Bertelsmann Das Napster-Abo kommt im Sommer
Davos - Die gesamte IT-Branche ist vom Erfolg des Datenaustauschprogramms Napster überrascht worden. Das räumten am Montag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die teilnehmenden Firmenchefs ein, darunter Microsoft-Gründer Bill Gates und der Sony-Vorstandsvorsitzende Nobuyuki Idei.
Der Erfolg der Filesharing-Dienste nach dem P2P-Prinzip sorgt selbst bei den großen Unternehmen weiter für Verunsicherung. "Im zurückliegenden Jahr ist die Echtzeitkommunikation explodiert", stellte Gates fest. Möglich geworden sei dies durch die Flexibilität, die ein PC biete. Und Idei, dessen Unternehmen zahlreiche Musikrechte hält, erklärte, das Internet habe die Machtverhältnisse verändert. Inzwischen sei der Verbraucher mächtiger als die Unternehmen. Er frage sich, wie er seine Firma in diesem neuen Umfeld schützen könne.
Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff war es dementsprechend wichtig, auf die Veränderung von Napster hinzuweisen, die der Gütersloher Medienriese nach seinem Einstieg bei dem Filesharing-Dienst eingeleitet hat. Schon im Juni oder Juli will Bertelsmann Gebühren für die Nutzung der Musik-Tauschbörse Napster einführen. Middelhoff: "Die Bereitschaft, zu zahlen, ist da".
Die Zahl der Napster-Nutzer werde sich von derzeit etwa 56 Millionen bis Mitte des Jahres auf rund 100 Millionen fast verdoppeln, sagte Middelhoff weiter. Dies seien die wahren Musikliebhaber, die die Musikindustrie nicht bekämpfen dürfe. "Die Musikindustrie weiß nicht, wie sie mit dem Konsumentenverhalten umgehen soll," sagte Middelhoff. Die Napster-Nutzer strafrechtlich zu verfolgen, sei aber die falsche Antwort. Das Copyright der Musiker und ihrer Produzenten müsse dabei natürlich geschützt werden.
Middelhoff sieht in dem bei Napster genutzten so genannten File-Sharing ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell auch für den Handel mit Bildern, Musik, Videos oder digitalen Büchern im Netz.