Bertelsmann: Übrigens, Napster gibt's noch - DER SPIEGEL
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Bertelsmann Übrigens, Napster gibt's noch

Am Ende eines langen, schönen Sommers fragt sich mancher Surfer, wo der versprochene Kommerz-Napster denn nun bleibt. Weil das auch Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff weiß, will er die Fans nicht enttäuschen: Mit Napsters Rückkehr, versichert er, müsse man durchaus rechnen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Napster, die in Grund und Boden geklagte, einst marktführende Musiktauschbörse, ist gar nicht tot, sie schläft nur. Versichert Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und gibt - wohl wissend, dass die Öffentlichkeit auf den Startschuss zum avisierten Kommerz-Napster wartet - schon einmal ein deutliches Signal: Mit der Wiederkehr von Napster könne man durchaus "noch in diesem Jahr" rechnen.

Die Filter seien inzwischen fit für ihre Aufgabe, urheberrechtlich geschütztes Material wirklich nur dann über den Draht gehen zu lassen, wenn dafür gezahlt wurde. Zudem habe Bertelsmann noch einige "Modifikationen und Überraschungen" in petto.

Das ist doch was und schürt schon mal die Vorfreude. Die Neuigkeit ist hier zwischen den Zeilen zu suchen: Bisher hatte es aus Bertelsmann-Kreisen stets geheißen, der Kommerz-Napster gehe "noch in diesem Sommer" an den Start. Derzeit, sagt Middelhoff nun, suche man noch nach einem "geeigneten Starttermin" für den Dienst.

Doch wann der liegen könnte, darüber sind sich die Experten weitgehend einig: Gestern wäre ideal gewesen, besser noch vorgestern. Denn mit jedem Tag, den Napster offline und gelähmt im digitalen Nirvana schlummert, schrumpft sein Kundenpotenzial. Längst sind zahlreiche Erben angetreten, die versprechen, die hergebrachte P2P-Szene weiterhin mit der großen Freiheit des kostenlosen Downloads zu verwöhnen.

Die Chance des Kommerz-Napsters wird in der Größe seines (ehemaligen?) Kundenstammes gesehen: Zeitweilig sollen über 60 Millionen User bei Napster registriert gewesen sein. Mit 10 bis 15 Prozent dieses Kundenstammes im Abo-Dienst dürfte Bertelsmann-Chef Middelhoff schon glücklich sein - und hätte tatsächlich stante pede das größte kommerzielle Web-Projekt jenseits der virtuellen Grenzen des AOL-Reiches geschaffen.

Thomas Middelhoff gibt sich optimistisch: Nach wie vor geht er davon aus, dass "keine Marke so gut positioniert" sei wie Napster, um den Markt des Dateivertriebes über das Web aufzurollen.