Camcorder Kassettenwechsel für Hobbyfilmer
Jahrelang stand fest: Wer beim Camcorder auf Bildqualität setzt, kauft ein MiniDV-Modell. Doch nun ist der Markt wieder in Bewegung gekommen. Die Hersteller drängen mit neuen Systemen auf den Markt. Das macht ihn interessant - aber für Laien derzeit fast undurchschaubar. Was soll es sein: DVD, Speicherkarte, Festplatte oder doch das "alte" Magnetband?
Soviel voraus: Trotz neuen Technikavancen hat jeder Hersteller nach wie vor DV-Camcorder im Programm. Zur Cebit gibt es sogar gleich eine ganze Flut von neuen DV-Camcordern: 41 Stück an der Zahl. Die Preise rutschen schneller als den Herstellern lieb ist. Die Einstiegsklasse ist bereits bei einer Preisempfehlung von 500 Euro angekommen - das Internet sorgt dann für noch günstigere Preise.
Für den Filmer bringen alle MiniDV-Modellen dank Firewire-Schnittstelle eine bequeme Datenübertragung in den Computer. Die schnelle Schnittstelle gehört bei neuen Rechnern bereits zum Standard - das Nachrüsten stellt weder ein Problem noch einen hohen Kostenaufwand dar. In Sachen Bildqualität und Verbrauchskosten ist DV immer noch unschlagbar. Softwareunterstützung zur Nachbearbeitung für DV gibt es wie Sand am Meer.
Auch das von Sony entwickelte Digital-8 gehört bereits zu den Veteranen. Die klobigen, aber preisgünstigen Digital-8-Camcorder bannen digitale Signale auf Hi-8-Bänder. Wegen der baugleichen Kassettenform können diese Camcorder das analoge Hi-8-Material weiterhin abspielen. Damit ist das Digital-8-System interessant für Filmer, die ihr analoges Material digitalisieren möchten - aber wer braucht das nach zehn Jahren Digitaltechnik noch? Die Übertragung erfolgt ebenfalls über Firewire, was die einfache Nachbearbeitung sichert. Bei der Qualität muss der Hobbyfilmer jedoch gegenüber DV Abstriche machen. Die von Sony eingesetzte Bildverarbeitungselektronik führt bei vielen Geräten zu einer schlechteren Signalverarbeitung als bei DV.
MiniDV-Rivalen mit Ambitionen
Bereits vor knapp zwei Jahren hat Sony ein drittes Camcorder-System auf den Markt geworfen: das Micro-MV-Format mit noch mal stärker miniaturisierten Camcordern. Die hier eingesetzten Magnetbänder messen nur die Hälfte der Mini-DV-Kassette. Die Sony-Ingenieure haben sich für MPEG-2 mit einer Datenrate von 12 Mbit/s entschieden, um die großen Datenströme auf dem winzigen Band unterzubringen. Dabei kommt man fast an die Bildqualität von DV heran - aber wegen der stärkeren Videokompression eben nicht ganz. DV arbeitet mit 25 MBit/s - speichert also doppelt so viele Informationen je Sekunde, was man dem Bild auch ansieht.
Der Haken am Sony-System ist die Nachbearbeitung. Damit die Daten auf den Rechner wandern können, müssen Sony-eigene Codecs und Programme installiert werden. Nur wenige Schnittprogramme verstehen sich mit dem von Sony definierten MPEG-2-Datenstrom von MicroMV. Zudem muss trotz MPEG-2 der Datenstrom für die Ausgabe auf DVD konvertiert werden, denn dafür ist die Datenrate zu hoch.
Da erscheint eine Direktaufnahme auf DVD-Rohlinge sinnvoller. Vorreiter unter den Camcorderproduzenten ist Hitachi - dort hat man sich ganz von den DV-Modellen verabschiedet. Die DVD ist derzeit das effektivste und verbreitetste Speichermedium. Nichts liegt also näher als auf diesem Format aufzuzeichnen.
Damit die Camcorder noch kompakt bleiben, passen allerdings nur die kleinen acht Zentimeter Scheiben rein. In bester DVD-Qualität fast eine solche DVD gerade mal 20 Minuten Video. Neben den gewöhnlichen DVD-Rs nehmen die Camcorder auch auf wiederbeschreibbare Medien auf.
Die Bildqualität kommt an DV-Gegenspieler auch in höchster Qualitätsstufe nicht ganz heran. Der größte Haken bei den DVD-Camcordern: Die wiederbeschreibbaren Medien sind nur selten mit den DVD-Playern kompatibel und die Übertragung der Videodaten zum Rechner ist nur etwas für versierte Computeranwender.
Konvergenz der Medien
Mit der SV-AV 100 hat Panasonic als Pionier erfolgreich das erste Ultra-Mini-Modell eingeführt, dass aus dem Labor vom James-Bond-Ausrüster Q stammen könnte. Auf der Cebit kommen die Nachfolger SV-AV 25 und SV-AV 50. Gespeichert wird auf SD-Flashkarte mit MPEG-2 oder MPEG-4-Kompression - wie bei einer digitalen Fotokamera. Durch den Wegfall von Laufwerken können die Recorder noch kleiner gebaut werden. Dafür reicht auch hier die Qualität noch nicht an DV heran, was vor allem an der niedrigen Datenrate liegt. Die geringe Aufnahmekapazität und der vergleichsweise hohe Preis der SD-Speicherkarten tun ihr übriges.
Die Annäherung zum Computer zeigte Samsung bereits 2003. Der Camcorder ITCM zeichnet auf eine kompakten Ein-Zoll-Festplatte auf. Mit nur 1,5 Gigabyte Platz wird in MPEG-4 aufgezeichnet. Die Technik ist auch hier noch nicht ausgereift, deshalb ist nach etlichen Terminverschiebungen fraglich ob der ITCM überhaupt Marktreife erreichen wird. Schade, denn die neue Technologie bietet praktische Vorteile wie kompakte Bauform der Camcorder, hohe Datenrate und schnelleren Datentransfer ins Schnittsystem.
Die Zukunft auf der Cebit zu sehen?
HDTV ist in aller Munde- der ersten Sender Euro1080 strahlt in Europa das hochauflösende Material aus. Es fehlen nur noch die geeigneten Fernsehgeräte und Beamer. Die großen Camcorderhersteller haben sich schon mal auf einen gemeinsamen Standard für die Filmer geeinigt: HDV soll es heißen. Einzig Panasonic fehlt in dieser HDV-Allianz, die auf herkömmliche DV-Bänder Auflösung von 1280 x 720 oder 1440 mal 1080 Pixeln aufgezeichnet wollen. Zum Vergleich: DV arbeitet wie Fernsehen und DVDs mit einer Aufösung von 720 mal 576. Sogar bei der Nachbearbeitung tut sich schon etwas: Adobe will mit dem Klassiker Premiere den HDV-Schnitt unterstützen.
Fazit: Die Nachfolger stehen in den Startlöchern, kommen jedoch an MiniDV einfach noch nicht heran. Die enorme Speicherkapazität des DV-Bandes ist derzeit nicht zu schlagen. Sollte sich hochauflösendes Fernsehen in Europa durchsetzten, könnte das Band sogar eine zweite Blüte bevorstehen, denn Qualität bleibt oberstes Gebot.