Blaster-Baukasten: Wurmwelle im Anzug? - DER SPIEGEL
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Blaster-Baukasten Wurmwelle im Anzug?

Fahnder der amerikanischen Homeland Security haben einen Virenbaukasten für Blaster-Würmer im Web entdeckt. Noch einmal trommelt Microsoft nun für seine Sicherheits-Updates – denn mit Blaster-Würmern sei nun "stündlich" zu rechnen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Viren, weiß das Web-Volk, kann heute jedes zweite pubertierende "Script-Kid" in Umlauf bringen, wenn es nur will: Dazu sucht man sich einen Virenbaukasten im Web, stellt sich seinen Wunschschädling zusammen, versieht ihn mit hinreichend dreist-dummen Lockbotschaften und schickt ihn auf die Reise. Wenn alles wie erhofft schlecht läuft, schreibt sich der frischgebackene "Virii" ins Buch der Webgeschichte und verursacht ein paar Millionen Dollar Schaden. So einfach ist das.

Theoretisch zumindest: Viren aus dem Baukasten sind selten einfallsreich, und die Zeit, in der sie für ernsthafte Schäden sorgten, sind mehr oder minder vorbei. Die wirklich erfolgreichen Schädlinge der letzten zwei Jahre - von Nimda und Klez über Yaha bis hin zum Blaster - waren Handarbeit. Jetzt aber, warnt das US-Sicherheitsministerium Homeland Security, hat irgendein Chaot den Script-Kiddies ein neues Spielzeug an die Hand gegeben: Einen Baukasten zur Montage von Blaster-ähnlichen Würmern.

Im Klartext heißt das: Da liegt eine Software, mit der sich Viren schreiben lassen, die sich, aktuelle Windows-Sicherheitslücken ausnutzend, selbsttätig verbreiten. Prost Mahlzeit, meint da auch Microsoft und weist darauf hin, dass jetzt vielleicht ein ganz guter Zeitpunkt wäre, ein aktuelles Sicherheits-Update durchzuführen, falls man es noch nicht getan habe.

Zunächst betroffen: Windows 2000

Das meinen auch die Mitarbeiter der Firma iDefense, die die Hacker-Software auf einer chinesischen Website fanden. Das Programm richtet auf Computern mit dem Betriebssystem Windows 2000 einen neuen User-Account mit dem Namen "e" und einem festgelegten Passwort ein. Über diesen Account können die Angreifer dann in den Computer eindringen. Die iDefense-Fachleute äußerten am Dienstag die Erwartung, dass es in den nächsten Tagen zu ähnlich umfangreichen Angriffen wie im Juli durch den "Blaster"-Wurm kommen werde. Außerdem sei damit zu rechnen, dass Hacker das Schädlingsprogramm so variieren könnten, dass auch andere Versionen des Microsoft-Betriebssystems wie Windows XP oder Windows Server 2003 davon betroffen sein könnten.

Die für Sicherheitsfragen zuständige Microsoft-Managerin Any Carroll rief noch einmal dazu auf, die im Internet bereit gestellten "Patches" zur Aktualisierung von Windows  zu installieren. Das Bewusstsein für deren Dringlichkeit sei offenbar gestiegen, sagte Carroll. So war die Zahl der innerhalb von fünf Tagen registrierten Downloads für den jüngsten Windows-Patch nach ihren Angaben um 63 Prozent höher als in einem ähnlichen Fall im August.