Blu-ray oder HD-DVD: Die Gerätchen-Frage - DER SPIEGEL
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Blu-ray oder HD-DVD Die Gerätchen-Frage

Blu-ray? HD-DVD? Hybrid? Das ist die große Frage bei der Ifa - doch bald könnte hochauflösendes Video-on-Demand die Silberscheibe ganz überflüssig zu machen. SPIEGEL ONLINE zeigt die neuesten Produkte und was Verbraucherschützer über sie denken.
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Verspätungen, ein absurder Kopierschutz, viel zu hohe Preise - die Ablösung der DVD durch hochauflösende Disks gleicht einem Debakel. Vor allem ein grundsätzliches Problem hielt die Verbraucher vom HD-Kauf ab: Bislang war völlig unklar, welches der beiden Formate HD-DVD oder Blu-ray sich durchsetzen wird

Wer sich heute für das falsche System entscheidet, steht möglicherweise in wenigen Monaten als Verlierer da, zusammen mit seinem Wunsch-Format. Denn ohne ein großes Angebot an neuen Filmen wäre die Investition Hunderter Euro in das falsche Abspielgerät in den Wind geblasen.

Wer hofft, die Ifa 2007 kennzeichne das Ende des DVD-Erbfolgekriegs, der irrt. Für beide Formate wird der ein oder anderen Player und Rekorder vorgestellt. Die Geräte wurden vor allem in Details verbessert, die Preise sind weiter gepurzelt.

Manche Gerätehersteller versuchen noch immer, die Angst des Käufers mit Kombigeräten zu dämpfen, die sowohl Blu-ray als auch HD-DVD abspielen. Derweil haben Video-on-Demand-Lösungen für hochauflösende Filme tüchtig Zuwachs. Es könnte durchaus sein, dass sich der Formatkrieg um die Silberscheiben erübrigt, da die Streaming-Lösungen ohnehin attraktiver sind.

Der Formatkrieg: Blu-ray- und HD DVD-Player im Vergleich

Toshiba hat die dritte Generation seiner HD-DVD-Player zunächst nur in den USA vorgestellt: Preislich liegen die Geräte mit den schmucken Typenbezeichnungen HD-A3, HD-A30 und HD-A35 zwischen 299 und 499 Dollar - und sind damit teils deutlich billiger als die Player der Blu-ray-Konkurrenz. Die Bild- und Tonqualität will Toshiba verbessert haben, ebenso das CE LINK, beziehungsweise HDMI-CEC-System, über das die Player mit allerlei anderen Geräten kommunizieren können.

Die neusten Produktlinien für den europäischen Markt heißen HD-E1 und HD-XE1. Voraussichtlich zur Ifa 2007 erwartet Käufer der Toshiba-Geräte eine wichtige Neuerung: Ein Software-Update soll dafür sorgen, dass auch die älteren Geräte 1080p-Auflösungen mit 24 Bildern pro Sekunde (24p) unterstützen.

Damit sollen die Player - in Kombination mit 24p-fähigen Fernsehern oder Projektoren - weitaus flüssigere Bilder ausgeben, als es bisher der Fall war. Bislang sorgte eine fehlerbehaftete Einspeisung des auf HD-DVD gespeicherten Kinoformats mit 24 Bildern pro Sekunde auf den TV-Bildschirm, der 60 Bilder pro Sekunde ausgibt, für störendes Ruckeln.

HD-Qualität durch nachträgliches Rechnen

Auch aus dem Blu-ray-Lager gibt es Neuigkeiten: Samsung stellt auf der Ifa den BD-P1400 vor, der in der Lage sein soll, für herkömmliche DVDs "volle HD-Qualität" zu simulieren. Die Auflösung einer DVD wird dabei durch hinzufügen von Bildpunkten auf 1080p aufgeblasen, die Bildqualität durch digitale Politur nachträglich verbessert (Postprocessing). Anders als bei Samsungs Modellen BD-P2400 und dem Vorgänger BD-P1200 werkelt im BD-P1400 allerdings kein HQV-Scaler, was Zweifel an der Qualität des Bilder-Hochrechnens aufkommen lässt.

Für die volldigitale Übertragung von Audio- und Video-Daten verwendet der BD-P1400 die neuste Version der Schnittstelle HDMI. Mittels dieser sollen Farben lebendiger dargestellt werden können. Auch der Surround-Sound soll klarer klingen. 24 Bilder pro Sekunde sowie eine Ethernet-Schnittstelle für allerlei Online-Extras hat der BD-P1400 ebenfalls an Bord. Samsung will den BD-P1400 als Einsteigermodell ab September für 600 Euro in Deutschland anbieten.

Himmelblau-schwarze Technik-Balken

Blu-ray-Initiator Sony hat mit der Playstation 3 (PS3) ohnehin einen günstigen Player im Angebot: Die Spiekonsole inklusive Blu-ray-Player kostet 599 Euro - auch wenn laut einer Erhebung von "Ars Technica"  nur 40 Prozent der PS3-Besitzer überhaupt wissen, dass die Konsole über einen solchen verfügt.

