Bild-Composing: Wie man ein Schiff ins Stadion bringt - DER SPIEGEL
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Bild-Composing Wie man ein Schiff ins Stadion bringt

Mit Bild-Composing kann man aus einfachen Zutaten Wundersames schaffen. Funktion, Form und Farbe sind Größen, die dabei zentrale Rollen spielen. Wie sie miteinander zusammenhängen, und wie man die "Cap San Diego" ins Fußballstadion bringt, erklärt Fachautor Uli Staiger.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eigentlich kann man beim Thema Bild-Composing keine Fehler machen. Die Tatsache, dass sich einzelne Bilddateien zu einem großen Ganzen zusammenfügen lassen, berechtigt das Ergebnis, die Bezeichnung Composing zu tragen. Gewisse Regeln, beispielsweise aus dem Bereich der Optik oder der Gestaltungslehre spielen dabei eine nicht unerhebliche Rolle und führen, je nach Wissensstand des Composers, zu mehr oder minder akzeptablen Ergebnissen. Denn: Ein gutes Composing ist wie ein Spielzeug; man möchte es nicht nur ansehen, sondern auch benutzen können, es sollte also eine Funktion offenbaren oder eine Geschichte erzählen, am besten beides oder anders ausgedrückt: Da muss was los sein.


Allein die Beachtung dieses ersten der drei F (Funktion, Form, Farbe) sorgt dafür, dass sich die dargestellten Objekte gedanklich miteinander in Verbindung bringen lassen und verhindert Kombinationen von Dingen, die den Betrachter planmäßig in eine geistige Sackgasse rennen lassen wie beispielsweise Hunde, die auf einer Wolke stehen oder brennende Blumen, die bar jeglicher Reflexion über dem Wasser schweben.

Die Form unterstützt die Funktion im besten Falle perfekt und transportiert so den Bildinhalt auf direktem Wege ins Unterbewusstsein des Betrachters. Sie sorgt dafür, dass die Linien im Bild harmonisch verlaufen, die Perspektive stimmt und der Vordergrund eine logische Verbindung mit dem Hintergrund eingeht. Sie bestimmt noch mehr als die Funktion, ob wir ein Bild als beruhigend, chaotisch, harmonisch oder unausgewogen empfinden.

Die dritte, Funktion und Form unterstützende Größe ist die Farbe. Auch sie steuert das Unterbewusstsein, jedoch ist die Interpretation maßgeblich von der Form abhängig, mit der sie in Verbindung gebracht wird: Derselbe Rotton, der dem einem Bild kuschelige Geborgenheit verleiht, kann in einem anderem Zusammenhang als bedrohlich und aggressiv wahrgenommen werden.

Der Rest ist Photoshop. Die Feinabstimmung für Schatten, Aufhellung, Farbtemperatur und alles andere, was das Bild lebendig macht und die einzelnen Bildelemente miteinander verbindet, ist die eigentliche Arbeit dessen, was man allgemein unter dem Begriff Composing versteht.

Allerdings wirkt das Ergebnis überzeugender, wenn man sich nicht nur mit Formebenen und Paletten beschäftigt, sondern zuvor mit dem gedanklichen und gestalterischen Konzept von Funktion, Form und Farbe auseinandersetzt. Eigentlich schade, dass man Photoshop nicht auch mit F schreibt.

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