Bertelsmann "Künftig alle Medienangebote digitalisieren"
Stuttgart - "Es gibt sehr wenige globale Marken, die in kürzester Zeit eine solche Bekanntheit erreicht haben", sagte der Vorstandschef der Bertelsmann eCommerce Group, Andreas Schmidt, auf dem Deutschen Multimedia Kongress in Stuttgart. "Das ist für uns eine entscheidende Weichenstellung. Wir wollen künftig alle Medienangebote digitalisieren und auf Plattformen zur Verfügung stellen."
Dabei sollten auch andere Unternehmen solche Internet-Plattformen nutzen können. An dem für diesen Sommer geplanten legalen Napster-Modell würden zumindest die Allianz MusicNet, an der außer Bertelsmann auch die Medienkorne AOL Time Warner und EMI mitwirken, und möglichst auch andere Partner beteiligt sein. MusicNet sei von der jüngst gescheiterten Fusion der Bertelsmann Music Group (BMG) und EMI nicht berührt, sagte Schmidt. "Den Kunden interessiert nicht, ob die Musik von Universal oder Bertelsmann kommt, sondern ob er Madonna oder Britney Spears hören kann."
"Die Musikindustrie steht unter Zeitdruck. Immer mehr Nutzer wandern endgültig in die Illegalität", sagte Schmidt. Bertelsmann war im Herbst 2000 eine Allianz mit Napster eingegangen und will den Service vom Sommer an rechtmäßig gegen eine Abonnementsgebühr weiterbetreiben. Künftig sollen darüber auch Filme und Bücher angeboten werden.
Bertelsmann will über seine Plattform-Strategie 55 Millionen Kunden weltweit personalisierte Internet-Angebote machen. Der Zugriff soll per PC oder Handy über ein Abonnements- oder Mitgliedsmodell möglich sein. Das Prinzip sei bereits durch die traditionellen Buch-Clubs des Konzerns bekannt. "Bertelsmann ist zurück bei seinen Wurzeln," sagte Schmidt. Die eCommerce Group peilt in diesem Jahr einen Umsatz von 2,5 Milliarden Mark an, davon mindestens 35 Prozent über rein elektronischen Handel.