Cebit 2006 Telekom-Anbieter trainieren Dreisprung
Alles aus einer Hand - dieser Devise haben sich die deutschen Festnetzanbieter verschrieben. Über schnelle Netze sollen die Kunden zu Hause gleichzeitig fernsehen, telefonieren und im Internet navigieren. Diese Angebote, die die Netzbetreiber unter dem Begriff "Triple Play" fassen, sollen neue Umsatzquellen erschließen. Gleichzeitig wollen die Festnetzbetreiber ihre Kunden nicht nur zu Hause mit Kommunikationsdiensten versorgen. Mit dem gleichen Telefon wie daheim sollen sie auch unterwegs erreichbar sein. Sowohl die Telekom-Tochter T-Com als auch Arcor wollen auf der Messe CeBIT so genannte Dual Phones zeigen, die sowohl Festnetz als auch Mobilfunk beherrschen.
Für einen großen Auftritt will Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke die Hightechmesse in Hannover nutzen: Die "Innovationsstrategie" für die kommenden Jahre soll dann ausführlich vorgestellt werden. Die Marschrichtung ist klar - der Konzern will sich vom Operator, der Anschlüsse und Verbindungen bereitstellt, zum Dienstleister mit individuellen Multimedia-Angeboten wandeln. Möglich machen soll dies das neue Glasfasernetz, in das die Bonner Milliarden investieren wollen, für das sie aber auch Regulierungsfreiheit fordern.
Da die Vorab-Kontrolle durch die Bundesnetzagentur davon abhängt, ob die Produkte per Glasfaser echte Neuerungen sind, werden die Ankündigungen der Telekom mit besonderer Spannung erwartet. Denn schon im Herbst sollen die ersten Anwendungen in diesem schnellen VDSL-Netz funktionieren. Ende 2007 wollen die Bonner eine Million Triple-Play-Kunden haben, aus Analystensicht ein ehrgeiziges Ziel.
Auch die Nummer zwei will auf Platz eins dreispringen
Zudem sind die bisher angekündigten neuen Inhalte für das schnelle Netz weder nach Ansicht der Experten noch nach Meinung der EU-Kommission eine echte Neuerung.
Auch Arcor, die Nummer zwei im deutschen Festnetz, setzt auf die Kombination von TV, Telefonie und Surfen im Web. Die Angebote basieren wie die vieler anderer Unternehmen auf Leitungen, die mit einem Tempo von bis zu 25 Megabit pro Sekunde zwar nur die Hälfte des geplanten Netzes der Telekom schaffen, das herkömmliche DSL aber dennoch in den Schatten stellen. Arcor will in Hannover Content-Lieferanten bekannt geben.
Analyst Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim sieht das Thema ziemlich nüchtern. "Langfristig geht an interaktiven Strukturen kein Weg vorbei, aber derzeit ist die Entwicklung noch nicht so weit. Hier sind die Erwartungen wohl zu hoch." Auch Arno Wilfert von der Unternehmensberatung Arthur D. Little glaubt nicht, dass die Akteure mit Triple Play leichtes Spiel haben. Der Ansatz stamme aus Ländern, in denen es nur relativ wenige frei empfangbare Sender gebe. "Hier zu Lande ist hingegen das Programmangebot groß, und mit Kabel, Antenne und Satellit existieren vielfältige andere Möglichkeiten der Übertragung", sagt der Experte.
Hinzu kommt, dass die Kabelnetzbetreiber ihrerseits zum Dreisprung angesetzt haben und schon seit einiger Zeit auch Telefon und Web-Zugang anbieten. Entsprechende Paketangebote planen auch Internetanbieter. Freenet etwa will den Fernseher zur Kommandozentrale auch für Web-Anwendungen wie E-Mails machen. Anders als bei den Festnetz-Riesen sollen aber die Filme nicht über DSL und das Internet laufen. "Wir holen den Computer auf das TV-Gerät und nicht umgekehrt", sagt der Vorstandsvorsitzende Eckhard Spoerr.
Das Konzept der Dual Phones, die Mobilfunk und Festnetz in einem Gerät vereinen, ist nach Ansicht von Wilfert recht vielversprechend.
Es berge allerdings Gefahren für die Handyindustrie. Doch wird es aus Sicht des Experten auch hier eine Weile dauern, bis sich die Kombi-Produkte durchgesetzt haben. Noch gebe es nicht genügend Geräte in ausreichender Qualität. Die Telekom will das Produkt, das auch Internet-Telefonie bieten soll, schon im Sommer einführen. Und auch Arcor will auf der CeBIT den Starttermin nennen, der nicht in weiter Ferne liegt.
Paul Mechnig, ddp.djn