Blockierte Server Fahndung läuft auf Hochtouren
Wie Justizministerin Janet Reno in Washington bekräftigte, würden die USA dafür sorgen, dass das Internet ein sicherer Ort für Geschäfte bleibe. Die Bundespolizei FBI hat mittlerweile die Fahndung nach den Tätern aufgenommen, die bereits am dritten Tag in Folge populäre Internetseiten durch massive Zugriffe lahm gelegt hatten. Bei der Suche soll eng mit den betroffenen Firmen zusammengearbeitet werden.
Über die Motive der Hacker herrscht Reno zufolge bisher Unklarheit. Noch habe sich niemand zu den Attentaten bekannt. Der FBI-Experte für Computersicherheit, Ron Dick, erklärte, das Spektrum der möglichen Täter sei groß. Derartige Attacken könnten auf das Konto eines Teenagers gehen, aber auch auf das einer ausländischen Regierung.
Einem Ersttäter würden im Fall der Verhaftung und eines Schuldspruchs bis zu fünf Jahre Haft drohen, einem Wiederholungstäter bis zu zehn Jahre. Durch die Art des Angriffs könnten die Täter allerdings sich so tarnen, dass selbst das FBI als Urheber dargestellt werden könnte.
Betroffen waren zuletzt unter anderem der Börsenhändler eTrade und der Computer-Branchendienst ZDNet. Zuvor waren die Server des Auktionshauses eBay und des Online-Buchhändlers Amazon zusammengebrochen. Auch die E-Commerce-Firma Buy.com, die am gleichen Tag an die Börse ging, und das Internet-Angebot des Nachrichtensenders CNN hatten Ausfälle zu verzeichnen. Bereits am Montag hatten die Täter die Seiten des Internetdienstes Yahoo ins Visier genommen.
Der Leiter des zuständigen US-Bundesamtes, David Jarrell, sagte, für die Angriffe seien hunderte oder mehr Computer in den USA verwendet worden - und das ohne Wissen ihrer Besitzer. Es sei fast unmöglich zu bestimmen, welcher Computer die Angriffe aus dem Hintergrund gesteuert habe.
Experten erklärten, der oder die Angreifer hätten durch einen schnellen Wechsel von einem Computernetzwerk zum anderen ihre Spuren verwischt. Die Intensität der Angriffe deute auf ein abgestimmtes Vorgehen einer Gruppe hin. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die Sabotage auch von einem Einzel- oder Nachahmungstäter begangen worden sei.
Die Angriffe haben unterdessen auch an der Börse ihre Spuren hinterlassen. So gaben die Aktienkurse der lahm gelegten Unternehmen teils deutlich nach. Gleichzeitig zogen die Kurse von Firmen, die sich mit der Sicherheit im Netz beschäftigen, kräftig an.
Noch ist völlig offen, ob die Angriffe weitergehen werden und wer das nächste Opfer sein könnte. US-Präsident Bill Clinton zeigte sich ebenfalls ratlos, wenn auch nicht sprachlos. "Ich weiß nicht, was zu tun ist", sagte Clinton. "Aber ich habe Leute, die mehr wissen, gefragt, ob wir nicht irgendwas unternehmen können."