Rechner in diesem Augenblick Spam-Mails verteilt, an einer Denial-of-Service-Attacke teilnimmt oder als Relay-Station missbraucht wird, um die Identität eines Crackers zu verschleiern. Über sechzig Prozent des weltweit verbreiteten Werbemülls läuft heute von deren Besitzern unbemerkt über private "Zombie"-Rechner. Der Nutzer bekommt das im Zweifelsfall nicht unbedingt mit: Genau das ist der Witz an Zombie- oder "Bot"-Netzen, mit denen immer mehr Cyberkriminelle bevorzugt arbeiten.
Dabei werden Rechner durch die massenhafte Aussendung von Viren, Würmern und Trojanern zunächst "geöffnet" und in der Folge dann durch eingeschleuste Schadprogramme übernommen. Im Hintergrund, die Gesamtleistung des Rechners allenfalls schmälernd, lassen sich dann die Ressourcen des Rechners für fremde Zwecke missbrauchen.
Die Zahl der so zu Botnetzen verbundenen Zombie-Rechner geht zu jedem gegebenen Zeitpunkt in die Millionen. Erst letzte Woche wurde ein Spammer und Erpresser, der für seine Straftaten ein Botnetz benutzt hatte, in den USA angeklagt. Ihm allein war es gelungen, rund 400.000 Rechner unter seine Kontrolle zu bringen. Die Staatsanwaltschaft forderte 50 Jahre Haft.
Australier nehmen die Nutzer in die Pflicht
Im Auftrag der australischen Regierung soll die dortige Telekommunikations-Aufsichtsbehörde Australian Communications and Media Authority ACMA nun in den nächsten drei Monaten herausfinden, ob sich diesem Cyber-Hijacking mit sanfter Gewalt ein Riegel vorschieben lässt. Offiziell heißt die heute angelaufene Aktion "Australian Internet Security Initiative", die ACMA selbst nennt sie das "Australische Zombie-Jagd-Programm".
Zunächst ist das noch ein Experiment. Bewusst nehmen daran die fünf größten Internet-Serviceprovider ("ISP") des Landes teil, bisher unwissentlich zudem alle ihre Kunden: Etliche von denen werden das in den nächsten Wochen aber erfahren. Denn die ACMA will den Datenverkehr auf verdächtige konzertierte "Bewegungen" im Netz überwachen und so Zombierechner aufspüren. Das australische NIC, das Adressen der australischen Endung "au" vergibt, überprüft die so gefundenen IP-Daten dann darauf, ob die betroffenen Rechner in Australien stehen.
Durch Abgleich mit den Kundendaten der großen ISPs sollen diese Rechner dann identifiziert und die Kunden informiert werden. Die ISPs sollen es übernehmen, ihre Kunden zu beraten, wie sie die Fremdkontrolle ihrer Rechner brechen und die Computer künftig gegen solche Übernahmen schützen können (Viren- und Adwareschutz, Spamfilter, Firewalls). ACMA soll Links und Downloads zu entsprechender Software anbieten, die Aktionsseite ist aber noch nicht online.
Druckmittel Abschaltung
Und damit der freundliche Service nicht ungehört verhallt, hat die australische Regierung die ACMA mit einem deutlichen Druckmittel ausgestattet: "Falls der Computerbesitzer sein Problem nicht lösen kann oder will und er fortfährt, eine Bedrohung für andere Nutzer des Internet zu sein, sollen die ISPs Schritte unternehmen, diese Rechner vom Netz zu trennen, bis das Problem gelöst ist", heißt es in einer Mitteilung der ACMA.
Teil des Programms ist auch der stichprobenartige Portscan durch die ISPs und ACMA: Dabei wird von Seiten der Fahnder aktiv nach offenen, unzureichend gesicherten Rechnern gesucht.
Auf Seiten der freiwillig teilnehmenden ISPs findet das programm viel Beifall. Dass Kunden die Internet-Verbindung gestrichen wird, weil ihre Rechner Teil eines Zombie-Netzes sind, kam auch in der Vergangenheit schon vor. Aus Sicht der Provider ist dieser Zombie-Netzwerkverkehr nicht zuletzt ein schmerzhafter Kostenfaktor. Im Oktober und damit vor Beginn der Zombie-Jagdaktion identifizierten die Rechner der ACMA zwischen 6000 und 7000 "Zombies" im Bereich australischer IP-Adressen. Die Behörde rechnet damit, dass diese Zahl stark ansteigen wird, sobald mit Hilfe der Provider die gezielte Suche beginnt.