In der Ifa-Halle 7.2 präsentiert Sony zusätzlich seinen neuen BDP-S1E-Highend-Player. Dieser bläst, wie Samsungs Ausstellungsmodell, herkömmliche DVDs auf 1080p auf und zeigt 24 Bilder pro Sekunde an. Der Technik-Balken im himmelblau-schwarzen Design kostet 750 Euro.

Ähnliche Features bietet Sharp mit seinem Modell Aquos BD-HP20S: 24-Bild-Modus, verbesserter Sound, Bolidendesign zu einem bis dato nicht bekannt gegebenem Preis. Einziges Manko: Ein Ethernet-Anschluss fehlt, Onlinespielereien sind mit dem Gerät nicht möglich.

Der Kompromiss: Hybrid-Geräte und was Verbraucherschützer über sie denken

Da der Formatkrieg noch lange nicht entschieden ist, experimentieren Filmstudios mit allerlei Doppelangeboten: Die US-Film- und Fernsehgesellschaft Warner veröffentlicht Filme zeitgleich auf HD-DVD und Blu-ray; Universal und Warner produzieren zum Teil Silberscheiben, die sich sowohl auf HD-DVD- als auch auf konventionellen DVD-Playern abspielen lassen.

Die Botschaft aus dem Hardware- und Filmlager lautet: Kauft ohne Furcht vor Reue. Mit Hybridplayern werde man "der Nachfrage nach High Definition gerecht" und könne "dem Verbraucher Zukunftssicherheit bieten, so Mike Henkelmann, Product Marketing Manager bei Samsung.

Vor allem Samsung versucht, mit einem Hybridgerät das Format-Patt aufzubrechen. Der Kombiplayer BD-UP5000, der noch dieses Jahre in Europa in den Handel kommen soll, ist via Online-Anbindung fit für allerlei interaktive Spielereien. Interactive High Definition (iHD) heißen die bei HD-DVD, BD-Java bei Blu-ray. Preis: 999 Euro.

Für eine kleine Überraschung sorgte LG mit der Ankündigung des Blu-ray-Brenners und HD-DVD-Lesers GGW-H20N: Gerade 400 Euro soll das Combo-Laufwerk für PCs kosten.

Verbraucherschützer halten Hybridplayer für Abzocke

Verbraucherschützer raten vom Kauf eines Kombiplayers jedoch ab, da noch immer nicht absehbar ist, in welche Richtung sich der Formatkrieg entwickeln wird. Derzeit sieht es so aus, als habe die Blu-ray-Disk einen leichten Verkaufsvorteil ; entschieden ist die Schlacht aber noch lange nicht.

"Im Falle eines Formatsieges ist ein Kombigerät schlicht überflüssig", warnt der Verbraucherschützer und Rechtsanwalt André Malitzki. Auch wer bei der eigenen Filmsammlung aufs falsche Format setzt, schaut in die Röhre, wenn die Formatschlacht ausgefochten ist. "Also Hände weg von Hybrid- und Einzelplayern und lieber erstmal abwarten", rät der Verbraucherschützer.

Erschwerend hinzu komme, dass der Umstieg auf Silberscheiben für hochauflösende Filme alles andere als dringend sei. Die Vorteile gegenüber der DVD seien schlicht zu gering. Experten geben seit langem zu Bedenken, dass die Schärfe-Vorteile der HD-Technik bei einem Abstand von mehr als zwei Metern zum Fernseher auch auf modernen Geräten nahezu verpuffen.

Der dritte Weg: Video-on-Demand-Portale

Sollte sich der Formatkrieg zwischen HD-DVD und Blu-ray nicht bald auflösen, könnten sich die Video-on-Demand-Portale (VoD) als lachender Dritter entpuppen. Denn auch immer mehr VoD-Firmen setzen auf hochauflösende Filme. Bei T-Online ist diese Dienstleistung ab 99 Cent pro Kurzfilm und ab 2,99 Euro für 24 Stunden zu haben - eine sehr schnelle DSL-Verbindung, einen HD-Fernseher und das Windows Media Center vorausgesetzt.

Das gelbe vom Ei sind die VoD-Angebote allerdings noch nicht: Das Marktforschungsinstitut Facit Digital nahm sich in einer qualitativen Studie  der Benutzerfreundlichkeit verschiedener Angebote an. Das Ergebnis: Die Vorteile einer online verfügbaren Filmauswahl gegenüber einer klassischen Videothek werden bislang kaum ausgespielt.

Neue Formen der Kommunikation, des Suchens und der sozialen Interaktion, die nur online möglich sind, werden schlichtweg ignoriert. "Aktuell besteht die Gefahr, dass die VoD-Anbieter ihre Klientel zurück in die Videothek um die Ecke treiben", fasste Christian Bopp, Geschäftsführer von facit digital, die Studie in einer Präsentation für die ZDF Medienforschung zusammen. Diese Zusatzangebote gibt indes schon heute - bei illegalen Angeboten wie P2P-Tauschbörsen.

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