Cebit 2007 Es gibt keine Messemuttis mehr
Es ist einfach nicht mehr wie früher. Seit Jahren wohne ich bei einem Freund in Hannover, wenn ich die Cebit besuche. Damals, als er noch studierte und in einer WG wohnte, verdiente er sich zur Messezeit regelmäßig eine Monatsmiete dazu, indem er sein karg ausgestattetes Zimmer für 80 D-Mark an Koreaner oder Chinesen vermietete - pro Tag natürlich.
"Hinterher roch es immer tagelang nach Mottenkugeln", erinnert er sich. Aber die Zeiten, als die sogenannten Messemuttis mit gutbürgerlich eingerichteten Zimmern den großen Reibach machten, sind vorbei. Die Cebit schrumpft, und zwar schon seit Jahren.
In Hannover bekommt man davon jedoch kaum etwas mit. Die Stadt ist fest in asiatischer Hand, die Straßenbahn zum Messegelände ist gut gefüllt, und am Einlass drängeln sich die Leute um 8.30 Uhr wie jedes Jahr.
Auch in den Hallen scheint alles wie gewohnt zu sein. Am Kyocera-Stand in Halle 1 wird das Personal auf die Messe eingeschworen: "Wir stellen benutzte Kaffeetassen wieder zurück in die Küche", tönt es aus dem Lautsprecher. "Und wir rücken die Stühle wieder zurück an den Tisch. Und wir rauchen nicht."
Messe-Werbung statt Messestand
Kurz vor neun Uhr legen die Techniker und Reinigungskräfte überall noch mal letzte Hand an: Die Bildschirme werden gewienert, die Software eingerichtet, die Bonbons sortiert. Und nach und nach füllen sich die Hallen auch mit Besuchern. Cebit as usual.
Doch wer genauer hinschaut, sieht genau, dass nicht alles ist wie in der guten alten IT-Zeit, als die Messe noch richtig brummte. Immer mal wieder gibt es Lücken in den Hallen. Wo normalerweise ein Messestand wäre, steht nun ein riesiges Regal mit Werbematerial für die Cebit. Oder wie in Halle 2 ein Mini-Stand namens Cebit next, auf dem die Messe Zukunftstechniken zeigt: zwei kleine futuristische Sitzbänke mit daran montierten Monitoren, die sich auf einem riesigen roten Teppich verlieren.
Ebenfalls in Halle 2: der Themenstand lifestyle@cebit. Bei dem ziemlich großen Stand handelt es sich in Wahrheit um eine Ausstellung von teuren Designermöbeln mit dazwischen eingestreuten Flachbildschirmen.
Palmen aus dem Harz
Den Vogel schießt jedoch der Harzer Verkehrsverband ab, der Übernachtungsgäste und Touristen anwerben will. Gleich neben der Ausstellung der Firma Logitech hat er eine nicht gerade kleine Wellness-Oase aufgebaut. Ein romantischer künstlicher Teich lädt zum Verweilen ein, auf den edlen Hölzern am Ufer stehen Palmen und sogar ein Sonnenstuhl.
"Wir sind hier die Exoten", bekennt eine Standmitarbeiterin. Erstmals auf der Cebit werde eine Urlaubsregion präsentiert. Steg und Strandcafé sollten Besuchern als Ruhezone dienen. Noch vor einigen Jahren präsentierte sich an gleicher Stelle die Creme de la Creme der Unterhaltungselektronik. Aber Firmen wie Sony, die einst mit riesigen Ständen die Halle 2 dominierten, haben der Cebit den Rücken gekehrt.
So hat der Harz eine Chance bekommen. "Wir haben ein gutes Angebot von der Cebit erhalten", sagt die Standmitarbeiterin. Immerhin: So ist die Halle wenigstens voll.
Noch etwas ist anders in diesem Jahr: das Wetter. Der Himmel ist so blau wie schon seit Jahren nicht mehr am Eröffnungstag. Die Sonne strahlt, als wollte sie die dunklen Wolken, die über der immer noch mit Abstand größten Computermesse der Welt hängen, für immer vertreiben. Und es funktioniert tatsächlich: "Das wird die schönste Cebit seit Jahren", sagt mein Gegenüber in der Straßenbahn, als wir uns dem Messegelände nähern, "zumindest was das Wetter betrifft."