Branchengerüchte Droht der Comdex das Ende?
Um Key3Media ist es derzeit nicht gut bestellt. Das Unternehmen, das in den USA die renommierten Comdex-HiTech-Messen veranstaltet, wird wohl einen Insolvenzantrag stellen. Entsprechende Meldungen füllen kurz vor dem Start der diesjährigen Comdex-Herbst-Messe die US-amerikanischen Zeitungen. Vor Beginn der Technologie-Schau will das Unternehmen jedoch keine Entscheidung treffen.
Die öffnet am Montag in Las Vegas ihre Pforten. Dazu versammelt sich mal wieder viel Prominenz: Microsoft-Chef Bill Gates soll sprechen, ebenso seine Pendants Carly Fiorina von Hewlett-Packard und Scott McNealy von Sun Microsystems. Die Comdex wird also auch diesmal ihrem Ruf gerecht, die größte Technologie-Messe der USA zu sein.
Comdex auf Talfahrt
Dabei ist der Trend in den vergangenen Jahren rückläufig. Das zeigt sich nicht zuletzt an der Zahl der Aussteller: In diesem Jahr werden nur noch gut 1000 erwartet. 2001 zeigten noch über 1600 Anbieter ihre Hard- und Software-Lösungen, im Jahr davor waren es sogar noch fast 2400. Innerhalb von zwei Jahre ist die Leistungsschau also um mehr als die Hälfte geschrumpft. Für Key3Media-Chef Fredric D. Rosen ist klar, dass die Comdex das Wohl und Wehe des Marktes widerspiegelt: "Wir sind wie ein Akkordeon. Wenn sich die Industrie zusammenzieht, werden auch wir ausgequetscht."
Experten halten die Probleme der Comdex jedoch für hausgemacht: Kritik an der Geschäftspolitik von Key3Media-Chef Rosen kommt dabei sogar aus den eigenen Reihen. Branchenfremde Aussteller hätten für Unmut bei den Technologie-Anbietern gesorgt, und Rosen soll sich mit einem wichtigen Partner überworfen haben.
Zukunft ungewiss
Der Aussteller-Rückgang bei der Comdex liegt nach Informationen der "Business Week" weit über dem Durchschnitt amerikanischer Technologie-Messen. Auch die Besucherzahl ging stärker zurück als anderswo. Die Frage, ob die Comdex überleben wird, ist durchaus angebracht. Zumal Key3Media im September bereits eine Reihe regionaler Messen aus ihrem Kalender gestrichen hat - darunter auch eine Comdex-Schau in Chicago.
Fakt ist: Bei Key3Media kriselt es gewaltig. In den vergangenen Monaten ist etwa die Hälfte der Aufsichtsratsmitglieder zurückgetreten. Die Aktien des Unternehmens sind seit Ende Juli nicht mehr an der Wall Street notiert. Sie werden zurzeit nur noch bei einem Wert von etwa drei Cent gehandelt. Aus dem Unternehmen war zu hören, es könne seine Schulden nicht mehr begleichen und müsse möglicherweise Insolvenz beantragen. Allerdings werde auch über eine Fusion oder Kapitalaufstockungen nachgedacht. Eine Lösung wird es aber wohl erst nach der jetzigen Herbst-Comdex geben.
Sascha Klein