Bemerkenswert Mein Stift kann lesen!
Hat Ihr Lieblingskuli schon eine eingebaute Digitalkamera?
Warum eigentlich nicht? Gehören Sie gar immer noch zu den Zeitgenossen, die handschriftliche Notizen im Nachhinein vom Blatt ablesen und mühselig in den Rechner tippen? Das ist ja so was von unnötig, seit es Bluetooth gibt.
Und schicke, kleine Prestigeobjekte wie den "Bluetooth Pencil" von Anoto. Im Ernst: So packend die technischen Möglichkeiten von Bluetooth auch sein mögen, bei manchen Applikationen muss man die Fantasie schon ziemlich strecken, um den Sinn in den Dingen zu entdecken.
Man muss sich das mal vorstellen. Das zugegebenermaßen elegante Schreibgerät verfügt direkt unter der Kuli-Mine über eine kleine Digitalkamera, die 100 Aufnahmen pro Sekunde (!) vom gerade Handgeschriebenen macht und diese - nach der durch den integrierten Kleinrechner geleisteten Handschrifterkennung - als Ascii-Zeichen per Bluetooth an den Rechner übermittelt. Das ist technisch höchst anspruchsvoll, tatsächlich beeindruckend - und weitgehend sinnfrei.
Anoto sieht das natürlich anders. Auf der Unternehmenswebsite werden Szenarios für die sinnvolle Anwendung entworfen, die man sich selbst laut vorlesen sollte: Da heißt es beispielsweise, mit dem Bluetooth-Pen ließen sich per Handy und PC in Windeseile Papierkalender und PDA synchronisieren, wenn der Lehrer einmal überraschend eine Mathearbeit anberaumt, obwohl man ja eigentlich ausgehen wollte. Wie gut, dass man SMS- und E-Mail-Nachrichten nun auch unauffällig auf ein Stück Papier scribbeln kann - und dann funkt's! So lange das aktivierte, Bluetooth-fähige Handy oder der Laptop unauffällig irgendwo in der Nähe bereit liegen ...
Ach ja: Und so lange man das spezielle, nur dafür entworfene Papier benutzt. Nur dann kann man seine E-Mails endlich wieder handschriftlich verfassen - um nachher die Interpretationsfehler der Schrifterkennung über die Tastatur des Rechners zu korrigieren. Denn eine absolut fehlerlose Schrifterkennung wäre nun tatsächlich eine Revolution, die berichtenswert wäre.
So bleibt der Hinweis auf ein elegantes, prestigeträchtiges Schreibwerkzeug für Menschen, die sich nur mit PDA und Handy schon lang nicht mehr von "der Masse" absetzen können. Ein schönes Statussymbol, das zudem gar nicht einmal so teuer werden soll. Preise stehen noch nicht fest, aber "unter 100 Dollar" werden schon einmal angepeilt. Immerhin.
Halle 13, Stand E81
Frank Patalong